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Neues Promotionskolleg: Forschung an den Wurzeln des Extremismus

03.02.2003 - (idw) Technische Universität Chemnitz

18 Doktoranden forschen an der TU Chemnitz im neuen Promotionskolleg "Politischer Extremismus und Parteien".

Das Thema Extremismus sorgt immer wieder für Schlagzeilen. Von der rechten und der linken Seite des politischen Spektrums werden Beispiele dafür geliefert, dass Prinzipien wie Menschenrechte, Toleranz und politischer Pluralismus auch in einer Demokratie keineswegs unangefochten sind. Um dieses Thema wissenschaftlich tiefer zu ergründen, wurde im Fachgebiet Politikwissenschaft der Technischen Universität Chemnitz das Promotionskolleg "Politischer Extremismus und Parteien" eingerichtet. Bis zum 1. April 2003 gehören diesem Promotionskolleg, das von Prof. Dr. Eckhard Jesse betreut wird, insgesamt 18 Doktoranden an. Davon promovieren 16 in Chemnitz.

Im Mittelpunkt des von der Hanns-Seidel-Stiftung geförderten Forschungsprojektes soll die vergleichende Extremismusforschung stehen, in der die Rolle von Parteien besonders berücksichtigt wird. Wichtige Forschungsfelder sind dabei: Analyse und Vergleich extremistischer Parteien, das Verbot extremistischer Parteien und die Haltung demokratischer Parteien gegenüber dem Extremismus, die Hinwendung einzelner Politiker zum Extremismus und ihre Abkehr, "Grauzonen" des politischen Extremismus und extremistische Theoretiker sowie das Verhältnis von Extremismus und politischer Kultur. Eine besondere Rolle spielen Vergleiche zwischen rechten und linken Extremismen, in denen Parallelen und Unterschiede aufgezeigt werden sollen.

Neben 14 Politikwissenschaftlern gehören dem neuen Promotionskolleg "Politischer Extremismus und Parteien" auch Juristen, Historiker und Erziehungswissenschaftler an. Im Regelfall läuft die Förderung für zwei Jahre - sie kann in Ausnahmefällen allerdings um ein halbes Jahr verlängert werden. Der große Kreis der Doktoranden kommt zweimal im Jahr für drei Tage zusammen - darüber hinaus können sie die von Prof. Jesse betreuten Chemnitzer Magistranden-, Doktoranden- und Habilitandenkreise besuchen, die regelmäßig im Semester stattfinden. Ziel dieser Zusammenkünfte ist es, die eigene Studie zur Diskussion zu stellen.

Eckhard Jesse, der an der TU Chemnitz seit 1993 die Professur Politikwissenschaft II leitet, ist Herausgeber des seit 1989 erscheinenden Jahrbuches "Extremismus & Demokratie" und der Schriftenreihe "Extremismus & Demokratie", die seit 1992 verlegt wird. Seit 1990 führt er, gemeinsam mit seinem Dresdner Kollegen Uwe Backes, den Veldensteiner Kreis zur Geschichte und Gegenwart von Extremismus und Demokratie. Im Bereich Graduiertenförderung ist das Promotionskolleg "Politischer Extremismus und Parteien" das zweite seiner Art, das an der Chemnitzer Universität eingerichtet wurde.


Die 18 Nachwuchs-Forscher und deren Themen im Promotionskolleg "Politische Extremismus und Parteien":

- Michael Böhm: Kontinuität und Wandel im Denken von Alain de Benoist. Herausforderungen einer Rechtsideologie

- Alexander Dassen: Die PDS in Ostdeutschland. Erfolg und Niedergang einer Regionalpartei

- Lars-Lutz Flemming: Die Praxis der streitbaren Demokratie. Das Beispiel NPD: von der Gründung bis zum Verbot

- Verena Götzger: Extremismus-Perzeption und -Reaktion der Mitte. Wahrnehmung linken und rechten Extremismus durch demokratische Parteien und deren politisch-strategische Schlüsse

- Axel Große: Die Gegenkultur in der DDR und die SED. Die Interaktion zweier verfeindeter Gruppierungen

- Ralf Grünke: Zwischen Stigmatisierung, demokratischer Abgrenzung und Verharmlosung: Das Verhältnis etablierter Parteien zur Partei "Die Republikaner"

- Sophie Guggenberger: Plebiszit und Extremismus. Fördern oder schwächen die plebiszitären Elemente der Schweizer Demokratie Bestrebungen extremistischer Parteien und Gruppierungen?

- Henning Hansen: Die Sozialistische Reichspartei. Vom Scheitern eines frühen rechtsextremen Experiments

- Florian Hartleb: Rechts- und Linkspopulismus in der deutschen Parteienlandschaft. Am Beispiel von Schill-Partei und PDS

- Solveig Lude: Sozialdemokratische Konvertiten. Wilhelm Höcker, Carl Moltmann, Otto Buchwitz und Heinrich Hoffmann

- Anita Maaß: Politische Sozialisation und Wandel der politischen Kultur im Alltag der Weimarer Republik. Die Städte Meißen und Passau im Vergleich

- Stefan Mayer: Die Deutsche Volksunion. Politische Partei oder kommerzielles Netzwerk?

- Franziska Michalk: Der Umgang mit Links- und Rechtsextremismus in der Bundesrepublik Deutschland seit der Wiedervereinigung 1990. Gründe für den ungleichen Umgang

- Andreas Morgenstern: Radikale und extremistische Parteien seit der deutschen Einheit. PDS, REP, DKP, DVU im Vergleich´

- Tim Peters: Der Antifaschismus der PDS. Ursachen und Wirkungen

- Sebastian Prinz: Die programmatische Entwicklung der PDS bis zum Jahr 2003. Kontinuität oder Wandel?

- Olav Teichert: Die SEW. Eine kommunistische Partei in West-Berlin

- Kirstin Wappler: SED-Staat und Kirche. Grenzen der Indoktrination am Beispiel von Schulen im katholischen Eichsfeld und im protestantischen Erzgebirge

Weitere Informationen gibt Prof. Dr. Eckhard Jesse, Professor für Politikwissenschaft II der TU Chemnitz, unter Telefon (03 71) 531 39 24 oder per E-Mail eckhard.jesse@phil.tu-chemnitz.de .

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