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Von Fehlern im Unterricht und Chaos im Sonnensystem

17.07.2006 - (idw) Friedrich-Schiller-Universität Jena

Tage der Schulastronomie vom 20.-22. Juli an der Friedrich-Schiller-Universität Jena Jena (17.07.06) Aus Fehlern wird man klug, weiß der Volksmund. Das gilt auch für Schüler. Deshalb sollten sich Lehrer nach Ansicht von Prof. Dr. Karl-Heinz Lotze über jede falsche Antwort eines ihrer Schützlinge freuen. Was so mancher Pädagoge schon in die Nähe der Anarchie rückt, ist für den Leiter der Arbeitsgruppe Didaktik des Physik- und Astronomie-Unterrichts der Friedrich-Schiller-Universität Jena "eine Möglichkeit, den Astronomie-Schüler und darüber hinaus jeden Lernenden über die eigene, manchmal mühsam errungene Erkenntnis zu einer richtigen Antwort zu führen". Folgerichtig ist dies ein Thema der Tage der Schulastronomie vom 20. bis 22. Juli an der Jenaer Hochschule. Gemeinsam veranstaltet von der Arbeitsgruppe um Prof. Lotze, dem Thüringer Institut für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien (ThILLM) und der Zeitschrift "Astronomie + Raumfahrt im Unterricht" wird die bundesweite Fortbildungsveranstaltung von der Heraeus-Stiftung in der Deutschen Physikalischen Gesellschaft sowie von Meade Instruments Europe unterstützt.

Annähernd 100 Pädagogen, Hochschullehrer und Wissenschaftler, aber auch Studenten und Schüler aus ganz Deutschland treffen sich in Jena. Sie werden während der drei Tage in Vorträgen und Workshops das Aktuellste sowie Wissenswertes aus der Historie von Astronomie und Raumfahrt erfahren und sich über didaktische Erfahrungen für die Gestaltung des Astronomieunterrichts austauschen. Etwa zum "Chaos im Sonnensystem". Früher habe man die sprichwörtliche Uhr nach den Sternen stellen können, aber es habe sich gezeigt, dass das Sonnensystem keineswegs so stabil sei, wie man es lange geglaubt habe, macht der Didaktiker von der Universität Jena deutlich. "Allerdings reden wir da von astronomischen Zeiten, also durchaus über einige Milliarden Jahre", umreißt Prof. Lotze die Dimensionen. Vorgestellt werden aber auch erste Ergebnisse der europäischen Venus-Mission und des Hubble-Teleskops. Zudem berichten Schüler über ihre Erfahrungen beim Einsatz von Schulfernrohren und es wird Fotos der jüngsten Sonnenfinsternis zu bestaunen geben. Astronomie in der Grundschule steht im Mittelpunkt des einen Workshops, während sich der andere astronomischen Beobachtungen und Experimenten zuwendet.

Die wissenschaftlichen Vorträge seien keineswegs "mundgerecht", könnten in ihrer Form nicht einfach für die Unterricht übernommen werden, betont Prof. Lotze. "Die Lehrer müssen sich damit schon auseinandersetzen, den nächsten Schritt selbst gehen, um die auf unserer Tagung gewonnenen Erkenntnisse an ihre Schüler weitergeben zu können. Rezepte, wie derartiges Wissen vermittelt werden kann, haben wir nicht."

Die Fachgruppe um Prof. Lotze lädt seit 2004 jährlich mit wachsender Resonanz zu den Tagen der Schulastronomie. Die Wissenschaftler von der Universität Jena setzen damit eine lange Tradition fort. Nach der Einführung des Astronomie-Unterrichts um 1960 in den 10. Klassen in der DDR fanden derartige Konferenzen seit 1964 in Sachsen statt. 17 Mal in loser Folge trafen sich die Lehrer zu dieser spezifischen Fortbildung. Doch vor kurzem wurde Astronomie als selbstständiges Fach, das es so in den alten Bundesländern nach Worten von Prof. Lotze nie gab, in Sachsen abgeschafft. Damit standen auch die Tage der Schulastronomie zur Disposition. "Wir in Jena haben uns entschieden, sie fortzuführen." Das aus gutem Grund: Jena ist die einzige Universität in Deutschland, deren Arbeitsgruppe Physikdidaktik auch die Astronomie in ihrem Namen führt, also Physik- und Astronomie-Didaktik heißt.


Kontakt:
Prof. Dr. Karl-Heinz Lotze
Physikalisch-Astronomische Fakultät der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Max-Wien-Platz 1, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 947490
Fax: 03641 / 947492
E-Mail: kh.lotze[at]uni-jena.de
Weitere Informationen: http://www.physik.uni-jena.de/~didaktik/
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