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Universitäten im Dritten Reich - Die LMU stellt sich ihrer Vergangenheit

28.09.2006 - (idw) Ludwig-Maximilians-Universität München

München, 28. September 2006 - Die Annäherung an die nationalsozialistische Ideologie und die Einordnung der Universitäten in das NS-Regime zählen zu den finstersten Kapiteln der deutschen Hochschulgeschichte. Die Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München nimmt die Auseinandersetzung mit ihrer Vergangenheit in dieser Zeit sehr ernst. Ein Zeichen dieser Aufarbeitung ist das Buch "Die Universität München im Dritten Reich", das als erster Band der Reihe "Beiträge zur Geschichte der Ludwig-Maximilians-Universität" am heutigen Donnerstag im Senatssaal der LMU präsentiert wurde. "Jede Universität muss sich ihrer Rolle im Dritten Reich bewusst sein und Verantwortung dafür übernehmen", betonte der Rektor der LMU, Professor Bernd Huber, in seiner Begrüßungsrede. Das gelte für die Ludwig-Maximilians-Universität in ganz besonderem Maße, stand sie doch nicht nur als zweitgrößte Universität in Deutschland, sondern vor allem als Universität in der "Hauptstadt der Bewegung", in München, ganz besonders im Fokus nationalsozialistischer Bildungsideologen. "Ich bin meinem Vorgänger, dem Kollegen Heldrich, sehr dankbar, dass er dieses Projekt initiierte, vorangetrieben und damit ein Zeichen gesetzt hat, dass diese Zeit weder bei Lehrenden, Studierenden und Mitarbeitern noch in der Öffentlichkeit in Vergessenheit geraten darf."

Das Forschungsprojekt zur Geschichte des Nationalsozialismus wurde 2002 vom damaligen Rektor Professor Andreas Heldrich initiiert: Drei Jahre forschten Historiker um die Herausgeberin Professor Elisabeth Kraus und bündelten ihre Ergebnisse. Heldrich betonte, dass eine Rückbesinnung auf die Geschichte auch im modernen Wissenschaftsbetrieb unabdingbar sei: "Wir können daraus lernen, dass eine wertfreie Wissenschaft, die in ihrer Forschung keine Skrupel kennt, von gewissenlosen Politikern missbraucht werden kann. Wir können daraus lernen, dass eine scheinbar unpolitische Beschränkung auf die reine Wissenschaft uns nicht der Verantwortung enthebt, gegen eine verbrecherische Ideologie aufzustehen, die unser Gemeinwesen in den Griff nimmt."

Die 16 Aufsätze in dem Band befassen sich mit verschiedenen Aspekten vor und während der zwölf Jahre des nationalsozialistischen Regimes, insbesondere um die Verstrickung von Wissenschaftlern, Verwaltungspersonal und auch Studierenden in die geistige Fundierung der NS-Ideologie deutlich zu machen, aber auch, welche Formen des Widerstandes es gab.

Professor Hans-Michael Körner vom historischen Seminar der LMU und Vorstand des Universitätsarchivs betonte, dass die Aufarbeitung mit Erscheinen dieses Bandes keinesfalls beendet sein darf. "Dieses Buch ist kein einmaliges Projekt in der Auseinandersetzung der LMU mit diesem Kapitel ihrer Geschichte", hob er hervor. Vielmehr markiere es eine weitere Initiative, um sich intensiv mit diesem Thema zu beschäftigen. Körner verwies hierbei auf die demnächst erscheinende Dissertation von Maximilian Schreiber über den damaligen Rektor der LMU, Walther Wüst, sowie die Forschungsarbeit von Stefanie Harrecker zur Aberkennung der Doktortitel während des Nationalsozialismus.

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