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Jährlich tausende Tote: Politik muss Nichtraucher besser schützen!

05.10.2006 - (idw) Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

Deutsche Herzstiftung fordert die Bundesregierung auf, endlich den Nichtraucherschutz in Gaststätten ernst zu nehmen (Frankfurt am Main, 5. Oktober 2006) Obwohl Passivrauchen jedes Jahr zu mehreren tausend Todesopfern führt, tun sich im Deutschen Bundestag immer noch zahlreiche Politiker schwer, ein umfassendes Gesetz zum Schutz von Nichtrauchern zu verabschieden. Um diesen Missstand zu beenden, fordert die Deutsche Herzstiftung die Abgeordneten eindringlich dazu auf, ihrer Verantwortung gegenüber der nichtrauchenden Bevölkerung gerecht zu werden und endlich ein entsprechendes Gesetz zu verabschieden, das auch ein Rauchverbot in Gaststätten einschließt, wie dies in verschiedenen Ländern Europas längst der Fall ist.

Es ist allgemein bekannt, dass Raucher nicht nur ihre eigene Gesundheit in Gefahr bringen, sondern auch ihre Mitmenschen erheblich gefährden. Die häufigste Todesursache aufgrund von Passivrauchen ist allerdings nicht der Lungenkrebs, wie viele Menschen glauben. "Trauriger Spitzenreiter sind die Herzerkrankungen wie etwa Herzinfarkte", erläutert Professor Dr. med. Helmut Gohlke, Vorstandsmitglied der Deutschen Herzstiftung. "Denn Passivrauchen zählt wie aktives Rauchen zu den gefährlichsten Risikofaktoren für den plötzlichen Verschluss der Blutgefäße durch Blutgerinnsel, in dessen Folge der Herzmuskel nicht mehr ausreichend mit sauerstoffreichem Blut versorgt wird und massive Schäden davonträgt."

Trotz einfacher Möglichkeiten, diese eklatante Gefahr auszuschalten, werden Nichtraucher in Deutschland immer noch nicht ausreichend geschützt. Zwar wird derzeit im Bundestag über ein Gesetz diskutiert, das ein Rauchverbot in öffentlichen Verkehrsmitteln, Kinos, Theatern und öffentlichen Gebäuden vorsieht, doch für ein umfassendes Rauchverbot in Gaststätten hat sich bislang noch keine Mehrheit gefunden. Stattdessen kursieren Pläne, wonach Gastronomiebetriebe mit einer Größe von über 75 m² lediglich Nichtraucherzonen einrichten müssten, während in Gaststätten unter 75 m² das Rauchen weiter uneingeschränkt erlaubt bleiben soll.

Wie sinnvoll jedoch ein umfassendes Rauchverbot ist, zeigt der Blick in andere europäische Länder, und nach USA, in denen verantwortungsvolle Gesetze zum Schutz von Nichtrauchern existieren. "In Italien haben vor eineinhalb Jahren die Krankenhauseinweisungen aufgrund von Herzinfarkten unmittelbar nach Einführung eines weitgreifenden Rauchverbots in Gaststätten, Diskotheken und öffentlichen Gebäuden deutlich abgenommen", unterstreicht Prof. Gohlke, nach dessen Hinweisen das strikte Rauchverbot im Gastronomiebereich einer der wichtigsten Punkte des Nichtraucherschutzes darstellt, was inzwischen durch wissenschaftlich überzeugende Beobachtungsstudien aus USA bestätigt wurde: Das Rauchverbot in öffentlichen Gebäuden und Restaurants leistet neben der Verhütung persönlichen Leidens auch einen eigenen Beitrag zur Verminderung der Gesundheitskosten: In der amerikanischen Stadt Pueblo (Colorado) wurde nach Einführung eines solchen Rauchverbots innerhalb von eineinhalb Jahren eine Reduktion der akuten Herzinfarkte um 27 Prozent im Vergleich zu einer Kontrollstadt beobachtet. Eine enorme Verminderung in so kurzer Zeit, die wohl durch keine andere Maßnahme zu erzielen ist. Auf Deutschland hochgerechnet wären dies etwa 78.000 Herzinfarkte pro Jahr weniger: eine Kostenersparnis in Milliardengröße für unser derzeit viel diskutiertes Gesundheitssystem.

Mehrheit in Deutschland will rauchfreie Gaststätten
Die Deutsche Herzstiftung ruft daher die Entscheidungsträger des Bundestages nachdrücklich dazu auf, beim derzeit geplanten Gesetz zum Schutz von Nichtrauchern auch ein generelles Rauchverbot für Gaststätten aufzunehmen und sich auf keinen Fall in irgendeiner Weise von der Zigarettenindustrie beeinflussen zu lassen. Dabei betont die Deutsche Herzstiftung ausdrücklich, dass nach aktuellen Umfragen die Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland für rauchfreie Gaststätten ist, woran sich Vertreter des Deutschen Bundestages unbedingt bei ihrer Entscheidung erinnern sollten.

Zum 1. Juli 2006 gab es in USA 474 Gemeinden und 11 Staaten mit aktivem Nichtraucherschutz-Gesetz. Nach der Neuauflage des Berichtes des Surgeon General im Juni 2006 haben sich viele Gemeinden ermutigt gesehen, den aktiven Nichtraucherschutz per Anordnung zu intensivieren.

Quellen:

Schaller K, Poetschke-Langer M, Schultze A, Ehrmann K.: Maßnahmen zum
Nichtraucherschutz in Deutschland [Measures of nonsmokers' protection in
Germany]. Heidelberg, DKFZ, 2005.

Carl Bartecchi, MD; Robert N. Alsever, MD; Christine Nevin-Woods, DO, MPH; William M. Thomas, PhD; Raymond O. Estacio, MD; Becki Bucher Bartelson, PhD; Mori J. Krantz, MD; Reduction in the Incidence of Acute Myocardial Infarction Associated With a Citywide Smoking Ordinance; Circulation 114:1490-1496; 2006 (3.Oktober)


Jonathan M. Samet, MD, MS; Smoking Bans Prevent Heart Attacks; Circulation 114: 1450-1451; 2006

14/2006

Informationen:
Deutsche Herzstiftung e. V.
Pressestelle
Pierre König
Tel. 069/95 51 28-140
Fax: 069/95 51 28-313
E-Mail: koenig@herzstiftung.de
Weitere Informationen: http://www.herzstiftung.de
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