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"Unterrichtsgarantie Plus" - Zentrum für Lehrerbildung beklagt Entwertung des Lehrerberufs

28.08.2006 - (idw) Justus-Liebig-Universität Gießen

Die Hessische Landesregierung hat bei Regierungsantritt die so genannte "Unterrichtsgarantie Plus" abgegeben. Sie besagt, dass an hessischen Schulen am Vormittag von der ersten bis zur sechsten Stunde in Zukunft kein Unterricht mehr ausfallen soll. Diese begrüßenswerte Absicht steht jetzt zur Umsetzung an. Die Landesregierung plant, dass die jeweiligen Schulleiterinnen und Schulleiter bei ausfallenden Stunden für pädagogischen Ersatz sorgen müssen. Zu diesem Zweck sollen sie auch Laien, wie beispielsweise Studierende, Praktikanten oder engagierte Eltern etc., als Unterrichtende heranziehen dürfen. Pro ausgebildeter Lehrkraft werden hierfür in Zukunft jährlich 1000 Euro zur Verfügung stehen.

Die Schulleiter haben ebenso wie die Lehrerverbände ihr Unbehagen gegenüber diesem Plan zum Ausdruck gebracht. Nur gut gemeintes Engagement reicht für einen gelingenden Unterricht ebenso wenig aus wie die schiere - und im Falle von Laien auch von keinem Schulleiter wirklich überprüfbare - Fachkompetenz. Zudem ist es kaum möglich, kurzfristig eine angemessene Qualifikationsüberprüfung vorzunehmen, wie sie nicht zuletzt auch den Maßgaben des Schulgesetzes entsprechen würde. Schulstunden würden von ständig wechselnden Lehrkräften erteilt, die so wichtige Unterrichtskontinuität könnte es nicht geben. Die Schülerinnen und Schüler würden auf diese Weise mit permanent wechselnden Personen und menschlich-fachlich-pädagogischen Profilen konfrontiert. In jedem anderen Berufszweig würde man unter diesen Umständen eine solche Vorgehensweise als unzumutbar, ja sogar unverantwortlich empfinden: Die Bildung von Kindern und Jugendlichen wird hingegen von der Landesregierung offensichtlich als einfaches, konsequenzen- und risikofreies Aufgabenfeld angesehen.

Das Zentrum für Lehrerbildung (ZfL) der Justus-Liebig-Universität Gießen ist darüber hinaus der Auffassung, dass diese Maßnahme des Kultusministeriums den Lehrerberuf als einen Beruf, auf dessen Ausübung zu Recht durch ein aufwändiges Studium und eine zweijährige Praxisphase vorbereitet wird, entwertet. Das ZfL kann nicht nachvollziehen, warum die Landesregierung einerseits in die Qualität der Lehrerbildung investieren will, andererseits zulässt, dass in möglichst zunehmendem Umfang Unterricht durch Laien (die natürlich viel billiger sind als voll ausgebildete Lehrer) erteilt wird. Es sieht auf diese Weise auch den Sinn seiner Arbeit - die Verbesserung der Lehrerbildung - entscheidend in Frage gestellt. Das Zentrum für Lehrerbildung der Universität Gießen fordert daher die Landesregierung auf, dieses übereilte Konzept grundlegend zu überdenken. Wer eine bessere Schulbildung will, wird - neben allen sinnvollen Reformen und Umstrukturierungen der Lehrerausbildung - an höheren Investitionen in professionellen Unterricht auf Dauer nicht vorbeikommen.

Kontakt:

Dr. Wolfgang Lührmann, Zentrum für Lehrerbildung
Referat Berufs- und Schulpraxis
Karl-Glöckner-Str. 21, 35394 Gießen
Telefon: 0641 99-16442
E-Mail: Wolfgang.Luehrmann@zfl.uni-giessen.de
Weitere Informationen: http://www.uni-giessen.de/zfl/
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