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RUBIN: Linguistisches Laboratorium mit "Datenbank fürs Ohr"

25.08.2006 - (idw) Ruhr-Universität Bochum

Selbst Dialektsprecher und Kinder kennen Philologen meist nur über die Schrift. Was die Lautsprache mitteilt, bleibt ihnen verborgen. Forscher um Prof. Dr. Christian Sappok (Seminar für Slavistik/Lotman-Institut für russische und sowjetische Kultur) wagen den Aufstand gegen diese Tradition. Im Linguistischen Laboratorium (LiLab) der Ruhr-Universität halten fast tausend Audiotapes regional und sozial geprägte Sprachformen dauerhaft fest. Gemeinsam mit der FH Bochum entwickeln die Forscher jetzt das Datenbanksystem AMEDAL, das sich speziell der kindlichen Sprachentwicklung widmet. Auf dessen Basis werden bald viele Schätze - etwa untergehende Dialekte, die die Forscher auf mehr als zwanzig Expeditionen kreuz und quer durch Russland sammelten - Forschung, Lehre und allen Interessierten als online-Datenbank zur Verfügung stehen. Bochum, 25.08.2006
Nr. 279

Von Dialekten zur Kindersprache
Akustische Reisen kreuz und quer durch Russland
RUBIN 2/06: Linguistisches Laboratorium mit "Datenbank fürs Ohr"

Selbst Dialektsprecher und Kinder kennen Philologen meist nur über die Schrift. Was die Lautsprache mitteilt, bleibt ihnen verborgen. Forscher um Prof. Dr. Christian Sappok (Seminar für Slavistik/Lotman-Institut für russische und sowjetische Kultur) wagen den Aufstand gegen diese Tradition. Im Linguistischen Laboratorium (LiLab) der Ruhr-Universität halten fast tausend Audiotapes regional und sozial geprägte Sprachformen dauerhaft fest. Gemeinsam mit der FH Bochum entwickeln die Forscher jetzt das Datenbanksystem AMEDAL, das sich speziell der kindlichen Sprachentwicklung widmet. Auf dessen Basis werden bald viele Schätze - etwa untergehende Dialekte, die die Forscher auf mehr als zwanzig Expeditionen kreuz und quer durch Russland sammelten - Forschung, Lehre und allen Interessierten als online-Datenbank zur Verfügung stehen.

Beitrag mit Bildern und Hörbeispielen im Internet

Den gesamten Beitrag finden Sie im Internet unter http://www.rub.de/rubin, Hör-Text-Beispiele zum Anklicken finden Sie unter: http://www.ruhr-uni-bochum.de/rubin/rbin2_06/toene/index.htm

Zwischen Fleiß und Abenteuer

Der Aufbau einer akustischen Datenbank erfolgt in mehreren Schritten: Informanten auswählen, Gespräche und Interviews durchführen und aufnehmen (Studioqualität trotz schwieriger Feldbedingungen!), Daten über die Interviewten und die Gesprächssituation sammeln, Aufnahmen in Fragmente schneiden und auf neue Datenträger übertragen (Lautfiles bzw. Tracks auf CD), Lautfiles visuell darstellen (Spektrogramm, Intonationskontur, Intensitätsverlauf), d.h. die subjektiven Höreindrücke durch objektive Messdaten ergänzen, den Kommunikationsprozess auditiv interpretieren und auf der Grundlage eines wissenschaftlichen Apparates beschreiben. Doch der aufwendigste und aufregendste Bereich bleibt die Materialgewinnung während zahlreicher Expeditionen: Einen Einblick auch in dieses Abenteuer hält RUBIN 2/06 bereit.

Schneller sprechen, als man hören kann

In einem Projekt mit russischen und deutschen Kindern wird derzeit gemeinsam mit der FH Bochum (Prof. Dr. Katrin Brabender, Angewandte Informatik und Datenbanken) die online-Datenbank AMEDAL entwickelt. Die Kommunikation unter Kindern erfolgt mit atemberaubender Geschwindigkeit. Audio- und Videoaufnahmen helfen bei der Rekonstruktion dieser Abläufe, die beim Zusehen und Hören kaum zu erfassen und schwer zu interpretieren sind. Abläufe und Lautproduktion können mit nonverbalen Handlungen exakt koordiniert verlaufen, sie können aber auch eine autonome Handlungsebene neben der Kommunikation darstellen. Wie sich diese unterschiedlichen Koordinationsformen im Verlauf der kindlichen Sprachentwicklung herausbilden, steht im Mittelpunkt des Projekts. Über die Datenbank AMEDAL wird schließlich das gesamte LiLab-Archiv online zur Verfügung gestellt werden.

Themen in RUBINinternational

In RUBINinternational finden Sie außerdem folgende Themen: Geisteswissenschaften: Russische Plakatkunst des 20. Jahrhunderts: Werben für die Utopie; Deutsch-russische Beziehungen im 20. Jahrhundert: In den Wechselbädern der Geschichte; Medizin: Neue Methode hilft Kommunikation der Hirnnervenzellen verstehen: Stabiles Bild dank plappernder Nervenzellen; Ingenieurwissenschaften: Neue Wege in der Formgedächtnistechnologie: Haptisches Display und aktive Prothese; Naturwissenschaften: Nutzung geothermaler Ressourcen: Auch ohne sprudelnde Geysire und aktive Vulkane; Die Suche nach kosmischen Teilchenbeschleunigern: Modernste Teleskope "sehen" Hochenergiegammastrahlung; Organische Elektronik optimieren: Wenn Moleküle steuern und schalten. RUBIN ist zum Preis von 2,50 Euro in der Pressestelle der Ruhr-Universität (Tel. 0234/32-22830) erhältlich und steht im Internet unter http://www.rub.de/rubin.


Weitere Informationen

Prof. Dr. Christian Sappok, Seminar für Slavistik/Lotman-Institut für russische und sowjetische Kultur, Fakultät für Philologie, Tel.: 0234/32-25032, -26664, christian.sappok@rub.de
Weitere Informationen: http://www.rub.de/rubin
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