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Ein Affront der Briten

29.01.2003 - (idw) Universität Wuppertal

Empört und kämpferisch zugleich hat der Rektor der Bergischen Universität Wuppertal, Prof. Dr. Volker Ronge, auf Meldungen reagiert, wonach Großbritannien den deutschen Bachelor nicht anerkennen wolle.

Deutschland müsse mit Großbritannien rasch eine Einigung erzielen. Nach Ronges Ansicht müsse die Nachricht jedoch alle alarmieren, die sich im Einklang mit der deutschen und der NRW-Hochschulpolitik auf breiter Front auf das gestufte Studiensystem des Bachelor-/Master-Modells umstellen, um damit eine EU-weite Angleichung und Erleichterung der Studentenmobilität in Europa zu erzielen. "Ich bin sicher, dass die nationalen Studiensysteme und akademischen Abschlüsse und Titel sich angleichen und die wechselseitige Anerkennung von Studienleistungen und -abschlüssen Routine wird", erklärte der Politikwissenschaftler.

Berichten zufolge hatte die offizielle britische Stelle für die Anerkennung ausländischer akademischer Titel und Studienabschlüsse (National Academic Recognition Information Centre NARIC) angekündigt, deutsche Bachelor-Abschlüsse nur als dem "einfachen" (ordinary) Bachelor-Abschluss in Großbritannien äquivalent einzustufen. Das würde zunächst bedeuten, dass man mit einem deutschen Bachelor-Grad in Großbritannien nicht für ein Master-Studium zugelassen wird, für das ein sogenannter "Honours Bachelor", also ein Bachelor "erster Klasse", zur Voraussetzung gemacht wird.

Diese Übernahme des anglo-amerikanischen Studienmodells war durch den sogenannten Bologna-Prozess 1999 eingeleitet und durch das Hochschulrahmengesetz des Bundes und die Hochschulgesetze der Bundesländer umgesetzt worden.

Besonders gefährlich, so Ronge, sei das britische Signal gegenüber Ausländern, die in Deutschland studieren wollen. Es müsse dafür gesorgt werden, dass sich international keine abschätzige Auffassung vom deutschen Hochschulsystem und seinen Studienabschlüssen verbreite, forderte Ronge. Wenn mit Großbritannien ausgerechnet das Land, auf dessen Modell man sich europaweit ausrichtet, das neue und beispielsweise in Deutschland und Frankreich gegen nationale Traditionen nicht gerade begeistert eingeführte System arrogant desavouiere, dann sei das nicht nur ein Affront, sondern auch Wasser auf die Mühlen derjenigen, die ohnehin gegen die Reform eingestellt seien.

Für eine Hochschulleitung, die sich unter politischem Druck für diese Studienreform eingesetzt hat, erzeuge die Konstellation eine missliche Lage. Was aber auch immer die britische Haltung motiviere: Deutschland könne sich eine Abqualifizierung dieser Art nicht gefallen lassen. Ronge kämpferisch: "Die EU-Harmonisierung ist ein Wert in sich, auch in Bezug auf das Hochschul- und Studiensystem. Nachdem der Zug auf's Gleis gesetzt ist, gibt es kein Zurück, sondern nur ein Vorwärts! Die Europäisierung des Studiensystems wird mit Sicherheit weitergehen. Die Zukunft wird europaweit die Studienstruktur des Bachelor-/Master-Systems aufweisen."
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