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HoF: Ost-Hochschulen - Kerne des Innovationssystems, in der Lehre stark, als Orte der Kultur unverzichtbar

27.11.2006 - (idw) HoF Wittenberg - Institut für Hochschulforschung

Sollen sich die ostdeutschen Hochschulen zu Lehranstalten entwickeln? Sind selbsttragende Entwicklungen in den ostdeutschen Regionen ohne forschende Hochschulen denkbar? Das Institut für Hochschulforschung (HoF) geht in einer Untersuchung diesen Fragen nach. In Ostdeutschland leben 18% der gesamtdeutschen Bevölkerung und 20% aller Erwerbspersonen, doch nur 7,5% des privatwirtschaftlich finanzierten Forschungspersonals sind dort tätig. Im öffentlich finanzierten Wissenschaftsbereich (Hochschulen und außerunversitäre Forschung) dagegen entspricht der Anteil Ostdeutschlands am gesamtdeutschen wissenschaftlichen Personal mit 19% dem Bevölkerungs- und Erwerbstätigenanteil. Insgesamt verfügt Ostdeutschland über 12% des gesamten, also des öffentlich und privat beschäftigten Wissenschaftspersonals der Bundesrepublik. Diese Zahlen verdeutlichen den enormen Stellenwert, den die öffentlich finanzierte Forschung für das Innovationssystem in Ostdeutschland besitzt. Die Hochschulen stellen das wichtigste Element öffentlicher Stützung der regionalen Innovationsstrukturen dar: Anders als Förderprogramme sind sie auf Dauer und Nachhaltigkeit angelegt.

Im Zuge der Verhandlungen über den Hochschulpakt hatten sich die Debatten über die Rolle der Ost-Hochschulen ein wenig verengt: Sie wurden vor allem als Anbieter ungenutzter Studienkapazitäten betrachtet. Es ist zu begrüßen, dass in diesem Zusammenhang die Stärke der ostdeutschen Hochschulen in der Lehre besonders gewürdigt wird. Zugleich weist das Institut für Hochschulforschung (HoF) darauf hin, dass sich ihre Bedeutung darin nicht erschöpft: Nur Hochschulen, die das gesamte Leistungsspektrum - Lehre, Forschung, Wissenstransfer - bedienen, tragen zur Stabilisierung und Entwicklung ihrer Sitzregionen bei. Anderenfalls werden die Hochschulen ein Teil der Probleme Ostdeutschlands statt ein wesentliches Element der Problemlösung.

Das vielfach beklagte Abschneiden der ostdeutschen Hochschulen beim Exzellenz-Wettbewerb kann hier in die Irre führen: Die Wettbewerbsmodalitäten setzten institutionelle Größen, Kapazitäts- und Leistungskonzentrationen an einzelnen Orten voraus, die im Osten außer in Berlin und Dresden kaum gegeben sind. Kein Urteil gab der Wettbewerb über die Potenziale der Hochschulen ab, ihrer Rolle als zentraler Pfeiler des Innovationssystems gerecht zu werden.
Das Institut für Hochschulforschung (HoF) stellt zu Beginn des nächsten Jahres eine Studie zum Thema vor. Deren Grundthesen sind:
· Gute Hochschullehre benötigt solche akademischen Lehrer, die selber forschen und die Forschungsfronten kennen, die Probleme überregional und international einordnen können, um dadurch zu Problemlösungen beizutragen, die nicht provinziell sind.
· Konkrete Problemlösungen wiederum benötigen Vorlaufforschung, um auf unerwartete Fragestellungen reagieren zu können.
· Hochschulen sind in Ostdeutschland der zentrale Pfeiler des Innovationssystems. Sie sind zum einen Dienstleister für vorhandene Unternehmen und Institutionen, indem sie Absolventen, Forschungsleistungen, Weiterbildung usw. bereitstellen. Zum anderen haben sie eine Katalysatorenfunktion für die Ansiedlung von Unternehmen und Institutionen. Stichworte sind hier Outsourcing, Inanspruchnahme von Dienstleistungen, regionale Kaufkrafterhöhung, Steigerung der Standortattraktivität in sozialer und kultureller Hinsicht, Nukleus für weitere wissenschaftsnahe Einrichtungen usw.
· Innovative Lösungen sind nicht allein in der Gestaltung wirtschaftlicher und technologischer Prozesse vonnöten, sondern ebenso bei der Bewältigung der sozialen Herausforderungen: Abwanderung, Veralterung der Bevölkerung, schrumpfende Städte, unterkritische Größen erreichende Dörfer, Orientierungsprobleme, Fremdenfeindlichkeit, Popularitätsstärke rechtsextremer Parteien, generationsübergreifende Verfestigung prekärer Sozialmilieus usw. usf. All das erzeugt Forschungsnotwendigkeiten, die nur ausnahmsweise von außerhalb des Gebietes, in dem die zu bearbeitenden Probleme auftreten, bedient werden können. Daher werden auch im Bereich der Sozial- und Geisteswissenschaften kritische Massen an Forschungskapazitäten benötigt.

· Die Stärke der ostdeutschen Hochschulen sollte in der Verbindung ihrer Vorzüge in der Lehre und ihrer Forschungs- und Transferpotenziale bestehen. Dann kann es - zusammen mit den Hochschulpaktzahlungen - auch gelingen, eine dauerhafte Finanzierung sowohl der Lehr- als auch der Forschungskapazitäten sicherzustellen.
· Die wesentliche Voraussetzung dieser dauerhaften Finanzierung ist der Nachweis, dass die Hochschulen regionale Stabilitätsfaktoren sind - denn das vor allem überzeugt Ministerien und Abgeordnete in den ostdeutschen Ländern.

Kontakt: peer.pasternack@hof.uni-halle.de

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