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DFG unterstützt die Rückführung von deutschen Kulturgütern aus Moskau

04.02.2003 - (idw) Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

Ein großer Bestand historischer Zeitungen kehrt jetzt mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) nach Berlin zurück. Die Staatsbibliothek zu Berlin erwartet in den nächsten Tagen mehr als 80 000 Zeitungen aus der Russischen Staatsbibliothek in Moskau. Sie waren während des Zweiten Weltkrieges in Deutschland erbeutet und nach Russland verlagert worden. Die Bundesregierung verhandelt seit Jahren mit Russland über die Rückführung kriegsbedingt verbrachter Kulturgüter.

Erst kürzlich konnten mittelalterliche Fenster der Marienkirche, die in der Eremitage von St. Petersburg eingelagert waren, an ihren angestammten Platz nach Frankfurt/Oder zurückkehren. Mit der Rückgabe der Zeitungsbestände ist ein weiterer Erfolg bei der Rückführung kriegsbedingt verbrachten Kulturgutes zu verzeichnen, denn es gelangen damit wichtige deutsche Zeitungsarchivalien in ihre ursprünglichen Bibliotheken zurück und werden dort in Kürze der historischen Forschung wieder zur Verfügung stehen.

Die Rückführung hat hohe kultur- und wissenschaftspolitische Bedeutung. Sie ist Ausdruck und Zeichen für die ebenso intensive wie konstruktive Zusammenarbeit zwischen der Russischen Staatsbibliothek und der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Es ist zu hoffen, dass diese erfolgreiche Kooperation den Bemühungen um die Rückgewinnung im Ausland verstreuter Kulturgüter neue Impulse geben wird.

Bei den vier Tonnen Zeitungsarchivalien handelt es sich im Wesentlichen um Zeitungen des 19. und 20. Jahrhunderts: mehr als 700 Zeitungstitel mit kompletten oder teilweise kompletten
Jahrgängen. Unter den vorwiegend deutschen, aber auch ausländischen Zeitungsorganen befinden sich beispielsweise die "Czernowitzer Allgemeine Zeitung", der "Hamburgische Correspondent", die "Leipziger Volkszeitung", die "Rigasche Rundschau", aber auch das "Journal de Tehran" und die "Neue Freie Presse". Diese Zeitungen lagerten seit Kriegsende in der Russischen Staatsbibliothek in Moskau, heute Zentralbibliothek aller Nationalbibliotheken der Russischen Föderation, vormals Lenin-Bibliothek.

Als zentrale Empfängerbibliothek in der Bundesrepublik Deutschland fungiert nun die Staatsbibliothek zu Berlin. Sie verfügt über eine bedeutende Zeitungsabteilung und betreut das durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft geförderte Sondersammelgebiet "Ausländische Zeitungen". Sie wird nun im Einzelnen die Herkunft der historischen Zeitungen ermitteln. Anschließend können diese ihren ursprünglichen Besitzerbibliotheken wieder übergeben und in deren Bestände integriert werden. Danach werden sie als Zeitzeugnis und historische Quelle der Forschung und Öffentlichkeit zugänglich sein.

Seit vielen Jahren unterhält die Gruppe "Literaturversorgungs- und Informationssysteme" der DFG intensive Arbeitskontakte zur Russischen Staatsbibliothek, insbesondere im Rahmen ihrer Programme Schriftentausch und Literaturspenden. Vor dem Hintergrund dieser Zusammenarbeit war es für die DFG eine Selbstverständlichkeit, die Rückführungsbemühungen der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien zu unterstützen.

Die künftige Restaurierung der historischen Zeitungen, etwa im Kampf gegen den Papierzerfall, und auch ihre dauerhafte Überlieferung, zum Beispiel durch Sicherheitsverfilmungen, können auf Antrag durch DFG-Programme unterstützt werden.

Informationen über die DFG-Programme im Bereich der Literaturversorgungs- und Informationssysteme sind im Internet unter http://www.dfg.de/forschungsfoerderung/wissenschaftliche_infrastruktur/lis/ abrufbar.


Ansprechpartner ist Dr. Jürgen Bunzel, Leiter der Gruppe Wissenschaftliche Literaturversorgungs- und Informationssysteme, DFG-Geschäftsstelle, Kennedyallee 40, 53175 Bonn, Tel.: 0228/885-2260, E-Mail: juergen.bunzel@dfg.de
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