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Trauer um Annemarie Schimmel

28.01.2003 - (idw) Universität Erfurt

Die Universität Erfurt trauert um Prof. Dr. Dr. h. c. mult Annemarie Schimmel, die am 27. Januar im Alter von 80 Jahren verstorben ist. Sie zählte zu den bedeutendsten Islamwissenschaftlern des 20. Jahrhunderts. Annemarie Schimmel, die Mitglied des Kuratoriums der Universität Erfurt war, hat mit ihrem Lebenswerk das Wissen über den Islam immens bereichert und sich immer für einen Dialog der Kulturen eingesetzt. Sie sah das Gemeinsame und nicht das Trennende, ob in den mystischen Schriften eines Rumi oder eines Meister Eckharts.

"Die Universität Erfurt verliert mit Annemarie Schimmel eine hervorragende Ratgeberin." Im Wintersemester 2000/01 lehrte sie noch gemeinsam mit Prof. Dr. Jamal Malik in einem Seminar über "Mystische Dimensionen des Islams". Im Kuratorium der Universität wirkte sie bis zum vergangenen Jahr engagiert mit. "Ihr Wirken für den Aufbau der Universität wird unvergessen bleiben und ist uns Verpflichtung für die Zukunft", so Präsident Wolfgang Bergsdorf.

Annemarie Schimmel wurde 1922 als Tochter eines Beamten in Erfurt geboren. Bereits mit 15 Jahren lernte sie Arabisch. 1941 promovierte sie in Berlin. 1946 habilitierte sie sich in Islamwissenschaft mit einer Arbeit zur Kulturgeschichte des spätmittelalterlichen Ägyptens. Zusätzlich erwarb sie 1951 einen Dr. sc. rel. in Religionsgeschichte an der Marburger Universität. Im Jahre 1954 führte sie ihr Lebensweg nach Ankara, wo sie an der islamisch-theologischen Fakultät lehrte. Seit 1961 unterrichtete sie in Bonn, ehe sie 1967 den Ruf an die weltberühmte Harvard University als Professorin für Indo-Muslim Culture erhielt. Dort blieb sie bis 1992, dem Jahr ihrer Emeritierung. Zahlreiche dort verfasste Publikationen begründeten ihren Weltruf. Ihr Spezialgebiet war die islamische Mystik. Um diese einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen, übersetzte sie poetische Werke aus dem Arabischen, dem Persischen, dem Türkischen, dem Urdu, dem Sindhi und dem Paschto. Wegen Ihrer Verdienste erhielt unter anderem 1982 das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse, 1995 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und 2001 den Reuchlinpreis. Bundespräsident Roman Herzog würdigte sie anlässlich der Verleihung des Friedenspreises folgendermaßen: "Inmitten erschreckender Signale des religiösen Fanatismus" sei die Auszeichnung für Annemarie Schimmel als ein "Zeichen für die Begegnung, nicht für die Konfrontation der Kulturen" zu verstehen. In diesem Sinne wirkte sie ein Leben lang.
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