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Gesunder Fisch vom Land

12.10.2006 - (idw) Technologie-Transfer-Zentrum Bremerhaven

ttz Bremerhaven koordiniert EU-Forschungsprojekt über innovative Ansätze für verschiedene Aquakultursysteme Europas:

Im September 2006 fiel in Wageningen/Niederlande der Startschuss für das Projekt "SustainAqua". In dem vom Umweltinstitut des ttz Bremerhaven initiierten EU-Projekt werden verschiedene Aquakulturtypen in Europa auf ihre Optimierungsmöglichkeiten überprüft. Oberstes Ziel ist es, den Fischfarmern in Europa bei dem globalen Wettbewerb unter die Arme zu greifen. Dabei werden hauptsächlich drei Ziele verfolgt: Die Züchtung verschiedener und auch neuer Fischsorten, die Vermarktung von Nebenprodukten der Aquakultur, wie z. B. Wasserpflanzen, und die technische Optimierung der Anlagen. Außerdem wollen die Projektpartner eine nachhaltige Produktion von gesundem Fisch unterstützen. Denn nachhaltige Produktionsbedingungen gehen Hand in Hand mit ausgezeichneter Qualität, gutem Geschmack und einem entscheidenden Beitrag zum Wasser-, Boden- und Klimaschutz.

Insgesamt 24 Partner aus zehn verschieden EU-Ländern werden innerhalb von drei Jahren zunächst anhand von Beispielstudien die neuen Ansätze auf ihre Praxistauglichkeit überprüfen. Die für die Praxis nützlichen Inhalte dienen im letzten Projektabschnitt zur Schulung von Fischverbänden und deren Mitgliedern. Die EU-Kommission bezuschusst die Forschungsarbeiten mit rund 2,5 Millionen Euro. Bremerhaven, Oktober 2006. "Fisch ist gesund" - dieses positive Image haftet zumindest dem auf hoher See gefangenen Fisch an. Bei kontrolliert gezüchtetem Fisch in den sogenannten Aquakulturen spüren wir zunehmend die Skepsis der Bevölkerung. Bei Kritikern ist oft die Rede von Monokulturen, in denen die Fische in Massen gehalten - ja sogar künstlich hochgezüchtet würden. Oft wird bezweifelt, dass am Ende gesunder, gut schmeckender Fisch dabei heraus kommt. Weitestgehend unbestritten ist, dass der Bedarf an Aquakulturen weltweit enorm zunimmt, da die Meere zu großen Teilen überfischt sind und trotzdem der Fischkonsum weiter steigt. Aquakulturen bieten eine Alternative zur Fischerei auf offener See. Man unterscheidet zwischen Frischwasser-Aquakulturen am Land und Salzwasser-Aquakulturen, die sich meist an den Küsten, aber auch zum Teil an Land befinden.

Das EU-Projekt

"SustainAqua" beschäftigt sich ausschließlich mit Frischwasser-Aquakultursystemen. "Das Projekt soll zeigen, wie die Fischfarmer in Europa wirtschaftlicher produzieren und gleichzeitig durch umweltfreundliche Produktion ihr Image verbessern können", so Ina Küddelsmann, Projektleiterin am ttz Bremerhaven und Koordinatorin des Forschungsvorhabens, "am Ende steht die Qualität des Produktes Fisch, das mit den vielen Wettbewerbern besonders aus Asien und Südamerika auf dem europäischen Markt konkurrieren muss", so Küddelsmann. Für Supermarktketten und Einzelhandel ist hohe Qualität zunehmend wichtig. Die Gründe sind vielfältig: Zum einen achtet der Verbraucher aufgrund von Lebensmittelskandalen verstärkt auf die Herkunft und Produktionsbedingungen von Nahrungsmitteln. Zum anderen steigt ständig die Anzahl der gesundheitsbewußten Käufer, die auf Geschmack und Qualität achten und bei denen der Lebensmittelpreis nicht einziges Kaufkriterium ist. Genau darin liegt die Chance der Aquakulturfarmer, die sich entsprechend auf die Bedürfnisse ihrer Kunden einstellen, bestimmte Qualitätskriterien erfüllen und mit ihren nachhaltigen Produktionsmethoden werben können.

Forschungsziele

Inhaltlich wollen die Partner von "SustainAqua" ihre Projektziele durch die Untersuchung von fünf Beispielstudien in den Ländern Polen, Ungarn, Dänemark, Niederlande und der Schweiz erreichen. Die Aquakultursysteme in diesen Ländern sind repräsentativ für die typischen intensiven und extensiven Farmsysteme* zur Zucht von Forelle, Karpfen, Wels, Aal oder Tilapia in den verschiedenen Regionen Europas.

Da intensive Kreislaufanlagen im Gegensatz zu extensiven Teichanlagen wesentlich technologielastiger sind, benötigen sie auch andere Ansätze in der Optimierung. Daher untersucht das Forschungsteam spezifische Lösungen für die jeweils typischen Farmsysteme.

Die Beispielstudien verfolgen verschiedene Teilziele. Ein zentrales Teilziel in allen Fallstudien ist die effektive Nutzung von Nährstoffen, die während der Fischproduktion zum Beispiel in Form von Ausscheidungsstoffen anfallen. Aus diesen soll im Forschungsprojekt mit unterschiedlichen Verfahren Biomasse produziert werden, die wiederum als Rohstoff für die Kosmetikindustrie, für die chemische Industrie, die Energieindustrie oder direkt für die Fischfutterproduktion eingesetzt werden kann. Letzteres ist eine interessante Alternative zum umstrittenen Fischmehl. Über die Biomasse wird dabei gleichzeitig das Abwasser kostengünstig gereinigt. Eine Verschmutzung der Flüsse und Seen wird so vermieden. Der Geschmack des Endproduktes Fisch spielt eine weitere Rolle im Projekt: Am ttz Bremerhaven werden verschiedene Fische geschmacklich miteinander verglichen. Für den Geschmack des Fisches sind insbesondere unterschiedliche Futtermittel und Haltungsbedingungen relevant. "Mit diesen Maßnahmen im Rahmen des Projektes wollen wir nicht nur die Fischfarmer unterstützen. Zusätzlich wollen wir aufzeigen, dass ein direkter Zusammenhang von Geschmacksvielfalt, hoher Qualität und nachhaltigen Zuchtbedingungen besteht, " erklärt Werner Mlodzianowski, Geschäftsführer des ttz Bremerhaven.

Wissenstransfer

Das Wissen, das während des Projektes entsteht, wird durch intensive Schulungsmaßnahmen und durch die Herstellung verschiedener Trainingsmaterialien zunächst an die zehn beteiligten Partnerfischverbände weitergegeben. Diese Verbände schulen dann in einem zweiten Schritt ihre Mitglieder.

Das Technologie-Transfer-Zentrum Bremerhaven versteht sich als innovativer Forschungsdienstleister und betreibt anwendungsbezogene Forschung und Entwicklung. Unter dem Dach des ttz Bremerhaven arbeitet ein internationales Team ausgewiesener Experten in den Bereichen Lebensmitteltechnologie und Bioverfahrenstechnik, Analytik sowie Wasser-, Energie- und Landschaftsmanagement.

*Intensive Aquakultur: Bei der Intensivhaltung werden die Wasserorganismen in sehr hohen Besatzdichten meist in künstlichen Tanks bei ausschließlich künstlicher Fütterung gehalten. Es sind umfangreiche technische Voraussetzungen notwendig, um eine geeignete Wasserqualität, Reinigung des Abwassers, Fütterung, Sauerstoffversorgung und Besatzdichte zu erreichen. Die Investitions- und Produktionskosten, aber auch die Menge der produzierten Fische sind relativ hoch.

*Extensive Aquakultur: Bei der extensiven Aquakultur ist die Besatzdichte der Wasserorganismen relativ gering. Zugefüttert wird nur bei Bedarf. Technische Maßnahmen mit hohen Investitionskosten entfallen. Die Kosten und die Erträge sind wesentlich geringer als bei der intensiven Aquakultur. Eine typische Form der extensiven Aquakultur ist die Teichwirtschaft.


Kontakt:
Anke Janssen,
ttz Bremerhaven, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit,
Tel. 0471 / 4832-121/-124,
Email: ajanssen@ttz-bremerhaven.de
Weitere Informationen: http://www.ttz-bremerhaven.de
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