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Auch Pflanzen haben richtig Stress

15.09.2006 - (idw) Eberhard Karls Universität Tübingen

Internationale Konferenz widmet sich der Pflanze Arabidopsis thaliana (Ackerschmalwand) Die Teilnehmer(innen) der dritten trinationalen Arabidopsis-Konferenz, die im jährlichen Wechsel in Deutschland, Österreich und der Schweiz stattfindet, tagen vom 26. bis zum 29. September 2006 im Kupferbau der Universität Tübingen.

Die pflanzenbiologische Forschung unter Verwendung der Modellpflanze Arabidopsis thaliana (Ackerschmalwand) hat eine lange Tradition in Deutschland. Viele Forschergruppen nutzen diese Pflanze für grundlagenwissenschaftliche Analysen pflanzenspezifischer Prozesse (beispielsweise der Funktionsweise des pflanzlichen Immunsystems, Erkennung von Umweltsignalen, Wirkungsweise pflanzlicher Hormone, Ablauf der pflanzlichen Entwicklung und Embryogenese). Die vielseitigen Erkenntnisse aus der Untersuchung von Arabidopsis dienen unter anderem als wissenschaftliche Grundlage für die klassische und moderne Züchtungsforschung.

Rund 200 Forscher, überwiegend aus Europa und den USA, werden sich und die interessierte Öffentlichkeit in Vorträgen und Posterdiskussionen über den aktuellen Stand der Arabidopsis-Forschung informieren und austauschen. Thematische Schwerpunkte der diesjährigen Konferenz sind

* Interaktion von Arabidopsis mit der belebten und unbelebten Umwelt
* Mechanismen der Genregulation,
* Photosynthese und Metabolismus
* Entwicklung von Arabidopsis

Aus der langen Liste der Vorträge seien folgende Überblicksreferate empfohlent:

* Dienstag, 26.09., 17.15 Uhr; Prof. Caroline Dean, Thema: "Vernalization and the Switch to Flowering" (Vernalisation und der Übergang zum Blühen): Erläuterung des molekularen Mechanismus, der die Frage beantwortet, warum viele Pflanzen erst nach einer Kälteperiode blühen.
* Mittwoch, 27.09., 10.45 Uhr; Prof. Brigitte Mauch-Mani, Thema: "Priming - Getting Ready to Fend off Biotic and Abiotic Stress" (Priming - die Vorbereitung zur Abwehr von biotischem und abiotischem Stress): Darstellung des molekularen Hintergrunds, wie eine leichte Stressvorbehandlung Pflanzen widerstandsfähiger gegen "richtigen" Stress macht, der von Lebewesen (Pathogene, Pflanzenfresser) oder durch Umwelteinflüsse ausgeübt wird.
* Donnerstag, 28.09., 08.30 Uhr; Prof. Tamas Dalmay; Thema: "Regulation of Gene Expression by Short RNAs" (Regulation der Aktivität von Genen durch kurze RNA Moleküle): Beschreibung eines fundamental neuen Mechanismus zur Umsetzung genetischer Informationen. Dieser Mechanismus wurde ursprünglich in Arabidopsis entdeckt, spielt aber, wie man inzwischen weiß, auch bei Tieren und Menschen eine sehr wichtige Rolle.
* Freitag, 29.09., 08.30 Uhr; Prof. William Martin, Thema: "Endosymbiotic Gene Transfer: A Curious Evolutionary Mechanism" (Endosymbiontischer Gentransfer: Ein wundersamer Mechanismus der Evolution): Beschreibt das Phänomen und den möglichen evolutionären "Sinn", warum rund 20% der Erbsubstanz im Zellkern der Höheren Pflanzen aus dem Plasti- den stammen - einer vor Jahrmillionen von der pflanzlichen Vorläuferzelle aufgenommenen, photosynthetisch aktiven Blaualge.

In diesem Jahr wird die Konferenz von den Tübinger wissenschaftlichen Mitgliedern des AFGN (Arabidopsis Functional Genomics Network, www.uni-tuebingen.de/plantphys/AFGN/index.html) organisiert. Dieser Verbund von rund 25 deutschen grundlagenwissenschaftlich arbeitenden Forschungsgruppen wurde im Jahre 2001 gegründet und wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanziell getragen. In enger Zusammenarbeit mit Forschern aus aller Welt hat AFGN die wissenschaftliche Vision, in naher Zukunft die Funktion jedes einzelnen der rund 23.000 Gene von Arabidopsis zu bestimmen und damit die Vielfalt der pflanzlichen Prozesse, Reaktionen, Anpassungsmechanismen und Entwicklungsschritte zu verstehen und vorauszusagen. Um dieses Ziel zu erreichen, nutzen die Forscher modernste Methoden, Techniken und Verfahren der "Functional Genomics", die beispielsweise die zeitgleiche und quantitative Untersuchung der Aktivität tausender Gene, Proteine und Stoffwechselprodukte ermöglicht.

Ein Konferenzhandbuch mit dem vollständigen Programm, den Kurzversionen der Vorträge und Präsentationen, Teilnehmer(innen)liste und Sponsoren wird auf Anfrage zugesandt. Konferenzsprache ist Englisch.


Das komplette Vortragsprogramm findet sich auf der Homepage der Konferenz:
http://www.eb.tuebingen.mpg.de/tnam2006

Für Nachfragen:

Dr. Matthias Hendrichs
Zentrum für Molekularbiologie der Pflanzen (ZMBP)
Auf der Morgenstelle 3, 72076 Tübingen
Tel.: 07071/ 29-73095, Fax: 07071/ 29-3287
E-Mail: matthias.hendrichs@uni-tuebingen.de

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