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Dr. Leopold-Lucas-Preisträger des Jahres 2003: Sir Martin Gilbert, London

23.01.2003 - (idw) Eberhard-Karls-Universität Tübingen

Der mit 40000 Euro dotierte Dr. Leopold-Lucas-Preis wird im Jahre 2003 dem Historiker Sir Martin Gilbert, London, verliehen. Die Preisverleihung wird am 13. Mai 2003 um 17.15 Uhr im Festsaal der Neuen Aula stattfinden.

Martin Gilbert wurde 1936 in einer Londoner jüdischen Familie geboren. Nach Beendigung der Londoner Highgate School studierte er in Oxford zunächst am Magdalen College und danach am St. Antony's College moderne Geschichte mit Schwerpunkt sowjetische Geschichte. Promoviert wurde er vom Merton College, Oxford. Seither lehrt er an zahlreichen in- und ausländischen Universitäten und ist Mitglied mehrerer wissenschaftlicher Gesellschaften und Institute, darunter des Merton College sowie des Claremont Institute for the Study of Statesmanship and Political Philosophy. Seit 1968 offizieller Biograph Sir Winston Churchills, zählt Sir Martin zu den angesehensten und bedeutendsten Historikern der Gegenwart. Im Zentrum seiner wissenschaftlichen Arbeit steht die Geschichte des 19. und insbesondere des 20. Jahrhunderts. Hervorzuheben sind vor allem seine wegweisenden Arbeiten zur Geschichte des Holocaust. Seine historiographische Methode tritt am deutlichsten in den vom ihm zu verschiedenen Themen der Geschichte erarbeiteten neun Atlanten zutage, darunter zur Geschichte der Juden in Osteuropa und in der arabisch-islamischen Welt sowie zum Nahostkonflikt, die für die Wissenschaft unverzichtbar geworden sind. Hier wird Gilberts Interesse an der Sicherung der Datenbasis erkennbar, auf die alles geschichtliche Verstehen sich stützt und richtet. Wie seine Arbeiten zur Geschichte Jerusalems und des Nahostkonflikts darüber hinaus belegen, ist der Historiker Sir Martin hier zugleich Politiker, dessen historische Analysen politische Perspektiven eröffnen sollen, die wechselseitigem Verstehen und gegenseitiger Verständigung dienen wollen.

Der Dr. Leopold-Lucas-Preis würdigt alljährlich hervorragende Leistungen auf dem Gebiet der Theologie, der Geistesgeschichte, der Geschichtsforschung und der Philosophie. Er ehrt dabei insbesondere Persönlichkeiten, die zur Förderung der Beziehungen zwischen Menschen und Völkern wesentlich beigetragen und sich durch Veröffentlichungen um die Verbreitung des Toleranzgedankens verdient gemacht haben. Zu den bisherigen Preisträgern gehören namhafte Wissenschaftler wie Karl Rahner, Paul Ricoeur, Raimund Popper oder Michael Walzer, aber auch hervorragende politische Repräsentanten des Geistes und der Kultur wie Richard von Weizsäcker, Léopold Sédor Senghor, der frühere senegalesische Staatspräsident, oder Tenzin Gyatso, der 14. Dalai Lama.

Die Auszeichnung wurde 1972 von dem am 9. Juli 1998 verstorbenen Generalkonsul Franz D. Lucas, Ehrensenator der Eberhard Karls Universität, zum 100. Geburtstag seines in Theresienstadt umgekommen Vaters, des jüdischen Gelehrten und Rabbiners Dr. Leopold Lucas gestiftet. Die Evangelisch-theologische Fakultät vergibt den Preis alljährlich im Namen der Universität Tübingen.
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