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Minderheiten schützen, Mehrheiten bilden - Menschenrechte in Europa

05.10.2006 - (idw) VolkswagenStiftung

Aufklärung über Menschenrechte in Europa: Abschluss-Symposium zum interdisziplinären Tandem-Projekt "Teaching Human Rights in Europe" an der Humboldt-Universität zu Berlin vom 26. bis 28. Oktober 2006. Menschenrechte in Europa - eine brisante und dennoch zu wenig beachtete Thematik. "Hier ist doch alles in Ordnung", mag es manch einem durch den Kopf gehen. Aber stimmt das auch? 1994 riefen die Vereinten Nationen die Dekade der Menschenrechtserziehung (1995 bis 2004) aus. Ziel war es, die Mitgliedsstaaten zu motivieren, verstärkt über die Bedeutung und die Notwendigkeit von Menschenrechten aufzuklären, um so die Bürger zu befähigen, für eigene und fremde Rechte aktiv eintreten zu können. Welches Echo hat dieser Ruf gefunden? Hat sich das gesellschaftliche Bewusstsein in Europa verändert - insbesondere beim Umgang mit Minderheiten in bestimmten Ländern? Fragen, deren Beantwortung für das Zusammenleben im neuen, erweiterten Europa bestimmend ist.

Diesen Fragen haben sich in den vergangenen drei Jahren die Juristin Dr. Claudia Mahler, die Politologin Dr. Anja Mihr und die Sozialanthropologin Dr. Reetta Toivanen in ihrem Projekt "Teaching Human Rights in Europe: Purposes, Realization and Consequences" zugewandt. Vom 26. bis 28. Oktober 2006 wird das Forscherinnenteam seine Ergebnisse bei einem - in englischer Sprache abgehaltenen - Abschlusssymposium an der Humboldt-Universität zu Berlin vorstellen (Beginn ist am Donnerstag, dem 26. Oktober, um 16 Uhr). Gemeinsam mit Experten, Wissenschaftlern, Vertretern von Minderheiten und Lehrenden möchten sie erörtern, inwiefern Menschenrechtsbildung Minderheiten tatsächlich erreicht: Was wird juristisch und politisch gegen ethnische Diskriminierung getan? Wie haben sich staatliche und nichtstaatliche Akteure mit ihrem Bildungsauftrag auseinander gesetzt? Und: Verbessern sich die Lebensbedingungen von Minderheiten in den betreffenden Staaten?

Interessierte Journalistinnen und Journalisten ebenso wie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind herzlich zur Veranstaltung eingeladen (via Anmeldung an Carolin Philipp: HRE_Symposium_06@web.de). Das Programm des Symposiums finden Sie unter http://www.humanrightsresearch.de/material/sym_okt_06/index_files/Programme.htm.

Kontakt Symposium
Humboldt Universität zu Berlin
Institut für Europäische Ethnologie
Carolin Philipp
Telefon: 030 2093 3723
(Di und Do 9-12 Uhr)
E-Mail: HRE_Symposium_06@web.de

Veranstaltungsort:
26. Oktober:
Humboldt Universität zu Berlin, Hauptgebäude, Senatssaal, Unter den Linden 6
27. und 28. September:
Humboldt Universität zu Berlin, Department of European Ethnology, Mohrenstraße 41, Raum 311/312

Die drei Wissenschaftlerinnen haben sich der Thematik auf mehreren Ebenen angenähert. Sie analysierten Rahmenbedingungen und Akteure der Menschenrechtsbildung und befragten Angehörige von Minoritäten selbst zu ihren Chancen, ihrem Selbstverständnis und ihrer Selbstorganisation. Einbezogen in die Studie wurden Minderheiten in sechs Ländern: Armenien, Estland, Finnland, Deutschland, Slowakei und Spanien. Ihr derzeitiger Status unterscheidet sich dabei gewaltig von Land zu Land: "Während sich die Roma in Finnland nach und nach einen Platz in der Gesellschaft erkämpft haben, sind die Roma in der Slowakei teilweise noch staatenlos und verfügen nur über eine geringe politische Konfliktfähigkeit", erklärt das Forschungstrio.

Das Resümee der Projektpartnerinnen fällt dabei zugleich ernüchternd und ermutigend aus. "In keinem der von uns untersuchten Länder ist die Aufklärung über Menschenrechte an vorderster Stelle auf die politische Agenda gesetzt worden", sagen die drei Forscherinnen unisono. "Die westeuropäischen Länder neigen zur Selbstzufriedenheit. In postsozialistischen Staaten regt sich dagegen oftmals Widerstand gegen 'vom Westen' importierte Projekte", beschreiben sie die Situation. Dabei beobachten sie eine durchaus bedenkliche Tendenz: Teilweise wachse die Kluft zwischen demokratischem Image und dem tatsächlichen Status von Minderheiten. Von staatlicher Seite werde zumeist weder die Notwendigkeit noch die Möglichkeit zur Abhilfe gesehen: "Letztlich sind Minderheitengruppen sehr abhängig vom Engagement der großen Nichtregierungsorganisationen."

Positiv lässt sich aus Sicht von Claudia Mahler, Anja Mihr und Reetta Toivanen jedoch festhalten: "Werden Programme zur Menschenrechtsbildung der Mehrheitsbevölkerung durchgeführt, zeigen sie auch Effekte. Sie sind auf jeden Fall ein geeignetes Mittel, Diskriminierung und Marginalisierung von Minderheiten zu bekämpfen."

Die VolkswagenStiftung hat die Arbeit des "Forscherinnen-Trios" im Rahmen des inzwischen beendeten "Tandem-Programms zur Förderung der fachübergreifenden Zusammenarbeit von Postdoktoranden" mit rund 653.000 Euro unterstützt.

Auf der Website der VolkswagenStiftung finden Sie unter http://www.volkswagenstiftung.de/fileadmin/downloads/publikationen/Tandem.pdf einen Beitrag aus der Startphase der Vorhabens, der unter anderem über die Arbeit der drei Wissenschaftlerinnen informiert.

Weitere Auskünfte:
Humboldt-Universität zu Berlin
Institut für Europäische Ethnologie
Dr. Anja Mihr
Telefon: 030 2093 3723
E-Mail: anja.mihr@staff.hu-berlin.de

Humboldt-Universität zu Berlin
Institut für Europäische Ethnologie
Dr. Reetta Toivanen
Telefon: 030 2093 3700
E-Mail: reetta.toivanen@staff.hu-berlin.de

Universität Potsdam
MenschenRechtsZentrum
Dr. Claudia Mahler
Telefon: 0331 977 3450
E-Mail: cmahler@rz.uni-potsdam.de

Kontakt

VolkswagenStiftung
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Dr. Christian Jung
Telefon: 0511 8381 380
E-Mail: jung@volkswagenstiftung.de

Der Text der Presseinformation steht im Internet zur Verfügung unter http://www.volkswagenstiftung.de/service/presse.html?datum=20061005
Weitere Informationen: http://www.humanrightsresearch.de/material/sym_okt_06/index_files/Programme.htm - Programm
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