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Schmerzforschung: Vier von fünf Förderpreisen gehen nach Deutschland

27.11.2006 - (idw) Deutsche Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e.V. (DGSS)

Wie wirken sich Schmerzen auf die kognitive Leistungsfähigkeit aus? Welche Mechanismen stecken hinter dem sog. chronisch regionalen Schmerzsyndrom? Wie beeinflusst das Einfühlungsvermögen der Eltern den Schmerz bei Kindern? Diese und weitere Fragen stehen im Mittelpunkt der fünf mit dem EFIC-Grünenthal-Grant geförderten Forschungsvorhaben. Der Preis, der insgesamt mit 100.000 Euro dotiert ist, wurde jetzt zum dritten Mal durch die Europäische Schmerzgesellschaft EFIC (Deutsche Sektion ist die DGSS) verliehen. Stifterin des Preises ist die Grünenthal GmbH (Aachen). Mit dem Preis werden junge Forscher unter 40 Jahren für ihre Untersuchungen ausgezeichnet und erhalten so die Möglichkeit, weiter auf dem Gebiet Schmerz zu forschen. Vier der fünf Förderpreise gingen an deutsche Wissenschaftler. "Durch diese besondere Auszeichnung für die deutsche Schmerzforschung kommt endlich einmal zum Ausdruck, dass Deutschland in der Schmerzforschung einen absoluten Spitzenplatz in der Welt einnimmt", so Prof. Dr. Michael Zenz, Präsident der DGSS. 27. November 2006

EFIC-Grünenthal-Grant fördert europäische Schmerzforscher
Vier von fünf Preisen gehen nach Deutschland

Wie wirken sich Schmerzen auf die kognitive Leistungsfähigkeit aus? Welche Mechanismen stecken hinter dem sog. chronisch regionalen Schmerzsyndrom? Wie beeinflusst das Einfühlungsvermögen der Eltern den Schmerz bei Kindern? Diese und weitere Fragen stehen im Mittelpunkt der fünf mit dem EFIC-Grünenthal-Grant geförderten Forschungsvorhaben. Der Preis, der insgesamt mit 100.000 Euro dotiert ist, wurde jetzt zum dritten Mal durch die Europäische Schmerzgesellschaft EFIC (Deutsche Sektion ist die DGSS) verliehen. Stifterin des Preises ist die Grünenthal GmbH (Aachen). Mit dem Preis werden junge Forscher unter 40 Jahren für ihre Untersuchungen ausgezeichnet und erhalten so die Möglichkeit, weiter auf dem Gebiet Schmerz zu forschen. Vier der fünf Förderpreise gingen an deutsche Wissenschaftler. "Durch diese besondere Auszeichnung für die deutsche Schmerzforschung kommt endlich einmal zum Ausdruck, dass Deutschland in der Schmerzforschung einen absoluten Spitzenplatz in der Welt einnimmt", so Prof. Dr. Michael Zenz, Präsident der DGSS.

Die Projekte der Preisträger

Eine harmlose Verletzung kann Auslöser des chronisch regionalen Schmerzsyndroms sein, das mit Schwellungen, Schmerzen, sensorischen und motorischen Störungen der Extremität einhergeht. Ursache scheint nicht eine Störung in der Peripherie, sondern eine Reorganisation im Zentralnervensystem zu sein. So fand sich in den Studien eine Asymmetrie der Repräsentation der kranken und der nicht betroffenen Extremität in der jeweiligen Gehirnhälfte. Um dem weiter auf den Grund zu gehen, untersucht Dr. Phillip Krause (Universität München) das Zusammenspiel der motorischen Aktivität beider Hirnhälften.

Warum bei manchen Schmerzkrankheiten schon leichte Berührungen als heftig schmerzhaft empfunden werden, untersuchte Dr. Christian Maihöfner (Universität Erlangen-Nürnberg) mittels bildgebender Verfahren. Mit der funktionellen Kernspintomographie untersucht er jetzt Nerven-Netzwerke im Gehirn, die dafür verantwortlich sind, dass die sog. C-Fasern, die Schmerzreize übermitteln, überempfindlich reagieren. Außerdem erforscht er die Effekte der Aktivierung verschiedener C-Fasern auf kortikale Reorganisationsphänomene: Veränderungen des Körperabbilds im Gehirn spielen eine wichtige Rolle bei der Schmerzchronifizierung.

Dr. Ulrike Bingel (Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf) untersuchte die Auswirkungen chronischer Schmerzen auf die kognitive Leistungsfähigkeit. Erfahrungen aus dem klinischen Alltag zeigen, dass Schmerzen Aufmerksamkeit binden und somit kognitive Fähigkeiten negativ beeinflussen können. Wie das genau passiert, soll die funktionelle Kernspintomographie zeigen. Bingel will untersuchen, wie die Verarbeitung von Schmerzreizen mit der Verarbeitung visueller Reize konkurriert. Vielleicht lässt sich einmal durch Ablenkungstechniken die Schmerzempfindung herabsetzen.

Dr. Liesbet Goubert (Universität Gent, Belgien) wird erforschen, inwiefern die Anteilnahme der Eltern das Schmerzempfinden von Kindern beeinflusst. Sie hat ein Modell entwickelt, mit dem sie die Auswirkung der Empathie messen kann. Dabei wird die Reaktion von Eltern dokumentiert, in dem Moment, in dem sie die Schmerzen ihres Kindes miterleben bzw. sehen. Da Eltern meist ihre Kinder bei Untersuchungen und Operationen begleiten, ist das Wissen um solche Mechanismen für die bisher ziemlich vernachlässigte Kinderschmerztherapie von großer Bedeutung.

Mit genetischen Veränderungen eines bestimmten Ionenkanals in Nervenfasern befasst sich Prof. Dr. Carla Nau (Universität Erlangen-Nürnberg). Diese Veränderungen können stärkste Schmerzattacken zur Folge haben. Die Untersuchung des Zusammenhangs zwischen den Funktionsänderungen des Kanalproteins und den Funktionsänderungen der Nervenfasern der betroffenen Patienten kann wichtige Aufschlüsse über die Rolle des Proteins bei akuten und chronischen Schmerzen liefern und möglicherweise neue Therapiemöglichkeiten eröffnen.

Der EFIC-Grünenthal Grant wird jährlich an europäische Forscher unter 40 Jahren verliehen, die innovative Projekte in der Schmerzforschung betreiben. Dabei stehen klinische Fragestellungen im Mittelpunkt. Der Preis soll auch Projekte fördern, deren Verlauf noch nicht vollständig erforscht ist.


Ansprechpartner

http://www.e-g-g.info, DGSS-Pressestelle, Tel. 0234/32-26952, E-Mail: presse@dgss.org
Dr. Annette Fusenig, Grünenthal GmbH, 52099 Aachen, Tel. 0241/569-3345, E-Mail: annette.fusenig@grunenthal.com
Weitere Informationen: htp://www.e-g-g.info
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