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Neuer Linearbeschleuniger soll Nebenwirkungen bei Bestrahlungstherapie reduzieren

29.08.2006 - (idw) Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

Die Greifswalder Strahlentherapie erhält zum Jahresende einen modernen Linearbeschleuniger der neuesten Generation zur Behandlung krebskranker Patienten. Dieser Linearbeschleuniger bietet neben der Gesamtpalette der 3-dimensionalen Bestrahlungsmöglichkeiten mit hochenergetischen Röntgenstrahlen und schnellen Elektronen vor allem die Möglichkeit der intensitätsmodulierten Strahlentherapie. Diese trägt entscheidend dazu bei, die gesunden Gewebe noch besser zu schonen und den eigentlichen Tumor mit einer ausreichend hohen Bestrahlungsdosis zu behandeln. Auf Grund der modernen Ausstattung und Ablauforganisation kommt es schon heute kaum noch zu Wartezeiten. Greifswald gehört neben Rostock, Schwerin und Neubrandenburg zu den vier Strahlentherapeutischen Zentren des Landes. Die Strahlentherapeuten in Greifswald arbeiten seit etwa einem Jahr mit einem neuen Bestrahlungsplanungssystem, das die 3-D-Planung der Behandlung erheblich optimiert. Außerdem konnte ein System zur digitalen Bildverarbeitung und -archivierung angeschafft werden. Alle Bilddokumente werden digital verarbeitet und archiviert, was die Qualitätskontrolle während der Bestrahlung maßgeblich vereinfacht. Durch zunehmende Modernisierung wurden Behandlungskapazitäten gesteigert und Abläufe in der Strahlentherapie weiter im Interesse der Patienten verbessert. Dadurch konnten die Wartezeiten auf den Therapiebeginn erheblich reduziert und den Patienten eine Behandlung in zeitlich optimaler Aufeinanderfolge von Operation, Chemo- und Strahlentherapie angeboten werden. Dringende Termine können bereits einen Tag nach Anmeldung in Anspruch genommen werden. Schon am ersten Vorstellungstag in der Strahlentherapie erhält der Patient einen genauen Zeitplan für seinen weiteren Behandlungsablauf.

Die seit Februar 2005 unter dem Dach des Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) am Universitätsklinikum angesiedelte ambulante Strahlentherapie wird Ende Oktober darüber hinaus neue patientenfreundlich eingerichtete Räume für Aufnahme- und Nachsorgesprechstunden beziehen können. Auch dies ist ein weiterer Baustein zur Verbesserung der Patientenzufriedenheit. "Unser Ziel ist es, nicht nur eine Krankheit zu behandeln, sondern den Patienten eine gute fürsorgliche Gesamtbetreuung anzubieten", betonte der MVZ-Geschäftsführer und Kaufmännischer Direktor des Universitätsklinikums, Gunter Gotal. In diesem Zusammenhang wurde auch ein psychoonkologisches Betreuungsprojekt in Zusammenarbeit mit dem Evangelischen Krankenhaus Bethanien und der Johanna-Odebrecht-Stiftung Greifswald initiiert. Jeder Patient der Strahlentherapie kann auf Wunsch vom ersten Tag der Behandlung an eine psychologische Beratung durch eine geschulte Diplom-Psychologin erhalten. "Die enge Kooperation mit den über 200 Arztpraxen und den Krankenhäusern im nordöstlichen Einzugsbereich sind weitere entscheidende Vorteile der Strahlentherapie im MVZ", betonte Gotal.

In der Greifswalder Strahlentherapie erhalten jährlich ca. 1.000 Patienten aus der Region Nordostvorpommern eine Strahlentherapie mit jeweils 20 bis 40 Anwendungen. Etwa 2.000 Patienten werden darüber hinaus in der Nachsorge betreut. Fast 80 Prozent der Bestrahlungen erfolgen ambulant.

In der Klinik für Strahlentherapie Greifswald werden die verbleibenden 20% der Patienten stationär behandelt. Alle modernen Verfahren der Radioonkologie finden hier Anwendung. So können zeitgleich zu verabreichende Radio-Chemotherapie-Protokolle durchgeführt werden. Auch hoch spezialisierte Bestrahlungsverfahren wie die Radiochirurgie und Ganzkörperbestrahlung werden unter stationären Bedingungen durchgeführt. Patienten, deren allgemeine körperliche Situation eine ambulante Behandlung nicht zulässt, erhalten neben der speziellen strahlentherapeutischen Behandlung alle notwendigen Maßnahmen zur Wiedererlangung oder Erhaltung ihrer Selbstständigkeit. Im ersten Halbjahr dieses Jahres stieg die Zahl der behandelten Patienten im ambulanten Bereich um 14 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, im stationären Bereich sogar um 45 %.

Durch die Einbindung der Strahlentherapie in das universitäre Gesamtkonzept zur Behandlung krebskranker Patienten kann jedem Betroffenen die optimale Therapie, die meist aus der Kombination verschiedener Methoden, wie chirurgischen Eingriffen, der Chemotherapie oder Antikörpertherapie besteht, vermittelt werden. Die Therapie wird in interdisziplinären Expertengremien abgestimmt, wie beispielsweise im Brustzentrum, im Tumorboard (Tumorkonferenz) und gemeinsamen Spezialsprechstunden in der Hals-Nasen-Ohrenklinik. So erhält der Patient einen auf ihn individuell zugeschnittenen Behandlungsplan. "Unter diesen Bedingungen konnten wir uns mit dem MVZ sowohl innerhalb kürzester Zeit als funktionierendes Bindeglied der an der Heilung beteiligten Partner in der Region etablieren, als auch gleichzeitig etliche Verbesserungen für die Patienten realisieren", unterstrich der Geschäftsführer.

Hintergrund Strahlentherapie

Bösartige Tumore werden sehr häufig bestrahlt, oft auch in Kombination mit anderen Behandlungsverfahren wie Operation und Chemotherapie. Dabei wird ausgenutzt, dass Tumorgewebe meist strahlenempfindlicher ist als das umgebende Normalgewebe. Um die Nebenwirkungen gering zu halten, wird die Bestrahlung auf viele tägliche Einzeldosen aufgeteilt und über mehrere Wochen verabreicht. Mit modernen Strahlentherapieverfahren können heutzutage eine Vielzahl von Tumorerkrankungen auch in fortgeschrittenen Stadien geheilt werden. Hochenergetische Röntgenstrahlen aus modernen Linearbeschleunigern dringen tiefer ins Gewebe ein und erzeugen gleichmäßigere Dosisverteilungen als die herkömmliche niederenergetische Röntgenstrahlen. Verbesserte Schnittbildverfahren und computergestützte dreidimensionale Bestrahlungsplanung vermindern die Belastung von gesundem Nachbargewebe.

Hintergrund Linearbeschleuniger

Die Bestrahlung von bösartigen und gutartigen Tumoren erfolgt mit einem so genannten Linearbeschleuniger. Dabei werden Elektronen durch ein hochfrequentes elektromagnetisches Feld auf beinahe Lichtgeschwindigkeit beschleunigt. Sie werden für das Bestrahlungsgebiet optimiert und erst dann von einem Überwachungssystem zur Bestrahlung freigegeben.
Durch das Abbremsen dieser Elektronen mittels eines Ausgleichskörpers entstehen ultraharte Röntgenstrahlen, die ebenfalls zur Therapie verwendet werden. Durch Blei-Lamellen mit einer Breite von nur 5 mm lässt sich das Strahlenfeld individuell anpassen und der Tumor kann somit optimal getroffen werden. Alle Bestrahlungen werden digital eingestellt, überwacht und protokolliert.


Ansprechpartner
MVZ Medizinisches Versorgungszentrum
am Universitätsklinikum Greifswald GmbH
Geschäftsführer: Gunter Gotal
Fleischmannstraße 8, 17475 Greifswald
T +49 3834 86-51 00
F +49 3834 86-51 01
E kd.gotal@uni-greifswald.de
http://www.klinikum.uni-greifswald.de

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