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Freiburger Symposium zu Therapieoptionen bei der Stuhlinkontinenz

30.06.2006 - (idw) Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

Großes Spektrum der Therapiemöglichkeiten bringt für rund 75 Prozent der Patienten gute oder befriedigende Ergebnisse Nach epidemiologischen Untersuchungen haben rund 2,5 Prozent der über 50jährigen in Deutschland Probleme, den Abgang von Darmgasen oder Stuhl zu kontrollieren. Im Alter nimmt die Häufigkeit der Erkrankung stark zu, doch auch junge Menschen sind betroffen. Die Stuhlinkontinenz ist nach dem Diabetes mellitus die zweithäufigste Volkserkrankung.

Viele Betroffene ziehen sich aus dem sozialen Leben zurück, weil sie sich für den unwillkürlichen Verlust von Winden und Stuhl und die damit verbunden Gerüche und Geräusche schämen. Oftmals wird die Erkrankung über Jahre hinweg verschwiegen. Dabei kann durch eine Vielfalt von Therapien bei rund 75 Prozent der Patienten ein gutes oder befriedigendes Ergebnis erzielt werden. Doch wer nicht darüber spricht, dem kann nicht geholfen werden.

Die Stuhlinkontinenz ist vielfältig - bezogen auf die Ursachen und Formen sowie die Diagnostik und Therapiemöglichkeiten. Bei einer Fachtagung am Universitätsklinikum Freiburg, dem 5. Freiburger Symposium "Perspektiven der Chirurgie", tauschen sich heute und morgen ausgewiesene Experten aus Deutschland und den benach-barten europäischen Ländern über moderne Therapiemöglichkeiten bei der Stuhlinkontinenz aus. Neben den Grundlagen der Erkrankung und ihrer konservativen Therapie, stehen aktuelle Standards und neue Entwicklungen in der chirurgischen Therapie im Mittelpunkt des Symposiums. Modernste Operationstechniken werden von den Experten in Videositzungen demonstriert.

Die Ursachen der Stuhlinkontinenz sind vielfältig. Sie reichen von Missbildungen des Nervensystems und den Folgen von Stoffwechselstörungen (Diabetes mellitus), über unfallbedingte traumatische Schädigungen des Beckens und des Beckenbodens, sowie Geburtsschäden nach vaginaler Entbindung mit Schließmuskel- und Nervenverletzungen, bis hin zu bösartigen Tumoren und Folgezuständen nach Operationen am Enddarm oder im kleinen Becken. Psycho-organische Störungen, das Reizdarm-Syndrom, chronisch entzündliche Darmerkrankungen oder altersbedingte Schwächungen im Beckenbodensystem treten als Ursachen hinzu.
In vielen Fällen ist das Krankheitsbild sehr komplex und oft sind Maßnahmen aus verschiedenen Bereichen erforderlich, um die Patienten optimal zu behandeln. Eine differenzierte Diagnostik ist daher notwendig, um die Ursachen im Einzelfall einzugrenzen und Voraussetzung für die Wahl der individuell optimalen Therapie. Zusätzlich zur Basisdiagnostik, das Erheben der Krankengeschichte, die körperliche Untersuchung sowie eine Enddarmspiegelung verbunden mit einer Endosonographie, ist meist eine ergänzende Untersuchung durch einen Urologen oder Gynäkologen erforderlich.

Seit dem vergangenen Jahr verfügt das Universitätsklinikum Freiburg über ein von der Deutschen Kontinenz Gesellschaft e.V. zertifiziertes Kontinenzzentrum. Hier fließt die Kompetenz aller Abteilungen, die für die Behandlung der Harn- und Stuhlinkontinenz von zentraler Bedeutung sind, zusammen. Die Disziplinen Urologie, Gynäkologie und Chirurgie kooperieren zum Nutzen der Patienten, die unter Harn- oder Stuhlinkontinenz leiden. Das interdisziplinäre Beratungs-, Diagnostik- und Behandlungszentrum arbeitet auch mit niedergelassenen Ärzten, Krankenpflegern und Physiotherapeuten zusammen.

Die Liste der Behandlungsmöglichkeiten ist so lang wie die der Krankheitsursachen. Diese kann sowohl konservative Maßnahmen umfassen als auch interventionelle oder operative Verfahren. Die Versorgung von Patienten mit einer Schließmuskelprothese steht am Ende der therapeutischen Leiter. Bei rund einem Prozent der hochgradig stuhlinkontinenten Patienten kommt ein solches muskuläres Ersatzverfahren in Frage. Alle bisher zur Verfügung stehenden Prothesen bestehen aus drei zu implantierenden Funktionsbausteinen, die der Patient manuell und teilweise unkomfortabel bedienen muss.

Die Chirurgie am Universitätsklinikum Freiburg und der Lehrstuhl für Mikrosystemtechnik versuchen derzeit im Rahmen einer Konzeptstudie, durch das Zusammenführen von Mikrosystemtechnik und der Technologie im induktiven Daten- und Energietransfer eine "intelligente Prothese" zu entwickeln, die nur aus zwei Funktionsbausteinen besteht und vom Patienten einfach per Funk zu bedienen ist. Hier werden Impulse auch für die Therapie der Harninkontinenz, der Cardiainsuffizienz und der Adipositas erwartet.


Kontakt:

PD Dr. Robert Obermaier
Universitätsklinikum Freiburg
Abteilung Allgemein- und Viszeralchirurgie
Tel. 0761 / 270-2509
E-Mail: robert.obermaier@uniklinik-freiburg.de

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