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Der größte Räuber aller Zeiten

30.01.2003 - (idw) Universität Fridericiana Karlsruhe (T.H.)

Nr. 14/30.1.2003/Rauhe

Der größte Räuber aller Zeiten

Skelettreste des urzeitlichen Monsters von Aramberri erstmals ausgestellt

Die Karlsruher Entdecker des "Monsters von Aramberri" präsentieren Teile des gigantischen Meeresreptils in einer kleinen Ausstellung im Paläosaal des Naturkundemuseums. Dr. Eberhard "Dino" Frey vom Staatlichen Museum für Naturkunde und Professor Dr. Wolfgang Stinnesbeck vom Geologischen Institut der Universität Karlsruhe erläuterten die Exponate bei einem Pressegespräch am Donnerstag. Sie leiten ein Gemeinschaftsprojekt der beiden Einrichtungen mit der Universidad Autónoma de Nuevo León in Linares, das sich auch um den 145 Millionen Jahre alten Pliosaurier aus dem Jura Mexikos dreht. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) finanziert die Grabungen.

Besucher können nun zu den regulären Öffnungszeiten des Museums einige Halswirbel und Reste des Schädels des Aramberri-Monsters hautnah bewundern. Bisher haben die Forscher nur Teile des vorderen Skelettes geborgen, die zur Zeit im Naturkundemuseum präpariert werden. Den Rest des Tieres wollen sie noch im Oktober dieses Jahres in Mexiko aus dem Fels befreien.

Allein die Größe der Wirbelkörper lässt auf ein Exemplar von gewaltigen Ausmaßen schließen: 50 Tonnen Lebendgewicht bei einer Gesamtlänge von etwa 18 Metern. Dabei handelt es sich bei diesem Koloss lediglich um ein jugendliches Tier, wofür die noch nicht verwachsenen Knochennähte sprechen. Die schwere Kopfverletzung des Meeresungetüms birgt eine noch größere Überraschung: ein noch größerer Räuber, wahrscheinlich ein erwachsenes Meeresreptil aus der Gruppe der Pliosaurier, hat sich im Schädel seiner kleineren Beute regelrecht festgebissen. Die gewaltigen Zähne des Räubers durchschlugen den 40 Zentimeter hohen Schädel des Opfers bis hinunter zum Gaumendach. "Der Angreifer muss die Dimensionen eines Pottwales noch übertroffen haben," schätzt Eberhard Frey. "Der versteinerte Mageninhalt des Fossils wird uns bald verraten, wie die Henkersmahlzeit des 'urzeitlichen Teenagers' ausgesehen hat."

Die Präparation und wissenschaftliche Bearbeitung des Giganten wird einige Jahre in Anspruch nehmen. Einen wissenschaftlichen Namen hat das Aramberri-Monster noch nicht. Auch zu welcher Gattung oder Familie der Pliosaurier gehört, muss noch geklärt werden. Genauso abenteuerlich und spannend wie die Lebensweise des imposanten Meeresungeheuers ist der Verlauf der Grabungen bei der Feldexpedition, über den ein Poster der Ausstellung ausführlich informiert: Mit Holzschlitten und Maultieren wurden die tonnenschweren Felsbrocken quer durch die Wüste "Sierra Madre Oriental" befördert.

Einen ersten Eindruck vom Aussehen des Aramberri-Ungetüms vermittelt eine Rekonstruktionszeichnung, die Eberhard Frey eigens für die Fossil-Präsentation angefertigt hat. Nach der wissenschaftlichen Bearbeitung werde das Skelett wahrscheinlich im neugegründeten Wüsten-Museum "Museo del Desierto" in Saltillo ausgestellt, mutmaßt Wolfgang Stinnesbeck.

Öffnungszeiten des Naturkundemuseums Karlsruhe:

Dienstag bis Freitag jeweils 9.30 bis 17 Uhr
Samstag, Sonn- und Feiertage jeweils 10 bis 18 Uhr


Nähere Informationen:

Dr. Eberhard "Dino" Frey
Naturkundemuseum Karlsruhe
Telefon 0721/175-2117

Professor Dr. Wolfgang Stinnesbeck
Universität Karlsruhe
Telefon 0721/608-2137
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