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Schlaganfall-Behandlung per Videokonferenz kann Leben retten

25.10.2006 - (idw) Universitätsklinikum Heidelberg

Erstmals wurde im Rhein-Neckar-Raum unter telemedizinischer Anleitung der Neurologischen Universitätsklinik Heidelberg die Auflösung eines Blutgerinnsels im Gehirn vorgenommen Nach einem Schlaganfall zählt jede Minute; der Transport in die Fachklinik benötigt jedoch häufig kostbare Zeit. Deshalb kann eine rasche Behandlung im nächstgelegenen Krankenhaus Leben retten und vor Behinderung bewahren.

Erstmals ist es Ende August 2006 im Rhein-Neckar-Raum gelungen, die Behandlung eines Patienten nach Schlaganfall per Videokonferenz zu unterstützen: Unter Anleitung der Experten der Neurologischen Universitätsklinik Heidelberg führten die Ärzte des 45 Kilometer entfernten Kreiskrankenhaus Mosbach die Therapie erfolgreich durch.

"Die telemedizinische Mitbetreuung von Patienten, die in größerer Entfernung von Heidelberg einen Schlaganfall erleiden und nicht rechtzeitig in die Kopfklinik kommen können, ist eine große Chance für die Bevölkerung im Rhein-Neckar-Kreis", erklärt Professor Dr. Werner Hacke, Ärztlicher Direktor der Neurologischen Universitätsklinik Heidelberg. Inzwischen wurden zwei weitere Patienten mit Schlaganfall in den Kreiskrankenhäusern Mosbach und Sinsheim ohne Komplikationen behandelt.

Thrombolyse unter Fernanleitung heilte die Halbseitenlähmung

Die einzige derzeit zugelassene Therapie bei akutem Schlaganfall ist die Thrombolyse: Ein Enzym wird innerhalb von drei Stunden nach Symptombeginn injiziert und löst das gefäßverstopfende Gerinnsel im Gehirn auf. Doch nur erfahrene Spezialisten können das Blutungsrisiko bei dieser Behandlung richtig einschätzen und überwachen. Aufgrund dieser Einschränkung können noch immer viele Patienten außerhalb spezialisierter Zentren nicht von dieser wichtigen Therapie profitieren.

Der erste telemedizinische Thrombolyse-Patient, ein 75jähriger Mann, hatte bereits zwei Stunden vor seinem Eintreffen im Kreiskrankenhaus Mosbach eine vollständige Halbseitenlähmung erlitten. Da die Thrombolyse nur bis drei Stunden nach dem Schlaganfall anwendbar ist, war es für einen Weitertransport nach Heidelberg zu spät. Daher werteten die Neurologen des Universitätsklinikums online die Computertomographie-Bilder des Patienten gemeinsam mit ihren Mosbacher Kollegen aus und unterstützten diese per Live-Schaltung bei der Therapie mit dem Thrombolyse-Mittel: Der Patient erholte sich vollständig und konnte das Krankenhaus bereits nach wenigen Tagen symptomfrei wieder verlassen.

Telemedizinische Kooperation mit Kreiskrankenhäusern Sinsheim, Mosbach und Eberbach

Die Schlaganfall-Therapie auf Distanz ist Bestandteil einer telemedizinischen Kooperation der Neurologischen Universitätsklinik Heidelberg mit den Kreiskrankenhäusern Sinsheim, Mosbach und Eberbach, die im Rahmen des Teleradiologieprojektes Rhein-Neckar-Dreieck vom Sozialministerium Baden-Württemberg gefördert wird.

Der Konsildienst ermöglicht Live-Videokonferenzen mit hochauflösender Bild- und Tonqualität ebenso wie eine Online-Befundung der vor Ort bei den Patienten durchgeführten Computertomographien. Bisher wurden bereits über 60 Fern-Diagnosen neurologischer Erkrankungen durchgeführt. Die Neurologische Universitätsklinik hat den teleneurologischen Konsildienst seit Februar 2006 mit zunächst drei internistischen Partnerhäusern aufgebaut. Eine Ausweitung der Kooperation auf weitere Partnerkrankenhäuser ist geplant.

Ansprechpartner:
Dr. med. Christoph Lichy
Neurologische Universitätsklinik
Im Neuenheimer Feld 400
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 75 04

Email: christoph_lichy@med.uni-heidelberg.de

Bei Rückfragen von Journalisten:
Dr. Annette Tuffs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Universitätsklinikums Heidelberg
und der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 45 36
Fax: 06221 / 56 45 44
E-Mail: Annette_Tuffs@med.uni-heidelberg.de

Diese Pressemitteilung ist auch online verfügbar unter
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/presse

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