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Erklärung des Rektors der Universität Leipzig

30.01.2003 - (idw) Universität Leipzig

Ich habe dem Akademischen Senat der Universität Leipzig heute meinen Rücktritt vom Amt des Rektors erklärt. Entsprechend der Verfassung der Universität Leipzig werde ich mein Amt noch bis zur Neuwahl eines Nachfolgers verantwortungsvoll weiterführen.
Veranlasst zu diesem Schritt wurde ich durch einen Beschluss der Regierung des Freistaates Sachsen, mit dem das gemeinsam mit der Staatsregierung und der Stadt Leipzig entwickelte Konzept einer Neugestaltung des universitären Campus am Augustusplatz zugunsten eines Wiederaufbaus der Universitätskirche aufgegeben werden soll, obwohl alle universitären Gremien diesem Konzept zugestimmt hatten und der Freistaat sich in einer gemeinsamen Erklärung mit der Universität als Anlage zum außergerichtlichen Vergleich über das Körperschaftsvermögen der Universität schriftlich für eine Umsetzung dieses Konzeptes verpflichtet hatte. Verbunden mit diesem Sinneswandel, für den die Staatsregierung der Universität keinerlei Gründe genannt hat, war die offene und unverhüllte Drohung, den Neubau des innerstädtischen Campus ganz zu stoppen, wenn sich die Universität den neuen politischen Vorgaben nicht fügen und am bisherigen (gemeinsamen!!) Konzept festhalten sollte. Eine solche Nichtachtung einer bindenden Erklärung seitens der Staatsregierung und die damit verbundene Einmischung in die Selbstverwaltungsangelegenheiten der Universität sind ohne Beispiel.
Dass Regierungen ihre Meinungen ändern, wenn sie sich davon parteipolitische Vorteile erhoffen, ist nicht neu. Damit muss und kann man in einer Demokratie leben. Nicht akzeptieren aber kann ich, dass die Staatsregierung die Verfügungsgewalt über ihr anvertraute Steuermittel benutzt, um Beschlüsse einer Institution auszuhebeln, hinter denen mehr als 30.000 Mitglieder stehen. Dies zeugt nach meiner Auffassung von einem katastrophalen Demokratieverständnis und einer Überheblichkeit der Macht, die ihresgleichen sucht.
Eine derartige Behandlung der alten Landesuniversität durch die Sächsische Staatsregierung und die Missachtung sowohl ihrer eigenen Zusagen als auch der Beschlüsse der Selbstverwaltung der Universität konnte ich als Rektor nicht mehr länger mittragen und bin deshalb heute von diesem Amt zurückgetreten.

Der Akademische Senat hat heute mit seinen Beschlüssen nochmals den Willen der Universität bekräftigt, an der vorliegenden Konzeption zur der Neugestaltung des Augustusplatzes festzuhalten, eine deutschlandweit einmalige Chance, einen inneruniversitären Campus für die Universität des 21. Jahrhundert zu gestalten. Ich wünsche meinem Nachfolger und der Alma mater Lipsiensis dabei Erfolg und Zuversicht.
Professor Dr. Volker Bigl
30. Januar 2003
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