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Leistungszucht und Tiergesundheit. 2,7 Mio. Euro für Forschungsprojekt der FU-Veterinäre

28.01.2003 - (idw) Freie Universität Berlin

Mehr Milch, besseres Fleisch - Leistungssteigerung in der Nutztierhaltung wird von Landwirten als wichtiges Ziel angestrebt, von der Öffentlichkeit aber mittlerweile kritisch gesehen. "Die Zusammenhänge sind zu komplex für Schwarz-Weiß-Malerei", warnt Prof. Dr. Holger Martens vom Institut für Veterinär-Physiologie der Freien Universität Berlin. "Hochleistungs-Tierhaltung birgt Risiken, die Nutztiere zu überfordern und krank zu machen. Es geht aber auch anders." In einem sechsjährigen Forschungsvorhaben wollen Tiermediziner der FU nun zusammen mit der Erna-Graff-Stiftung für Tierschutz das Verhältnis von Tiergesundheit und Leistung gründlich erforschen. Vier tiermedizinische Institute der FU verbinden dazu erstmals praktische Tierhaltungs-Versuche mit bioethischen Analysen. Eine private Nachlassstiftung fördert das Projekt mit 2,7 Mio. Euro.

Tierphysiologen und -pathologen, Geflügel- und Ernährungsforscher wollen wissenschaftlich begründete Vorschläge erarbeiten, wie die Putenhaltung zu verbessern ist und wie man fütterungsbedingten Belastungen von Hochleistungskühen vorbeugt. Die beteiligte bioethische Arbeitsgruppe soll Landwirten und Politikern Entscheidungshilfen liefern, was Nutztieren zuträglich ist und was vermieden oder gar verboten werden sollte. Die Forscher hoffen auf allgemein gültige Erkenntnisse für alle Bereiche der Tierhaltung, in denen Höchstleistungen gefragt sind, etwa auch für die Rennpferde- und Hundezucht.

"In der Praxis," erklärt Prof. Martens, "werfen die Gefahren gesundheitlicher Überforderung von Nutztieren heute weit größere Tierschutzprobleme auf als die breit diskutierte Versuchstierhaltung." Bisher bedürfe es immer erst einer Bedrohung der menschlichen Gesundheit, etwa durch Tierfutter-, Antibiotika- und Salmonellen-Skandale, um die Öffentlichkeit und den Gesetzgeber auf Fehlentwicklungen in der Tierhaltung aufmerksam zu machen. Dabei zeige sich bereits seit vielen Jahren die Gefahr, in Zucht und Mast natürliche Leistungsgrenzen der Nutztiere zu übertreten. Daraus könnten Leiden und erhöhte Krankeitsraten entstehen, auch wenn die Tiere unter rechtmäßigen, scheinbar befriedigenden Bedingungen gehalten und gefüttert werden. "Es gibt schlicht und einfach noch zu wenig gesichertes Wissen über die komplexen Abläufe", erläutert der Tierphysiologe.

Martens weist darauf hin, dass das deutsche Tierschutzrecht die Grenze der Belastbarkeit erst bei der sogenannten "Qualzucht" zieht. Der neue § 11 b des Tierschutzgesetzes verbietet seit 1999 alle Zucht- und Genmanipulationen, die Tierleiden durch Missbildungen oder Verhaltensstörungen erwarten lassen. Die Vorschrift wurde auf europäischer Ebene von Veterinären mit angeregt. Die Möglichkeit gesundheitlicher Überforderungen unterhalb dieser Schwelle wurden aber in der Öffentlichkeit - auch unter Fachleuten - bisher kaum diskutiert. Die Berliner Tierärzte legen Wert darauf, jede unsachliche Vereinfachung und Vereinnahmung zu vermeiden. Sie hoffen aber, Öffentlichkeit, Landwirtschaft und Tierschutz gleichermaßen voran zu bringen, indem sie das Wissen über die natürlichen Leistungsgrenzen der Tiere vertiefen.

Weitere Informationen: Prof. Dr. Holger Martens, Institut für Veterinär-Physiologie der FU Berlin, Oertzenweg 19 b, 14163 Berlin, Tel.: (030) 838-62600, E-Mail: Martens@vetmed.fu-berlin.de

Diese Pressemitteilung wurde erstellt von Stefan Brunner
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