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Historische Stätten der Chemie: Hans Meerwein - Starchemiker im Abseits

23.08.2006 - (idw) Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Mit Festvorträgen und der Enthüllung einer Gedenktafel werden am 15. September 2006 an der Philipps-Universität Marburg die bedeutenden Arbeiten des Chemikers Professor Dr. Hans Meerwein (1879 bis 1965) gewürdigt. Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) nimmt seine Wirkungsstätte, das Alte Chemische Institut, in ihr Programm "Historische Stätten der Chemie" auf, mit dem sie das kulturelle Erbe der Chemie wach halten und die Chemie und ihre historischen Wurzeln stärker in das Blickfeld der Öffentlichkeit rücken will.

Von 1929 bis 1952 war Hans Meerwein Direktor des chemischen Instituts der Universität Marburg, in dem er auch als Emeritus noch bis 1965 wissenschaftlich arbeitete. Er führte hier grundlegende Arbeiten zur synthetischen und mechanistischen organischen Chemie durch und entdeckte die Carbenium-Ionen, was wegweisend für das Verständnis vieler organisch-chemischer Reaktionen war. Viele von ihm untersuchte Reaktionen tragen heute seinen Namen. Doch in der Öffentlichkeit wurde er nur wenig bekannt. Er war ein Starchemiker im Abseits. Das Alte Chemische Institut in der Bahnhofstraße 7 beherbergte auch einige spätere Chemie-Nobelpreisträger als Studenten und junge Wissenschaftler, nämlich Hans Fischer, Adolf Butenandt, Otto Hahn, Karl Ziegler und Georg Wittig.

Meerwein wurde 1879 in Hamburg geboren. Seine Chemiestudien begann er 1898 an der Chemieschule Fresenius in Wiesbaden und führte sie an der Universität Bonn fort. Dort wurde er promoviert und habilitierte er sich. 1914 wurde er dort Titularprofessor und 1922 schließlich außerordentlicher Professor. Im selben Jahr nahm er den Ruf als ordentlicher Professor nach Königsberg an. 1929 schließlich wurde er Nachfolger von Karl von Auwers in Marburg. 1945 wurde das Chemische Institut in Marburg durch einen Bombenangriff weitgehend zerstört. Meerwein verlor damit auch seine Dienstwohnung im Institut und seine gesamte Habe, darunter alle wissenschaftlichen Aufzeichnungen und seine Privatbibliothek. Der Neubau an gleicher Stelle wurde erst nach seiner Emeritierung 1953 eingeweiht. Nicht nur die Universität Marburg verlieh ihm den Ehrendoktortitel, sondern auch Heidelberg, Darmstadt, Bonn und München - und darüber hinaus erhielt er noch viele weitere Auszeichnungen.

Über Meerweins Leben und Wirken informiert eine von der GDCh und dem Fachbereich Chemie der Universität Marburg herausgegebene Broschüre. Sie kann in der GDCh-Geschäftsstelle, Postfach 900440, 60444 Frankfurt, E-Mail: r.kiessling@gdch.de angefordert werden.

Einladung an die Redaktionen: Die Enthüllung der Gedenktafel am Haupteingang des Alten Chemischen Instituts, jetzt Zentrum für Humangenetik des Fachbereichs Humanmedizin der Universität Marburg, Bahnhofstraße 7, findet nach den um 15 Uhr beginnenden Festvorträgen gegen 17.30 Uhr statt. Sie sind zur gesamten Veranstaltung herzlich eingeladen, wobei die Enthüllung, vorgenommen vom GDCh-Vizepräsidenten Professor Dr. Henning Hopf und vom Dekan des Fachbereichs Chemie der Philipps-Universität, Professor Dr. Ulrich Koert, ein ganz besonderer (und fotogener) Augenblick ist. Wir vermitteln Ihnen kurz vor und insbesondere nach der Enthüllung gern geeignete Gesprächspartner.
Weitere Informationen: http://www.gdch.de
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