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Symposium der Lübecker Frauenklinik zur Reproduktionsmedizin und Stammzellforschung

20.11.2006 - (idw) Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UK S-H)

Neue Impulse in der Debatte um ein deutsches Fortpflanzungsmedizingesetz erwartet

Seit der Geburt von Louise Brown, dem ersten in vitro gezeugten Menschen, im Jahr 1978 hat die klinische Fertilitätsforschung große Erfolge verzeichnet. Damals war es dem britischen Gynäkologen Patrick Steptoe und dem Physiologen Robert G. Edwards nach jahrelanger Forschung an und mit Embryonen gelungen, Ei- und Samenzelle in vitro zur Befruchtung zu bringen und nach dem Embryotransfer eine intakte intrauterine Schwangerschaft zu erzielen. In-vitro-Fertilisation und Embryotransfer wurden zur Grundlage für die weitere Entwicklung diagnostischer und intervenierender Reproduktionsmedizin. Mehr als drei Millionen "Retorten-Babys" sind inzwischen auf der Welt. Vom 17. bis 18. November 2006 fand in Lübeck das Symposium "Reproduktionsmedizin in Klinik und Forschung: Der Status des Embryos" statt, bei dem das weite Spektrum der Reproduktionsmedizin in Diagnostik, Therapie und Forschung debattiert wird. Diese Veranstaltung steht in direkter Nachfolge zur diesjährigen Leopoldina-Jahreskonferenz in Dresden, auf der Fragen zu embryonalen Stammzellen und deren therapeutischen Möglichkeiten diskutiert wurden.

Den Eröffnungsvortrag hielt kein Geringerer als der Pionier der Kinderwunschbehandlung, der Engländer Robert G. Edwards aus Cambridge. Dessen herausragende Forschungen, die in der Geburt des weltweit ersten IVF-Kindes Louise Brown im Jahr 1978 gipfelten, ermöglichten die Entwicklung der modernen Reproduktionsmedizin, die heute weltweit betrieben wird. Edwards fasste in seinem einleitenden Referat die bisherige Entwicklung der menschlichen Reproduktionsmedizin zusammen und sprach über den aktuellen Stand der Forschung der menschlichen In-vitro-Fertilisation und Embryotransfer.

Das von der Frauenklinik Lübeck unter Leitung von Prof. Diedrich und seinem Oberarzt Dr. von Otte gemeinsam mit dem ehemaligen Direktor der Universitätsfrauenklinik München, Prof.Hepp, organisierte Symposium thematisierte neben aktuellen wissenschaftlichen Aspekten der Stammzellforschung und Reproduktionsmedizin auch ethische und rechtliche Aspekte dieser immer wieder kontrovers diskutierten Themen. Dass diese Themen immer wieder eines wissenschaftlichen Austauschs bedürfen, zeigt gerade die aktuell erneut angestoßene Debatte über embryonale Stammzellen, in der die Deutsche Forschungsgemeinschaft eine Änderung des deutschen Stammzellgesetzes von 2002 durch Aufhebung der so genannten Stichtagsregelung für die wissenschaftliche Verwendung von Stammzellkulturen forderte. Diese Forderung wurde von Bundesforschungsministerin Schavan bisher abgelehnt.

Die Gewinnung von menschlichen embryonalen Stammzellen und deren therapeutisches Potential sind immer wieder in der Diskussion, weil der Status des Embryos national und international unterschiedlich bewertet wird. Die verschiedenen Argumente und Perspektiven hat das Symposium in einer Diskussionsrunde über die Menschenwürde und den Lebensschutz des Embryos beleuchtet. Perspektiven eines zukünftigen Fortpflanzungsmedizingesetzes mit Blick auf die bioethische Diskussion in Europa brachten abschließend auch kontroverse Interpretationen des Deutschen Embryonenschutzgesetzes (ESchG) zur Sprache. Die Veranstalter erwarten von den Debatten dieses Symposiums wesentliche Impulse für die Debatten sowohl um ein neues Fortpflanzungsmedizin- als auch Stammzellgesetz für Deutschland. Daher waren auch Vertreter des Nationalen Ethikrates sowie der Enquetekommission des Deutschen Bundestags waren daher an den Diskussionen des Symposiums beteiligt.

Die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina, gegründet 1652, ist die älteste naturwissenschaftliche Akademie in Deutschland. Ihr gehören etwa 1.200 Mitglieder in aller Welt an. Zu den Aufgaben und Zielen dieses überregionalen Zusammenschlusses von Naturwissenschaftlern gehören interdisziplinäre Diskussionen durch öffentliche Symposien und die Verbreitung wissenschaftlicher Erkenntnisse. Sie berät die Öffentlichkeit und politisch Verantwortliche durch Stellungnahmen zu gesellschaftlich relevanten Themen und fördert junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Zu ihren Mitgliedern werden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus naturwissenschaftlichen und medizinischen Disziplinen sowie aus den Technik-, Kultur- und den empirischen Geistes-, Verhaltens- und Sozialwissenschaften gewählt, die sich durch bedeutende Leistungen ausgezeichnet haben. Unter den derzeit lebenden Nobelpreisträgern sind 34 Mitglieder der Leopoldina.


Für Rückfragen steht zur Verfügung:
Dr. Sören von Otte
Oberarzt, Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe
Campus Lübeck, Ratzeburger Allee 160, 23538 Lübeck
Tel 0451-500-2156, Fax 0451-500-2139, E-Mail svonotte@gmx.de

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