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Wahrnehmung und Steuerung von Gefühlen bei Essstörungen: Neue Studie geplant

31.07.2006 - (idw) Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Psychologisches Institut geht dem Zusammenhang von Essstörungen und unangemessenem emotionalen Ausdruck nach - Teilnehmerinnen gesucht (Mainz, 31. Juli 2006, lei) Essstörungen gehen nach den bisherigen Erkenntnissen mit einer Überbewertung von Essen, Figur und Körper sowie anderen Leistungsvorstellungen einher und sind gleichzeitig mit einem negativen Selbstbild der betroffenen Frauen verknüpft. Bislang wurde immer wieder vermutet, dass nicht nur die Vorstellungen über den eigenen Körper und darüber, wie er aussehen sollte, eine Rolle spielen, sondern auch die Wahrnehmung und der Umgang mit Gefühlen eine Ursache für Essstörungen sein könnten. "Es gibt Anzeichen dafür, dass Frauen mit Essstörungen Schwierigkeiten haben, ihre eigenen Gefühle angemessen auszudrücken", erläutert Dr. Tanja Legenbauer vom Psychologischen Institut der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. In einer neuen Studie soll diesen Zusammenhängen genauer nachgegangen werden. Für die Studie "Gefühlswahrnehmung bei Frauen mit Essanfällen" werden noch Teilnehmerinnen gesucht.

Essstörungen wie Bulimia Nervosa, auch Ess-Brechsucht genannt, und Anorexia nervosa, die sogenannte Magersucht, sind in den letzten Jahren verstärkt in den Blickpunkt der wissenschaftlichen Forschung getreten. Typische Ausprägungen bei Personen mit Essstörungen sind die starke Kontrolle des Körpergewichts z.B. durch Diäten und Extremsport sowie das wiederholte Auftreten von Essanfällen. Die oft mit Essstörungen einhergehende negative Selbstbewertung führt dabei neben anderen bedeutsamen Mechanismen, wie bspw. Schwierigkeiten negative Gefühle auszuhalten oder Probleme im zwischenmenschlichen Bereich, zur Aufrechterhaltung der Essstörung. Essanfälle sind allerdings nicht nur ein Hauptmerkmal der Bulimia Nervosa, sondern auch der Binge Eating Disorder - beide sind durch den Verzehr großer Nahrungsmengen und das Erleben eines Kontrollverlustes gekennzeichnet. Im Anschluss an eine Essattacke treten allerdings ausschließlich bei der Bulimia nervosa Gegenmaßnahmen auf, die sich beispielsweise in Form von selbst verursachtem Erbrechen oder exzessiver körperlicher Betätigung zeigen. Da gerade bei diesen beiden Störungsbildern Essanfälle auftreten, ist die Untersuchung von Gemeinsamkeiten der beiden Essstörungen im Zusammenhang mit Essanfällen von Interesse. Dazu gehören möglicherweise Übereinstimmungen in den Einstellungen zu Essen, Figur und Gewicht, eventuell sind aber auch grundlegendere Bereiche wie das Selbstwertgefühl betroffen.

Außer diesen kognitiven Besonderheiten zeigen sich bei Frauen, die unter häufigen Essanfällen leiden, auch emotionale Beeinträchtigungen bzw. "zwischenmenschliche Schwierigkeiten". Dabei handelt es sich nach bisherigen Erkenntnissen offenbar nicht darum, dass Frauen mit Essstörungen im allgemeinen die Gefühle anderer Menschen nicht erkennen könnten, sondern tatsächlich eher um Schwierigkeiten oder Defizite, die eigenen Gefühle angemessen auszudrücken. Es gibt bislang einige Hinweise, die diese Vermutung verstärken: So zeigen Frauen mit Magersucht (Anorexie), Ess-Brech-Sucht sowie insbesondere Frauen mit Binge Eating Disorder erhöhte Alexithymiewerte - ein Maßstab für die Unfähigkeit, die eigenen Gefühle hinreichend wahrnehmen und beschreiben zu können. Die geplante Studie am Psychologischen Institut will nun diesen Schwierigkeiten genauer nachgehen und herausfinden, ob es Zusammenhänge zwischen der allgemeinen Schwierigkeit, Gefühle wahrnehmen zu können, und Essanfällen gibt. Darüber hinaus soll untersucht werden, inwiefern gedankliche Mechanismen einen Einfluss auf die Auslösung von Essanfällen haben und welche Verbindungen zwischen Gedanken und Gefühlen bestehen. "Wir hoffen damit Anhaltspunkte zu bekommen, um die Therapie von Essstörungen weiter zu verbessern", sagt Dr. Legenbauer. Sie untersucht in der Abteilung Klinische Psychologie und Psychotherapie seit mehreren Jahren die Zusammenhänge bei der Entstehung von Essstörungen und Möglichkeiten zu ihrer Überwindung. Für die neue Studie werden Teilnehmerinnen gesucht, die bereit sind, an einer Fragebogenaktion und an einer Erhebung in ihrem alltäglichen Umfeld teilzunehmen.


Kontakt und Informationen:
Arbeitsgruppe "Projekt Essstörungen"
Dr. Tanja Legenbauer/ Dipl. Psych. Sabine Schütt
Psychologisches Institut
Abt. Klinische Psychologie und Psychotherapie
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Tel. 06131 39-24621
Fax 06131 39-24623
E-Mail: legenbau@uni-mainz.de / schuett@uni-mainz.de
Weitere Informationen: http://www.psychotherapie-mainz.de/index.html
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