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Geschlechtergerechte Studiengänge schaffen

19.10.2006 - (idw) Universität Dortmund

Studie erschienen: Gender-Aspekte bei der Einführung und Akkreditierung gestufter Studiengänge - eine Handreichung Statt Geschlechtergerechtigkeit an den Hochschulen Europas zu fördern, könnte der Bologna-Prozess zur Einführung gestufter (Bachelor-/Master-) Studiengänge das Gegenteil bewirken und zur Verfestigung ungleicher Geschlechterverhältnisse in Hochschule und Wissenschaft beitragen. Erste Zahlen deuten hierauf hin: Frauen beginnen nach Abschluss eines Bachelor-Studiums seltener als ihre männlichen Kommilitonen ein Master-Studium. Auch die Akkreditierungsinstitutionen bieten in Deutschland derzeit ein Bild, das in kaum zu überbietender Deutlichkeit die geringe Repräsentanz von Frauen in den höheren Ebenen der Wissenschaftslandschaft spiegelt: Dem Akkreditierungsrat als dem obersten Organ des Umstellungsprozesses gehören neben 15 Männern nur zwei Frauen an.
Hier setzt die vom Innovationsministerium des Landes NRW in Auftrag gegebene und von der Koordinationsstelle des Netzwerks Frauenforschung NRW bearbeitete Studie an. Gefragt wird: Welche Kriterien zeichnen geschlechtergerecht gestufte Studiengänge aus und wie sind Gender-Aspekte in die Entwicklung und Akkreditierung der neuen Studiengänge zu integrieren?
Auf der Grundlage einer Bestandsaufnahme und umfangreicher Befragungen der am Umstellungsprozess Beteiligten werden konkrete Handlungsempfehlungen zur Förderung der Geschlechtergerechtigkeit bei Entwicklung, Akkreditierung und Durchführung gestufter Studiengänge entwickelt.
So wird aus der Befragung der Akkreditierungsagenturen deutlich, dass die Vereinbarkeit von Familie und Studium durch die neuen verdichteten Studienstrukturen eher erschwert als erleichtert wird, obwohl mit dem Bologna-Prozess und der Modularisierung das Gegenteil erreicht werden sollte. Auch könnte sich die Empfehlung aus Kreisen der Akkreditierungsagenturen, Frauen könnten ja nach Abschluss eines BA-Studiums eine "Familienphase" einlegen, statt als "Frauenfreundlichkeit" leicht als "Frauenfalle" erweisen.
Die Studie erhebt nicht nur Forderungen, wie die nach der Beteiligung von Wissenschaftlerinnen und Gender-ExpertInnen im Akkreditierungsrat und -prozess, sondern liefert konkrete Handlungsempfehlungen. So sollen geschlechtergerechte Studiengänge für weibliche und männliche Studierende gleichermaßen attraktiv und zugänglich sein, unterschiedliche Lebensbedingungen von Studierenden sowie spezifische Interessen und Lernformen weiblicher und männlicher Studierender berücksichtigen und gleiche Übergangsmöglichkeiten in MA-Studiengänge für Studenten und Studentinnen sichern.
Ihr besonderes hochschul- und wissenschaftspolitisches Gewicht erhält die Studie durch die Vorstellung fachspezifischer Curricula. Für 47 Fächer - von der Elektrotechnik, Romanistik, Theologie über die Medizin bis zur Kunstgeschichte - wird exemplarisch gezeigt, wie Inhalte der Frauen- und Geschlechterforschung in Studium und Lehre integriert und hierdurch gestufte Studiengänge geschlechtergerecht gestaltet werden können. Darüber hinaus benennt die Handreichung über 200 Gender-ExpertInnen aus diesen Fächern, die bereit sind, mit ihrer Expertise die Einführung gestufter Studiengänge fachlich zu begleiten.


Studie:
Becker, Ruth, Bettina Jansen-Schulz, Beate Kortendiek, Gudrun Schäfer (2006): Gender-Aspekte bei der Einführung und Akkreditierung gestufter Studiengänge - eine Handreichung. Studien Netzwerk Frauenforschung NRW Nr. 7. Dortmund (ISBN 3-936199-06-X).
Zu beziehen über: Netzwerk Frauenforschung NRW, Universität Dortmund, 44221 Dortmund, Tel. 0231-755-5142, FAX 0231-755-2447, kortendiek@netzwerk-frauenforschung.de

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