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Graduiertenkolleg "Kulturkontakt und Wissenschaftsdiskurs"

13.10.2006 - (idw) Universität Rostock

Am 19. Oktober findet um 18 Uhr in der Aula der Universität Rostock die feierliche Eröffnung des Graduiertenkollegs "Kulturkontakt und Wissenschaftsdiskurs" statt. Den Festvortrag hält Prof. Dr. Andrea Pagni von der Universität Erlangen über das Thema "Transatlantische Übersetzungen: Wissen und Wissenschaften auf Reisen".
Im Wintersemester 2006/2007 wird es jeweils mittwochs um 19 Uhr im Hörsaal 218 (Hauptgebäude) eine öffentliche Ringvorlesung zum Thema des ersten Studiensemesters, "Kulturkontakt, Wissenschaftsdiskurs und Raumstrukturen" geben, zu der auch die außer-universitäre Öffentlichkeit herzlich eingeladen ist. Die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Doktorandenschule, die offiziell am 1. Oktober 2006 ihre Arbeit aufnahm, versammelt ungefähr 25 DoktorandInnen und Post-Docs aus ganz Deutschland - 14 von ihnen durch Stipendien der DFG gefördert -, um gemeinsam auf höchstem wissenschaftlichen Niveau und fächerübergreifend über das Zusammenspiel von Kulturkontakten und dem sich wandelnden wissenschaftlichen Nachdenken über fremde Kulturen zu forschen. Initiiert wurde dieses Forschungsprojekt von zwölf WissenschaftlerInnen aus drei Fakultäten der Universität Rostock (Philosophische, Theologische und Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät) und der Hochschule für Musik und Theater. Die vertretenen Fächer sind Klassische Archäologie, Kirchengeschichte, germanistische Mediävistik, Europäische Ethnologie, Nordamerikastudien, Politikwissenschaft, Britische Kulturwissenschaft, Musikwissenschaft, Geschichtswissenschaft und Religionswissenschaft.
Wie die Sprecherin des Graduiertenkollegs, Frau Prof. Dr. Gesa Mackenthun (Institut für Anglistik/Amerikanistik), erklärt, lohnt sich gerade unter dem Vorzeichen von Globalisierung und weltweiten Migrationsbewegungen ein Rückblick auf den historischen Verlauf von kulturellen Begegnungen. Im Rahmen des Graduiertenkollegs wird es nun möglich sein, der visuellen Vermittlung zwischen der griechisch-römischen und der vorderasiatisch-orientalischen Welt genauso nachzuspüren wie den synkretistischen Formen des Zusammenlebens von Muslimen, Christen und Juden zur Zeit der Kreuzzüge; die Vermittlung zwischen Schriftkultur und einer komplexen Sprache der Körperzeichen in der mittelalterlichen Literatur wird genauso Thema von Ringvorlesungen und Doktorandenseminaren sein wie die Erfahrung und die narrative Bewältigung von Auswanderung, Flucht und Migration in globaler Perspektive (einschließlich der Auswanderung aus Mecklenburg in die USA im 19. Jahrhundert). Speziell geladene Gastwissenschaftler werden das vor Ort vorhandene Wissen über Prozesse kultureller Übersetzung und Wissenstransfer (z.B. zwischen Europa und Lateinamerika) ergänzen und im Rahmen des Doktorandenkolloquiums über die medialen Folgen der Dekolonisierung und die Entstehung ethnischer Literaturen und Zeitschriften in Großbritannien sprechen. Eine immer größere Relevanz erhält weltweit das Phänomen des religiösen Wandels und der Spannungen zwischen verschiedenen Glaubenskulturen, insbesondere in der Dritten Welt: ein Thema, das gleichfalls im Rostocker Kolleg vertreten ist. Über das intensive Studium partikularer Situationen von Kulturkontakt hinaus wird auch immer wieder die Frage ins Zentrum rücken, wem das Studium fremder Kulturen jeweils nützt und unter welchen wissenschaftlichen und wissenschaftsfremden Bedingungen sich die Kriterien und die Methoden zur Erforschung fremder Kulturen im Laufe der Jahrhunderte verändert haben.
Die Erteilung des GK durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft kommt gerade zur rechten Zeit, nämlich in einer Situation, in der die bildungspolitische Umgestaltung in M-V die Gefahr mit sich bringt, dass die Geisteswissenschaften auf die bloße Lehrerausbildung reduziert werden. Das Graduiertenkolleg wird nun auch einen wichtigen Synergieeffekt bei der Ausgestaltung neuer kulturwissenschaftlicher Masterprogramme leisten können, um einmal mehr unter Beweis zu stellen, dass auch an der Warnow exzellente und bundesweit konkurrenzfähige geisteswissenschaftliche Forschung betrieben werden kann.

Das Graduiertenkolleg ist zunächst für die Dauer von viereinhalb Jahren bewilligt; bei erfolgreichem Verlauf ist eine Verlängerung um weitere viereinhalb Jahre möglich.

Ansprechpartner:

Prof. Dr. Klaus Hock (Theologische Fakultät): klaus.hock@uni-rostock.de
fon: 0381 - 498-8440 (-8401); home: 0381 - 801 61 36

Andrea Zittlau (Koordinatorin): andrea.zittlau@uni-rostock.de
Home: 0381 3141370; mobil: 0176 21911967
Website: http://www.uni-rostock.de/andere/grk1242

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