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Nachhaltige Perspektiven für Israel und Palästina: Sommerschule mit Sumaya Farhat-Naser an der Universität Augsburg

24.07.2006 - (idw) Universität Augsburg

Drei Öffentliche Abendvorträge am 26., 27. und 31. Juli / Pressegespräch am 1. August
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Rund 25 junge Leute, darunter zahlreiche Alumni der Universität Augsburg, aus Israel/Palästina, aus Ägypten, Algerien, Deutschland, dem Irak und dem Iran, aus Marokko, den Niederlanden, aus Polen, Rumänien, Südkorea und Ungarn stehen auf der Teilnehmerliste der Sommerschule "Kommunikation - Dialog - Friedensarbeit. Nachhaltige Perspektiven für Israel/Palästina", die vom 26. Juli bis zum 1. August 2006 mit Dr. Dr. h. c. Sumaya Farhat-Naser als prominenter Dozentin an der Universität Augsburg stattfindet. "Die brennende und bedrückende Tagesaktualität, die unsere seit fast zwei Jahren in Vorbereitung befindliche Sommerschule durch die extreme Zuspitzung des Nahost-Konflikts in den letzten Tagen gewonnen hat, haben wir uns wahrlich nicht gewünscht", sagt Dr. Sabine Tamm vom Akademischen Auslandsamt der Universität Augsburg, die zusammen mit Prof. Dr. Ulrich Eckern, dem Sprecher der Initiative Friedens- und Konfliktforschung (IFK), die Sommerschule veranstaltet. Aber die neuerliche Eskalation der Gewalt, so Tamm weiter, belege, wie wichtig es sei, beharrlich und auf vielleicht unspektakulären, aber nachhaltigen Wegen an den Voraussetzungen für eine friedliche Lösung dieses Konflikts mitzuarbeiten. Als prominente Kooperationspartnerin hat die palästinensische Friedensaktivistin und Trägerin des Augsburger Friedenspreises 2000 Dr. Dr. h. c. Sumaya Farhat-Naser (Birzeit Universität) wesentlichen Anteil an der Gestaltung des Programms. In einem von ihr geleiteten Workshop, der sich an den Vormittagen über die gesamte Sommerschule hinweg erstreckt, und in vier ergänzenden, von Experten geleiteten Nachmittagsseminaren, geht es einerseits um die Einübung von Strategien friedensbefähigender Kommunikation und entsprechender Dialogfähigkeit, andererseits um zentrale Ursachen und Erscheinungsformen von Konflikten sowie um Analysetechniken und Lösungsansätze. Drei Abendvorträge, zu denen die Veranstalter gemeinsam mit dem PAX-Büro der Stadt Augsburg auch die Öffentlichkeit einladen, sowie ein Empfang im Augsburger Rathaus am 28. Juli und eine Exkursion in die KZ-Gedenkstätte Dachau am 30. Juli ergänzen des Programm.

Am Abend des 29. Juli wird einer der Teilnehmer, Prof. Dr. Dr. Fariborz Hamzeh'ee, Dozent an der Hochschule in Kermanshah (Iran) und Alumnus der Universität Augsburg, seinen gerade fertig gestellten Film "My Friend Buddha" vorstellen, der sich mit dem Leben und den Gebräuchen einer buddhistischen Gemeinde in Indien befasst (Beginn 20.00 Uhr in der ESG-Cafete, Salomon-Idler-Straße 14, Eintritt frei).

ZIEL: NACHHALTIG ZU KRISEN- UND KONFLIKTBEWÄLTIGUNG BEFÄHIGEN

"Wir haben zu unserer Sommerschule akademisch gebildete junge Leute eingeladen, die in ihren Heimatländern wichtige Beiträge zur Friedensarbeit leisten, leisten wollen, leisten können", erläutert Eckern. Im Mittelpunkt stehe dabei das Ziel, diese jungen Leute mit den Techniken der kommunikations- und dialogbasierten Friedensarbeit vertraut zu machen, für die Sumaya Farhat-Naser stehe. "Unser Anspruch oder jedenfalls unsere Hoffnung ist es, mit dieser Sommerschule einen nachhaltigen Beitrag zur Krisenprävention und -bewältigung leisten zu können. Dabei gehen wir von der Prämisse aus, dass eine friedensorientiert-konstruktive Auseinandersetzung mit Konflikten und letztlich auch deren Lösung ein hohes Maß an Kommunikations- und Dialogfähigkeit erfordern." Diese Fähigkeit sei in vielen Fällen aufgrund langjähriger Gewaltanwendung und den aus ihr resultierenden menschlichen Katastrophen fast vollständig verloren gegangen. Besonders augenfällig sei dies im Fall von Israel und Palästina. Hier fühlten sich beide Seiten in ihrer Existenz derart bedroht, dass eine "normale" Kommunikation zwischen den Konfliktparteien kaum mehr möglich sei.

SUMAYA FARHAT-NASER: ÜBER DIALOGFÄHIGKEIT ZUR FRIEDENSFÄHIGKEIT

Und genau hier setzt auch Sumaya Farhat-Naser mit ihrer spezifischen Form einer weltweit beachteten und gewürdigten Friedensarbeit an, für die sie u. a. 2000 den Friedenspreis der Stadt Augsburg und 1989 bereits die Ehrendoktorwürde der Universität Münster erhielt. Seit mehreren Jahren bietet Farhat-Naser - u. a. gefördert von der Robert-Bosch-Stiftung - in Deutschland und in der Schweiz immer wieder Seminare an, in denen sie insbesondere palästinensischen Studentinnen und Studenten Kommunikations- und Dialogfähigkeit zu vermitteln sucht. Auf den Erfahrungen, die sie dabei seit Jahren macht, wird auch ihr zentraler Beitrag zur Augsburger Sommerschule aufbauen, um sich u. a. an folgenden Fragen zu orientieren: Wie lernt man die Kunst und das Handwerk der Diskussion und der Kommunikation? Wie gehen wir mit der jeweiligen politisch-sozialen und menschlichen Situation in der Heimat und im Exil um? Wie entsteht Kooperation und Vernetzung? Wie lernt man, sich der Realität zu stellen mit dem Ziel, aktiv zu werden für positive Veränderungen in der Heimat und im Leben im Exil - und dies in einer wirkungsvollen und friedlichen Art und Weise? "Uns scheint", so Tamm, "die Beantwortung dieser Fragen eine vielleicht nicht hinreichende, aber unabdingbare Voraussetzung für die Lösung von Konflikten allgemein und insbesondere des Israel-Palästina-Konflikts zu sein. Deshalb haben wir diesen Komplex auch in den Mittelpunkt unserer Sommerschule gestellt."

KONFLIKTURSACHEN UND LÖSUNGSPOTENTIALE

Darüber hinaus ist es den Veranstaltern gelungen, profilierte Fachleute zu gewinnen, die mit den Studentinnen und Studenten zentrale Ursachen speziell des Israel-Palästina-Konflikts erörtern werden, z. B.: In wieweit wird das Verhalten der Akteure durch den aktuellen Mangel an der Grundressource Wasser bestimmt oder durch das längerfristig absehbare Versiegen der Ressource Öl? Immer wieder diskutiert und analysiert, ist eine zweite Frage nach wie vor und aktuell mehr denn je von enormer Bedeutung: In welchem Umfang sind religiöse Aspekte ursächlich an diesen Konflikten beteiligt bzw. wie wirken sie in diese Konflikte hinein? Von den Ursachen entscheidend mit abhängig sind Antworten auf die Frage nach Lösungsansätzen: Was hat z. B. das Völkerrecht an Erfolgversprechendem zu bieten? Auch diesen Fragen und dem Problem des Terrorismus widmet sich die Sommerschule.

"Alienation and Radicalisation. Young Muslims in Germany" ist das Thema des Moduls, das von Hamed Abdel Samad bestritten wird, der an der Universität Augsburg studiert hat und jetzt an der Universität Erfurt forscht und lehrt.

Vom Institute for Environmental Studies der Freien Universität Amsterdam kommt der palästinensische Israeli Sliman Abu Amara, um mit den Sommerkursteilnehmerinnen und -teilnehmern das Thema "Global Governance of Biodiversity and Rights of Indigenous People" zu bearbeiten. Auch Abu Amara ist Absolvent der Universität Augsburg.

Ein drittes, von dem Augsburger Völkerrechtler Stefan Lorenzmeier konzipiertes und geleitetes Modul befasst sich mit "(International) Law as a Means of Conflict Resolution".

Der Leiter des Wissenschaftszentrums Umwelt (WZU) der Universität Augsburg, Prof. Dr. Armin Reller, und sein Mitarbeiter Dr. Simon Meißner werden in einem vierten Modul "Fair Distribution of Resources as Peace Mediator" thematisieren.

ÖFFENTLICHE ABENDVORTRÄGE AM 26., 27. UND 31. JULI 2006

"Terrorismus, Islamismus und die Gefahren für unsere Gesellschaft" ist das Thema, zu dem der Augsburger Soziologe und Terrorismus-Experte Prof. Dr. Peter Waldmann am 26. Juli beim ersten der drei öffentlichen Abendvorträge referieren wird, zu denen die Sommerschule gemeinsam mit dem PAX-Büro der Stadt Augsburg die Öffentlichkeit einlädt.

Am 27. Juli werden dann die beiden Augsburger Theologen Dr. Johannes Frühbauer und Prof. Dr. Bernd Oberdorfer über "Religionen und ihre Rolle in Konflikten" sprechen. Oberdorfer ist Leiter des DFG-Projekts "Christliche Friedensethik seit dem 11. September 2001" und war gemeinsam mit Waldmann Organisator des im Sommer vorigen Jahres im Rahmen der Feierlichkeiten zu "450 Jahre Augsburger Religionsfrieden" vielbeachteten internationalen Symposiums "Sind Religionen Friedensstifter oder Gewalterzeuger?"

Den letzten öffentlichen Vortrag bestreitet schließlich die Vizepräsidentin der Universität Paris-Süd, Prof. Dr. Annick Suzor-Weiner. Als Mitglied des Leitungsgremiums des UNESCO-Netzwerks "Palestinian European Academic Cooperation in Education" referiert sie zum Thema "Developing Higher Education in Palestine".

Alle drei Abendvorträge beginnen jeweils um 19.00 Uhr im Augustana-Forum (Hollbau, Im Annahof, 86150 Augsburg). Der Eintritt ist frei.

BEITRAG DER UNIVERSITÄT ZU "PAX 2006"

"Wir freuen uns auf zahlreiche interessierte Gäste, die diese drei Abendveranstaltungen nutzen werden, um an unserer Sommerschule zu partizipieren", meint Eckern. Die öffentlichen Abendvorträge seien nicht zuletzt als Bereicherung des umfangreichen sechswöchigen Veranstaltungsprogramms PAX 2006 gedacht, mit dem sich die Stadt Augsburg in Fortsetzung des letztjährigen Religionsfriedensjubiläums auch in diesem Jahr wieder als Friedensstadt präsentiert.

KOOPERATIONSPARTNER UND FÖRDERER

Man verstehe diesen Beitrag auch als Dank an die Stadt Augsburg, die neben der Deutsch-Israelische Gesellschaft e. V., der Evangelischen Studierendengemeinde (ESG), dem Forum Interkulturelles Leben und Lernen (FILL) e. V., der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit e. V. und der Katholischen Hochschulgemeinde (KHG) zu den Partnern dieses Projekts zählt.

Der Dank der Veranstalter für finanzielle Unterstützung gilt an erster Stelle der Heinrich-Böll-Siftung, darüber hinaus der Gesellschaft der Freunde der Universität Augsburg e. V., dem FILL-Fonds e.V., der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, dem PAX-Büro der Stadt Augsburg, der Stadtsparkasse Augsburg, dem Bischöflichen Ordinariat Augsburg, der Verlagsgruppe Weltbild sowie dem Hotel Steigenberger Drei Mohren.

RESÜMEE UND PERSPEKTIVEN: PRESSEGESPRÄCH AM 1. AUGUST UM 13.00 UHR

Für Dienstag, den 1. August 2006, laden die Veranstalter der Sommerschule "Kommunikation - Dialog - Friedensarbeit. Nachhaltige Perspektiven für Israel/Palästina" die Vertreterinnen und Vertreter der Medien zu einem Pressegespräch an die Universität ein. Sie wollen Bilanz ziehen und über die Perspektiven für eine Fortsetzung ihrer Initiative Auskunft geben. Im Sinne der Nachhaltigkeit ihres Projekts haben sie es sich nämlich zum Ziel gesetzt, auf der Basis des mit dieser Sommerschule geschaffenen Netzwerks die Arbeit mit ausländischen Studentinnen/Studenten und Wissenschaftlerinnen/Wissenschaftlern - insbesondere mit solchen aus Konfliktgebieten - auszubauen. "Mittelfristig", so Eckern, "wäre es wünschenswert, unser Projekt vielleicht in Form einer weiteren Sommerschule fortzusetzen, die vor Ort in Israel/Palästina stattfinden könnte - auch wenn dies in der derzeitigen Situation als Wunschtraum erscheinen mag."

Neben den Veranstaltern werden bei diesem Pressegespräch Sumaya Farhat-Naser, mehrere Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Sommerschule sowie Augsburgs Bürgermeisterin und Kulturreferentin Eva Leipprand als Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Beginn ist um 13.00 Uhr im Raum 3040 des Rektoratsgebäudes, Universitätsstraße 2 (Gebäude A1 auf dem Campus-Plan http://www.uni-augsburg.de/allgemeines/neueuni/).
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HOMEPAGE DER SOMMERSCHULE:

http://www.physik.uni-augsburg.de/ifk/Schule-06/
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KONTAKT UND WEITERE INFORMATIONEN:

Prof. Dr. Ulrich Eckern
Telefon 0821/598-3236
ulrich.eckern@physik.uni-augsburg.de

Dr. Sabine Tamm
Telefon 0821/598-5135
sabine.tamm@aaa.uni-augsburg.de
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ANHANG: SYMPOSIUM "DIE KUNST DES FRIEDENSCHLIESSENS" AM 6. AUGUST

Zur intensiven Arbeit im engeren Kreis der Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Sommerschule an die Universität eingeladen, wird Sumaya Farhat-Naser während ihres Augsburg-Besuchs auch öffentlich auftreten: als Teilnehmerin des Symposiums "Die Kunst des Friedensschließens", das im Rahmen des städtischen PAX 2006-Programms am 6. August im Augsburger Rathaus stattfinden wird. Als Referenten und Podiumsgäste werden neben Farhat-Naser unter anderem die Bayreuther Theologin PD Dr. Ulrike Bechmann - Trägerin des Augsburger Wissenschaftspreises für Interkulturelle Studien 2006 - sowie der Islamwissenschaftler Prof. Dr. Reinhard Schulze (Universität Bern), der Leiter der Abteilung für Jüdische Geschichte und Kultur am Historischen Seminar der LMU München, Prof. Dr. Michael Brenner, und der Frühneuzeit- und Stadt-Historiker Prof. Dr. Bernd Roeck (Universität Zürich) teilnehmen. Gemeinsam mit Roeck wurde dieses Symposium vom ehemaligen DFG-Präsidenten und amtierenden Präsidenten der Alexander von Humboldt-Stiftung (AvH), Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Wolfgang Frühwald, konzipiert. Es soll durch den Vergleich frühneuzeitlicher und moderner Strategien des Konfliktmanagements und des "peace making" die Möglichkeiten und Grenzen des historischen Vergleiches ausloten.


Für weitere Informationen zum Symposium und zum Veranstaltungsprogramm "PAX 2006" der Stadt Augsburg: Silvia Pöttinger, Stadt Augsburg, Projektbüro Frieden und Interkulturalität, Telefon 0821/324-3262,
silvia.poettinger@augsburg.de, http://www.pax.augsburg.de.

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