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Universität Erlangen-Nürnberg: Vernetzung durch Lichtpfade

30.08.2006 - (idw) Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Vorlesungen per Videokonferenz und medizinische Diagnosen via Bildschirm verlangen eine Datenübertragung in hoher Qualität. Das Forschungsprojekt Multi-Partner European Testbeds for Research Networking, kurz MUPBED, untersucht derartige Anwendungen mit einer europaweiten Netzinfrastruktur. Auf der TERENA Networking Conference in Catania, Sizilien, demonstrierten die Mitarbeiter des Forschungsprojektes den neuesten technischen Durchbruch: Die ad hoc-Übertragung eines Videosignals in höchster Original-Qualität über zahlreiche Netzgrenzen und unterschiedlichste Netztechniken hinweg von Erlangen nach Sizilien. Die Universität Erlangen-Nürnberg beteiligt sich seit zwei Jahren mit 15 weiteren Teilnehmern aus acht europäischen Ländern erfolgreich an dem Projekt. MUPBED wird von der EU mit 5,3 Millionen Euro gefördert. Netzwerkbetreiber, Hersteller von Netzkomponenten sowie wissenschaftliche Bildungs- und Forschungseinrichtungen schalteten für MUPBED erstmals eine neue Netzinfrastruktur zusammen, die zum Beispiel die Übertragung unkomprimierter Videos mit der fünfzigfachen Sendeleistung eines DSL-Internetanschlusses für interaktive Anwendungen ermöglicht. Unkomprimiert ist eine Videosequenz dann, wenn das Bild, das beim Empfänger ankommt, exakt dem Original entspricht, das gerade auf der Senderseite gefilmt wird. Diese Vernetzung hoher Qualität wird überall gebraucht, wo Interaktion zwischen Sender und Empfänger passiert: Wenn Geräte (fern)gesteuert werden müssen, oder wenn ein direkter Kommunikationsaustausch zwischen Sender- und Empfängerseite mit gleichzeitiger Steuerung stattfindet. So zum Beispiel in der Telemedizin: Hier können Bildsignale, die man mit einer endoskopischen Kamera während einer Operation filmt, an einen entfernten Spezialisten gesendet werden, der dem Chirurgen zur multimedial unterstützten Qualitätssicherung und Diagnose quasi in Echtzeit Empfehlungen geben kann.

Interaktion in Echtzeit
Ein großer Vorteil der MUPBED-Übertragung gegenüber der Internetübertragung ist, dass das versendete Datenpaket nicht mit allen anderen Paketen, die unterwegs sind, konkurrieren muss. MUPBED trennt die einzelnen Datenpakete nach Anwendungen über gesonderte Lichtpfade, über die sie ungehindert zum Bestimmungsort gelangen. Sender und Empfänger profitieren so auf beiden Seiten von dem direkten Datentransfer, der bei interaktiven Anwendungen Reaktionen in Echtzeit ermöglicht. Die exzellente Qualität der Übertragungsstrecke vom TV-Studio des Regionalen RechenZentrums Erlangen ermöglichte den Konferenz-Besuchern in Sizilien, das unkomprimierte Video in einer hervorragenden Bildqualität am Ausstellungsstand des MUPBED Projekts zu verfolgen.

Die MUPBED Technologie entspricht dem Projekt Uni-TV, das das RRZE in Zusammenarbeit mit dem Bildungskanal BR Alpha des Bayerischen Rundfunks seit 1998 betreut. Uni-TV fördert den wissenschaftlichen Austausch und stellt Aufzeichnungen von Seminaren und Vorlesungen der Uni Erlangen-Nürnberg über ein Internetportal zu Verfügung. Dabei werden bei verteilten TV-Produktionen Bildsignale über ein so genanntes ATM-Datennetz in das Studio gesendet. Dort können sie interaktiv oder durch Fernsteuerung der Kameras in Zusammenarbeit mit dem Regisseur live geschnitten werden. Da allein die Komprimierung der Videosignale bereits über 180 Millisekunden Verzögerung verursacht, müssen für interaktive Anwendungen solche Videodaten unkomprimiert in höchster Original-Qualität übertragen werden.


Weitere Informationen für die Medien:

Dr. Peter Holleczek
Kommunikationssysteme
Regionales Rechenzentrum (RRZE)
Tel.: 09131/85-27817
Peter.Holleczek@rrze.uni-erlangen.de

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