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Prähistorischer Rundbau auf dem Tell Halaf

10.11.2006 - (idw) Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Knapp 80 Jahre lang ruhten die archäologischen Untersuchungen an einem der bekanntesten Ruinenhügel Vorderasiens, dem Tell Halaf in Syrien. Doch jetzt gibt es eine gemeinsame Mission der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, der Staatlichen Museen zu Berlin, der Eberhard Karls Universität Tübingen und der Generaldirektion der Antiken und Museen Damaskus. Und siehe da: Neue Erkenntnisse lassen sich gewinnen. Halleschen Forschern gelang der Nachweis eines prähistorischen Rundbaus. Es war 1899, als der aus einer reichen Bankiersfamilie stammende deutsche Diplomat und Privatgelehrte Max Freiherr von Oppenheim erstmals Ausgrabungen auf dem Tell Halaf durchführte. Es folgten weitere in den Jahren 1911-13 und 1929, sie brachten eine Vielzahl bedeutender Bildwerke zutage, darunter drei als Säulen dienende Monumentalstatuen von Göttern. Diese Funde gehören dem frühen 1. Jahrtausend v. Chr. An, als der Ort zunächst ein aramäischer Fürstensitz unter dem Namen "Guzana" war und anschließend in das expandierende neuassyrische Reich integriert wurde.

Der Tell Halaf ist aber auch namengebender Fundort einer wichtigen prähistorischen Kultur Nordmesopotamiens (ca. 6000 - 5300 v. Chr.). Die frühen Grabungen erbrachten unter den eisenzeitlichen Schichten darüber hinaus auch Funde, die insgesamt einen Zeitraum vom späten 7. bis 5. Jahrtausend v. Chr. abdecken. Klare Baubefunde waren am Tell Halaf aus der prähistorischen Zeit allerdings kaum zu erzielen. "Die frühen Ausgräber hatten kaum Vergleichsmaterial", erklärt Dr. Jörg Becker vom Seminar für Orientalische Archäologie und Kunstgeschichte der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. "Es wurden zumeist nur Bauten aus der Eisenzeit erkannt, nicht die aus den älteren Perioden." Becker und seinen Kollegen gelang bei den jüngsten Ausgrabungen im vergangenen Sommer ein wichtiger Nachweis: In ihrem Grabungsbereich stießen sie auf Reste eines Rundbaus aus der Mitte des 6. Jahrtausends, also aus prähistorischer Zeit. "Jetzt lässt sich auf dem Tell Halaf so langsam die Entwicklung vom Dorf zur Stadt nachvollziehen", sagt Becker.

Siedlungschronologie und -struktur sowie die Rolle des Tell Halaf in der kulturhistorischen Entwicklung Vorderasiens stehen im Mittelpunkt der neuen Ausgrabungen, die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert und im kommenden Sommer fortgesetzt werden. Von dem Archäologenteam, unter der gemeinsamen Leitung von Dr. Lutz Martin (Berlin), PD Dr. Mirko Novák (Tübingen), Dr. Jörg Becker (Halle) und Abd al-Masih Bagdo (Hassake), konnten bereits in der ersten Kampagne wichtige Erkenntnisse zur Geschichte des Ortes und zur Bauabfolge der Monumentalbauten auf der Zitadelle gewonnen werden.

Zu den Neuentdeckungen gehören neben dem Rundbau zwei Räume eines bislang unbekannten größeren Gebäudes im Süden der Zitadelle und die partielle Untersuchung des Südflügels des assyrischen Gouverneurspalastes. Zudem wurden Teile des aramäischen Palastes ("Hilani") und des anschließenden, nach seinen Torhüterskulpturen so benannten "Skorpionentores" wieder freigelegt, die präzisere Beobachtungen zur Architektur erlauben.

Auch die Fundstücke von Max Freiherr von Oppenheim haben die Experten wieder im Blick. Ein Teil dieser Fundstücke war bis zum Zweiten Weltkrieg in einem eigens eingerichteten Tell Halaf-Museum in Berlin ausgestellt, welches jedoch 1943 einem Bombenangriff zum Opfer fiel. In einem groß angelegten Restaurierungsprojekt werden die Bildwerke gegenwärtig am Vorderasiatischen Museum der Staatlichen Museen zu Berlin wieder zusammengesetzt. Für die Finanzierung der Restaurierungsarbeiten konnten Stiftungen der Nachfahren Max von Oppenheims gewonnen werden, die Salomon Oppenheim-Stiftung und die Alfred von Oppenheim-Stiftung.


Ansprechpartner für weitere Informationen:
Dr. Jörg Becker
Seminar für Orientalische Archäologie und Kunstgeschichte
Tel.: 0345-55 24039
E-Mail: joerg.becker@orientarch.uni-halle.de

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