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Fortschritt der bildgebenden Diagnose - Herausforderung Demenz

30.01.2003 - (idw) Klinikum der Universität München

Das Institut für Klinische Radiologie des Klinikums der Universität München und das Memorial-Sloan-Kettering Cancer Center veranstalten vom 30. Januar bis zum 01. Februar 2003 in Garmisch-Partenkirchen das 10. Internationale Magnetresonanztomographie Symposium, zu dem wiederum etwa 1.000 Teilnehmer erwartet werden. Dieser Kongress gehört zu den größten Fachkongressen zu dieser Thematik in ganz Europa. Fachleute aus der USA, ganz Europa und Deutschland werden über die letzten Fortschritte auf diesem sich dynamisch weiterentwickelnden Gebiet referieren. Dabei steht die Brisanz der Demenzerkrankungen im Vordergrund.

Derzeit sind in Deutschland bereits 1 Million Menschen an einer Demenz und wesentlich mehr an ihren Vorstufen (leichte kognitive Störung) erkrankt, mit den Folgen eines rapiden geistigen Abbaus und zunehmenden Pflegebedarfs. Die Alzheimer Krankheit ist die häufigste Ursache für Demenzen, neben einer Vielzahl möglicher Ursachen spielen insbesondere Erkrankungen des Gefäßsystems des Gehirns eine wichtige Rolle. Dem deutschen Gesundheitssystem entstehen durch die Aufwendungen für die Versorgung Demenzkranker jährlich Kosten von mehreren Milliarden Euro. Bis zum Jahr 2010 wird aufgrund der steigenden Lebenserwartung der Bevölkerung und der soziodemographischen Alterung unserer Gesellschaft eine deutliche Zunahme der Zahl von dementen Patienten auf etwa 1,5 Millionen erwartet.


FRÜHZEITIGE ERFASSUNG
Kaum ein Bereich der Medizin findet derzeit eine so starke Aufmerksamkeit wie das Gebiet der Demenz. Zum einen konnten bahnbrechende Entdeckungen in der Pathogenese der Alzheimer Krankheit erreicht werden, zum anderen gelingt es durch verbesserte Diagnosemethoden in der Psychiatrie und Radiologie (Biomarkerforschung und Bildgebende Verfahren) immer mehr Erkrankungen aus dem demenziellen Formenkreis bereits frühzeitig zu erfassen. Derzeit sind etwa 30 neue Medikamente zur Behandlung von Demenzerkrankungen in Entwicklung, deren finanzielles Investitionsvolumen das der Entwicklung kardiovaskulärer Medikamente gegen Herzinfarkt, Bluthochdruck und Schlaganfall übersteigt. Demenzen werden zum Hauptfokus der Anstrengungen der pharmazeutischen Industrie bei Erkrankungen des Alters und des Gehirns.

Die Aufgaben der radiologischen Bildgebung bei der Diagnose dementieller Erkrankungen besteht im Ausschluss nicht primärer Demenzursachen, z.B. Blutungen, Tumoren, Infektionen. Darüber hinaus kann die moderne Bildgebung zunehmend direkt morphologische Veränderungen des Gehirns, das heißt Hirnschwund in besonders betroffenen Arealen, entdecken und in seinem Ausmaß und Volumen bestimmen. Diese Veränderungen spiegeln beim Lebenden die Veränderungen der Hirnstruktur aufgrund der Erkrankung wider und können wegweisend sein für die Differenzierung unterschiedlicher Demenzursachen. Weitere Ansätze zur früheren Erfassung von neurodegenerativen Veränderungen im Gehirn konnten zudem durch die sogenannte funktionelle Bildgebung erreicht werden, bei der ein Rückgang oder eine Veränderungen der Aktivierbarkeit der Hirnrinde gemessen wird. Seit neuestem kann der Untergang von Nervenfasern und Leitungsbahnen im Gehirn durch die Methode des sogenannten Diffusion Tensor Imaging (DTI) direkt visualisiert werden. Durch die Kombination dieser Verfahren, also der morphologischen Bildgebung, der funktionellen Bildgebung und der DTI ergibt sich in näherer Zukunft die Möglichkeit, Patienten in frühen Stadien oder Vorstadien dementieller Erkrankungen sicherer als bisher zu diagnostizieren und ihnen so eine spezifische Therapie zu einem sehr frühen Zeitpunkt im Verlauf der Erkrankung zukommen zu lassen, wodurch ein optimaler Nutzen der Behandlung für den Patienten gewährleistet wird. Zugleich kann mit diesen Verfahren die Wirksamkeit einer aktuellen oder zukünftigen Behandlung auf die Gehirnveränderungen, die dem dementiellen Abbau zugrunde liegen, direkt gezeigt werden.

DAS VERFFAHREN
Die Diffusion tensor imaging Methode beruht auf der Möglichkeit, die zufällige Bewegung von Wassermolekülen (=Diffusion) entlang den Nervenfasern darzustellen (=Anisotropie). Bei intakten Nervenfasern lässt sich die gerichtete Bewegung in Form von Signalunterschieden gegenüber dem umliegenden Hirngewebe darstellen. Diese Unterschiede werden umso deutlicher, je stärker die Richtungsabhängigkeit der Molekularbewegung ist. Werden die Nervenfasern bei Demenzerkrankungen durch Abbauprozesse zerstört, so nehmen diese Signalunterschiede ab. Über diese Abnahme der Signalunterschiede lässt sich somit frühzeitig auf den Untergang von Nervenfasern schließen. Erste Untersuchungen haben hier bereits eine gute Korrelation zur Gedächtnisleistung der Patienten ergeben. Es ist zu erwarten, dass diese Veränderungen bereits vor dem Auftreten einer morphologisch fassbaren Hirnvolumenminderung auftreten können. Damit wäre eine Möglichkeit gegeben, mittels der MRT frühzeitig den Einfluss von Medikamenten, die das Fortschreiten der Demenz aufhalten oder verlangsamen sollen, zu untersuchen.

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