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Weiße Biotechnik - ökologische und ökonomische Chancen konsequenter nutzen

20.10.2006 - (idw) Umweltbundesamt (UBA)

Workshop von BMU und UBA am 18. Oktober 2006 in Berlin
Ashbya gossypii - mit diesem Pilz stellt die chemische Industrie schon lange das für den menschlichen Stoffwechsel wichtige Vitamin B2 (Riboflavin) her, und schont damit die Umwelt. Denn der Einsatz von Mikroorganismen - auch "Weiße Biotechnik" genannt - braucht weniger Energie, Ressourcen und Rohstoffe als herkömmliche Verfahren. Mit der neuen Technik lassen sich nicht nur Vitamine sondern auch Wasch-, Reinigungs- und Arzneimittel herstellen. Bei der "Weißen Biotechnik" setzen Mikroorganismen natürliche Rohstoffe schonend, ohne zusätzliche Chemikalien und mit wenig Energiebedarf in die gewünschten Endprodukte um. Die Unternehmen können so Kosten sparen. Doch das ökonomische und ökologische Potential der "Weißen Biotechnik" ist noch lange nicht ausgereizt. Welche Chancen die Technik für Umweltschutz und wirtschaftliche Innovationen bietet, diskutierten über 100 Fachleute aus Wirtschaft, Verwaltung und Wissenschaft am 18. Oktober 2006 in Berlin. Das Bundesumweltministerium (BMU) und das Umweltbundesamt (UBA) hatten zum Workshop eingeladen. "Wir machen uns dafür stark, dass der Marktanteil umweltschonender Biotechnik weiter wächst. Die Weiße Biotechnik kann dazu beitragen, natürliche Ressourcen zu schonen und das Klima zu schützen", sagte UBA-Präsident Prof. Dr. Andreas Troge bei der Eröffnung des Workshops. Mit Hilfe biotechnischer Verfahren lassen sich neben Vitaminen zahlreiche weitere Produkte wie Aminosäuren und Antibiotika herstellen. Weiße Biotechnik vermeidet nicht nur energieintensive und die Umwelt belastende klassische Produktionstechniken. Die neue Technik hilft auch, Schadstoffe zu beseitigen und dient dazu, Rohstoffe und Wertstoffe zurückzugewinnen. Die "weißen" Verfahren sind aber nicht per se umweltfreundlich: Sie verursachen ebenfalls Emissionen und Abfälle. Unternehmen sollten daher prüfen, ob ein biotechnischer Prozess Vorteile gegenüber klassischen Verfahren bringt.
Die Weiße Biotechnik bietet den Unternehmen viele Chancen: Neben dem geringeren Ressourcen- und Energieeinsatz ist eine weniger aufwändige Sicherheitstechnik erforderlich. Viele der neuen Verfahren laufen im wässrigen Milieu ab, bei geringem Druck, in geschlossenen Systemen und mit weniger schädlichen Chemikalien. Dadurch sinkt das Haftungsrisiko für Unternehmen. Viele Investoren scheuen dennoch die - teils erheblichen - Startinvestitionen, um auf biotechnische Verfahren umzusteigen. Mittelfristig können Unternehmen aber vom Umstieg profitieren: Laut einer Studie der Unternehmensberater McKinsey & Company (2003) lassen sich weltweit bis zum Jahr 2010 Kosten von insgesamt sechs bis zwölf Milliarden Euro pro Jahr durch diese Verfahren einsparen. Bis 2010 könnten so fast fünfzehn Prozent des Gesamtumsatzes bei chemischen Produkten auf die "weißen" Verfahren zurückgehen; im Jahre 2004 waren es nur drei Prozent.
Dessau, den 20.10.2006
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