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Ärztemangel: Viele Fragen werden noch nicht diskutiert - Bremer Hochschullehrer fordert angemessene Arbeitsplätze für Me

30.08.2006 - (idw) Universität Bremen

Ärztemangel ist ein vieldiskutiertes Thema in Deutschland: Eine gemeinsame Studie der Bundesärztekammer (BÄK) und der Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) spricht von 40.000 Medizinern, die bis 2010 in Ruhestand gehen. Eine flächendeckende ambulante Versorgung, so die oft geäußerte These, sei dann nicht mehr zu gewährleisten. Für Dr. med. Norbert Schmacke, Professor am Fachbereich Human- und Gesundheitswissenschaften der Universität Bremen und Leiter der Arbeits- und Koordinierungsstelle Gesundheitsversorgungsforschung in Bremen, ist diese gesundheitspolitische Debatte in ihrer Sichtweise begrenzt. In einem Beitrag für die Zeitschrift "Gesundheit und Gesellschaft Wissenschaft", in der gesundheits- und sozialpolitische Fragestellungen wissenschaftlich diskutiert werden, fordert Schmacke unter anderem angemessene Arbeitsplätze im Gesundheitssystem für Frauen und Männer - "nicht nur in Sonntagsreden, sondern real!" Aus verschiedenen Gründen erscheine es zudem dringend geboten, die Diskussion um den Ärztemangel um mehrere Dimensionen zu erweitern.

"Die aktuelle Debatte um den Ärztemangel im ambulanten Sektor nimmt die vorhandene Dichte und die bestehenden Kooperationen zwischen den Fachberufen im Gesundheitswesen in der Regel als gegeben hin", so der Bremer Hochschullehrer. "Dabei bleiben wesentliche Erkenntnisse der internationalen Versorgungsforschung außer Betracht. Arztdichte ist nicht per se ein ausreichender Indikator für gute Versorgung. Die flächendeckende Verfügbarkeit von Spezialisten im ambulanten Sektor ist in dieser Form nur in Deutschland nachweisbar, ohne dass andere Systeme schlechtere Versorgungsqualität erzeugen würden." Die Arztdominanz im Gesundheitswesen ist laut Schmacke in Deutschland entgegen allen anderen Systemen extrem hoch.

Neben der Diskussion um den Ärztemangel müssten weitere Fragen gestellt und beantwortet werden: Wie können frühzeitig Studentinnen und Studenten dafür geworben werden, später in strukturschwachen Regionen zu arbeiten? Wie kann die Rolle der Allgemeinmedizin weiter gestärkt werden? Wie kann die Bedeutung nichtärztlicher Fachberufe in der medizinischen Versorgung systematisch ausgebaut werden? Und was muss geschehen, um auf die "Feminisierung" des Berufsbildes Ärztin/Arzt sinnvoll zu reagieren?

Norbert Schmacke fordert insbesondere große Anstrengungen, damit der Pflege im Versorgungssystem mehr Selbständigkeit und Verantwortung zugewiesen wird. "Wenn die Beantwortung all dieser Fragen nicht deutlich forciert werden, wird es in zehn Jahren tatsächlich zu einem spürbaren Ärzte- und Versorgungsmangel kommen - weil die bisherigen Rezepte der Bedarfsplanung völlig unzureichend sind," ist sich Schmacke sicher.

Der Beitrag "Ärztemangel. Viele Fragen werden noch nicht diskutiert" von Norbert Schmacke ist in Gesundheit und Gesellschaft Wissenschaft (Kompart Verlag), Heft 3, 6. Jahrgang, 2006, auf Seite 18-25 erschienen. Er kann beim Autor (s.u.) sowie der Universitäts-Pressestelle als pdf-Dokument angefordert werden (presse@uni-bremen.de).

Weitere Informationen und vollständiger Artikel bei:

Prof. Dr. Norbert Schmacke
Arbeits- und Koordinierungsstelle Gesundheitsversorgungsforschung
Universität Bremen
Tel. 0421 / 218-8131
schmacke@uni-bremen.de
www.akg.uni-bremen.de

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