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Kardiologen ehren Dr. Rainer Flöhl, den scheidenden Chefredakteur der FAZ-Wissenschaftsbeilage

28.01.2003 - (idw) Deutsche Gesellschaft für Kardiologie, Herz- und Kreislaufforschung


Dr. Rainer Flöhl/Quelle:Axel Viola/Cardionews Mit ihrem "Preis für Wissenschaftsjournalismus" hat die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) vergangenen Samstag die journalistischen Verdienste von Dr. Rainer Flöhl, dem langjährigen Chefredakteur von "Natur und Wissenschaft" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, gewürdigt. Flöhl, der seit 1967 Redakteur und seit 1980 Leiter der Wissenschaftsbeilage der FAZ war, erhält als erster Journalist den mit 2500,- Euro dotierten Preis der DGK. Wie es in der Laudatio heißt, wird ihm dieser zuerkannt "für sein großes Engagement und seine herausragenden Leistungen im Wissenschaftsjournalismus, den er durch seine kritische Auseinandersetzung mit aktuellen Themen im Bereich der Naturwissenschaften und der Medizin in Deutschland seit vielen Jahren in ganz entscheidendem Maße prägt".

Anlässlich der Preisverleihung fand im "Herzhaus" der DGK ein Symposium zu drei aktuellen wissenschaftlichen Themen statt. Professor Dr. Rudi Busse vom Physiologischen Institut der Universität Frankfurt/Main nahm Stellung zu der Frage "Wird genug gegen Betrug in der Wissenschaft unternommen?". Als Mitherausgeber der renommierten amerikanischen Zeitschrift "Circulation Research" wurde Busse schon häufiger mit Wissenschaftsbetrug konfrontiert. Es berichtete unter anderem über einen aktuellen Fall, an dessen Aufklärung er als Reviewer maßgeblich beteiligt war. Eine bekannte spanische Arbeitsgruppe hatte demnach dieselben Daten in mehreren bekannten Fachzeitschriften veröffentlicht, was allein schon gegen die Spielregeln des Wissenschaftsbetriebs verstößt. Gleichzeitig bestanden erhebliche Zweifel an der Validität der Daten. Das Fehlverhalten hatte zur Folge, dass die Arbeiten der betreffenden Forscher vorerst in keinem angesehenen amerikanischen Fachjournal (desselben Verlages) mehr angenommen werden. In Deutschland werden solche Verstöße weniger streng geahndet. In der Regel erhalten die "abtrünnigen" Wissenschaftler lediglich eine Abmahnung, die gleichwohl selten nachhaltige Konsequenzen hat. Wie Busse zugleich betonte, ist Wissenschaftsbetrug - in allen Spielarten von geschönten Ergebnissen über Unterdrückung unpassend erscheinender Daten bis zur freien Erfindung - keine Erscheinung der Neuzeit. Vielmehr zieht sich dieses Phänomen durch die gesamte Geschichte. Dies sei freilich kein Grund, ein solches Fehlverhalten zu verharmlosen. Selbst mit den strengsten Kontrollen dürfte es gleichwohl nicht gelingen, Wissenschaftsbetrug ganz aus der Welt zu schaffen.

Inwieweit die neuen nicht-invasiven bildgebenden Verfahren dazu geeignet sind, den Herzkatheter bei der Diagnose von Verengungen der Herzschlagadern zu ersetzen, beantwortete der Kardiologe Prof. Dr. Eckart Fleck vom Deutschen Herzzentrum Berlin. Ein grundlegendes Problem stellt demzufolge die Bewegungen des Herzens einerseits und jene des Zwerchfells andererseits dar. Sie erschweren eine genaue Abbildung der Arterien in erheblichem Maße. Die teilweise beeindruckende Bildqualität einiger Verfahren, etwa der Computertomographie und der Elektronenstrahltomographie, dürfe dabei nicht darüber hinweg täuschen, dass das Abbild mit der Realität oft nicht viel gemein habe. Einen erheblichen Schritt nach vorn habe die Magnetresonanztomographie (MR) gemacht. Neben der geringeren Patientenbelastung hat das Verfahren den Vorteil, sehr schnell zu sein. Auch können Artefakte in einem 3D Datenset besser korrigiert werden. Das im Vergleich zu Röntgentechniken größere "Rauschen" - das Phänomen, dass sich das Bild von dem Hintergrund nicht stark genug abhebt - kann man mit Hilfe von magnetischen Kontrastmitteln erheblich verbessern. Die MR lasse sich zudem auch anderweitig diagnostisch nutzen, etwa zur Bestimmung von Durchblutungsstörungen des Herzmuskels. Hinzu komme, dass dieses Verfahren den Patienten keiner ionisierenden Strahlung aussetze. Bevor es routinemäßig zur Untersuchung der Herzkranzarterien verwendet werden kann, müssen noch einige technischen Hürden überwunden werden.

Mit den Fortschritten und Rückschlägen bei der Behandlung von Herzrhythmusstörungen beschäftigte sich der Kardiologe Prof. Dr. Günther Breithardt von der Universität Münster. Wie er hervorhob, hat sich bei der Therapie des Vorhofflimmerns - einer der häufigsten Herzrhythmusstörungen - ein Wandel vollzogen. Früher habe man mit allen Mitteln versucht, den normalen Herztakt der Betroffenen wiederherzustellen, und zwar mit einer Elektroschocktherapie und/oder Medikamenten. Inzwischen haben sich jedoch gezeigt, dass dies oft gar nicht notwendig - im Gegenteil: Viele Patienten profitieren offenbar mindestens ebenso sehr von einer Therapie mit Arzneien, die das unerträgliche Herzrasen zu beherrschen vermögen.

Nicola v. Lutterotti

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