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Zukunftsperspektiven des Ausbaus für Kindertagesbereuung und Vorschulen in Deutschland

01.11.2006 - (idw) Universität Hildesheim

Internationale Forschungskonferenz unternimmt einen europäischen Vergleich

Etwa 40 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus elf Ländern trafen sich Ende Oktober in Hildesheim. Sie kamen aus Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Irland, Österreich, der Schweiz, Spanien, Ungarn und den USA. Eingeladen hatte Dr. Kirsten Scheiwe, Professorin für Recht am Institut für Sozial- und Organisationspädagogik der Universität Hildesheim. "Ich bin der Volkswagen Stiftung sehr dankbar für die Finanzierung dieser internationalen Tagung mit Kolleginnen und Kollegen unterschiedlichster Disziplinen, aus den Rechts-, Sozial- und Politikwissenschaften", so Scheiwe. "Es gibt auf dem Gebiet der frühkindlichen Erziehung praktisch keine vergleichende europäische Forschung, die Entwicklungstendenzen, Pfadabhängigkeiten und Wendepunkte thematisiert und dabei auch die Bedeutung institutioneller Faktoren und rechtlicher Rahmenbedingungen einbezieht", betonte sie. Im Bereich der Kindertagesbetreuung und des Vorschulwesens sind die Unterschiede zwischen den europäischen Ländern sehr groß. In Belgien und Frankreich besuchten bereits in den 1920er Jahren mehr als 70 Prozent der Kinder die ganztägigen Vorschulen - heute sind es über 90 Prozent der über 2- oder 2 ? -Jährigen und fast 100 Prozent der 5-Jährigen. In Deutschland setzte die Expansion erst nach 1991 ein, als ein Rechtsanspruch auf einen (halbtägigen) Kindergartenplatz eingeführt wurde. Für unter 3-jährige Kinder bietet Dänemark Betreuung für 68 Prozent der Kinder an (Tagesmütter und Plätze in Tageseinrichtungen). Das Angebot von Plätzen in Tageseinrichtungen reicht dagegen in den Flächenstaaten der alten Bundesländer nur für 2,4 Prozent der Kinder aus. Ganztagsplätze für Kindergartenkinder ab 3 Jahren stehen in den alten Bundesländern nur für 23,6 Prozent der Kinder zur Verfügung. Während Eltern für den Kindergartenbesuch als Teil der öffentlichen Fürsorge und Jugendhilfe Gebühren zahlen müssen, ist der Vorschulbesuch gebührenfrei - etwa in Spanien, Italien, Frankreich, Belgien und Luxemburg, die diese Einrichtungen in das Erziehungswesen eingegliedert haben.

"Wir erleben in Deutschland oft, wie rechtliche Argumente als Hindernis einer Ausweitung der öffentlichen frühkindlichen Erziehung wirken - Streit über Gesetzgebungsbefugnisse des Bundes im Rahmen der Föderalismusdiskussion, über Finanzierungs- und Verwaltungszuständigkeiten oder über die Zuordnung zum Erziehungswesen oder der Jugendhilfe. Die Drohung mit dem Gang zum Bundesverfassungsgericht gehört zum Ritual der deutschen Politik", meint die Hildesheimer Rechtswissenschaftlerin Kirsten Scheiwe.

Die Diskussion wird weitergehen, denn die Mitgliedstaaten der Europäischen Union haben sich verpflichtet, bis zum Jahr 2010 für 33 Prozent der unter 3-Jährigen Plätze in Tagesbetreuung bereit zu stellen, so Scheiwes Prognose.

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