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Prof. Rudolf Jaenisch erhält Max-Delbrück-Medaille

30.11.2006 - (idw) Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch

S p e r r f r i s t: Freitag, 1. Dezember 2006, 17.00 Uhr

Der Stammzellforscher Prof. Rudolf Jaenisch vom Whitehead Institute for Biomedical Research in Cambridge, USA, ist am 1. Dezember 2006 in Berlin mit der Max-Delbrück-Medaille ausgezeichnet worden. Damit werden seine Forschungen über "epigenetische" Mechanismen der Genregulation gewürdigt, die für die Entwicklung lebensnotwendig sind und wenn fehlgesteuert, zur Entstehung von Krankheiten führen. Die Forschungen sind vor allem in Hinblick auf die embryonale Stammzellforschung und das "therapeutische Klonen" von Bedeutung. In seinem Festvortrag über "Nuclear Cloning, Embryonic Stem Cells and Cell Therapy: Promise, Problems, Reality" (Klonen, Embryonale Stammzellen und Zelltherapie: Verheißungen, Probleme, Wirklichkeit) in Berlin-Buch ging er kurz auf die vor zwei Wochen von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) ausgesprochene Empfehlung ein, die Stichtagsregelung für die Stammzellforschung aufzuheben. Er bezeichnete sie als "sehr vernünftig". Als Forscher wünsche man sich, dass die Politiker sie läsen und sich bemühten, die Materie zu verstehen. Prof. Jaenisch, von der Ausbildung Mediziner, hat sich schon früh in seiner wissenschaftlichen Laufbahn für die Mechanismen interessiert, die die Entwicklung von Säugetieren steuern, hob die Entwicklungsbiologin Prof. Carmen Birchmeier vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch in ihrer Laudatio hervor. Er erforscht dabei vor allem die Vorgänge, die über die rein genetische Information, wie sie in der Erbsubstanz DNA enthalten ist, hinausgehen. Die Forschung spricht dabei von "epigenetischen" (griech. Vorsilbe epi = darüber hinaus) Mechanismen. Dazu gehören beispielsweise auch die Vorgänge in einem sich entwickelnden Embryo.

So haben embryonale Stammzellen das Potential, sich in jede gewünschte Körperzelle zu entwickeln. Ziel der Forschung ist die Gewinnung maßgeschneiderter embryonaler Stammzellen für die Therapie von Krankheiten, die bisher nicht oder nur unbefriedigend behandelt werden können. "Von diesem Ziel ist die Forschung allerdings noch sehr weit entfernt", sagte Prof. Jaenisch. "Wer sagt, die Anwendung stehe quasi vor der Tür, der ist voreilig".

Prof. Jaenisch und seine Mitarbeiter arbeiten unter anderem mit Stammzellen, die von menschlichen Embryonen stammen, die durch künstliche Befruchtung (in-vitro-Fertilisation) entstanden sind. Für eine Therapie sind sie nach seiner Aussage nicht geeignet, da sie von dem Immunsystem eines Empfängers abgestoßen würden. Deshalb versucht die Forschung über die Technik des Zellkerntransfers embryonale Stammzellen zu gewinnen, die das Immunsystem nicht attackiert. Dabei entkernen die Forscher eine Eizelle und fügen stattdessen den Zellkern einer Körperzelle ein, etwa einer Hautzelle. Die daraus in einer Petrischale entstandenen embryonalen Stammzellen, so ist die Vorstellung, werden dem Spender der Körperzellen zu therapeutischen Zwecken wieder zurückgegeben und von seinem Immunsystem nicht angegriffen.

Wird ein durch Zellkerntransfer entstandenes Konstrukt in den Uterus eines Tieres übertragen, entsteht ein geklontes Tier. Das erste Tier, das durch dieses "reproduktive Klonen" erzeugt wurde, war das Klonschaf Dolly. "Es hat sich gezeigt, dass die meisten Klone nicht überlebensfähig sind, oder Missbildungen haben", sagte Prof. Jaenisch. Er sprach sich deshalb erneut vehement gegen das Klonen von Menschen aus.

Prof. Jaenisch: "Ziel ist, künftig auf menschliche Eizellen verzichten zu können"
Zwar gelang es Prof. Jaenisch erstmals zu zeigen, dass mit therapeutischem Klonen ein Gendefekt in Mäusen korrigiert werden kann. Doch bevor an den Einsatz von therapeutischem Klonen beim Menschen ernsthaft gedacht werden kann, muss die Forschung noch eine Reihe von Fragen klären. Prof. Jaenisch und seine Mitarbeiter wollen verstehen, wie die Eizelle die in sie eingebrachten Körperzellen in embryonale Stammzellen umprogrammiert und was eine embryonale Stammzelle zu dem macht, was sie ist. "Es geht darum zu verstehen, wie es einer Eizelle gelingt, die Uhr zurückzudrehen, und Körperzellen so umzuprogrammieren, dass sie einen Schritt in ihrer Entwicklung zurückgehen. Andererseits wollen wir verstehen, wie sich aus diesen embryonalen Stammzellen wiederum verschiedene Körperzellen entwickeln." So wollen sie die Gene, die die Hauptregulatoren dieser Umprogrammierung sind, identifizieren. Derzeit konzentrieren sie ihre Forschung auf drei solcher Gene.

Das mit dieser Forschung verbundene ethische Dilemma sieht auch er. "Zweifellos wird beim Klonen potentielles menschliches Leben zerstört", sagte Prof. Jaenisch. "Aber wir benötigen menschliche Eizellen, um zu verstehen, wie diese Vorgänge gesteuert werden, um künftig auf den Einsatz menschlicher Eizellen verzichten zu können", betonte er. Das heißt, kennt man die Steuerungselemente und ihre Mechanismen, sollte es irgendwann in Zukunft möglich sein, jede beliebige Körperzelle zu einer embryonalen Stammzelle umzuprogrammieren und sie für therapeutische Zwecke zu nutzen, ohne dafür menschliche Eizellen einsetzen zu müssen.

Für seine Forschungen erhielt Prof. Jaenisch zahlreiche Auszeichnungen, darunter 1996 den Boehringer Mannheim Molecular Bioanalytics Prize, 2001 den ersten Peter Gruber Foundation Award in Genetics, und 2002 den Robert-Koch-Preis. Darüber hinaus ist er Mitglied der National Academy of Sciences und Fellow der American Academy of Arts and Sciences.

Rudolf Jaenisch wurde 1942 in Wölfelsgrund, Deutschland geboren. Er studierte in München Medizin und ging nach seiner Promotion 1967 an das Max-Planck-Institut für Biochemie, ebenfalls in München. Anschließend ging er für mehrere Jahre in die USA. Zunächst an die Princeton Universität, danach an das Krebsforschungsinstitut Fox Chase in Philadelphia und Ende 1972 als Assistenzprofessor an das Salk Institut in La Jolla. Dort entwickelte er die erste transgene Maus, mit der Erkrankungen des Menschen auf Gen-Ebene erforscht werden können. Inzwischen arbeitet die Biomedizin weltweit mit transgenen Mäusen. 1977 kehrte er nach Deutschland zurück und leitete die Abteilung für Tumorvirologie am Heinrich-Pette-Institut der Universität Hamburg. Seit 1984 forscht er am Whitehead Institut für Biologische Forschung in Cambridge (USA), dessen Gründungsmitglied er ist. Zugleich ist er Professor für Biologie am benachbarten Massachusetts Institute of Technology (MIT).

Die Max-Delbrück-Medaille wird seit 1992 jährlich an einen herausragenden Wissenschaftler im Rahmen der "Berlin Lectures on Molecular Medicine" vergeben, die das MDC mit anderen Berliner Forschungseinrichtungen und der Schering Forschungsgesellschaft veranstaltet. Der erste Preisträger war der spätere Medizinnobelpreisträger Prof. Blobel.

Träger der Max-Delbrück-Medaille

2006 Prof. Rudolf Jaenisch, Whitehead Institute und Massachusetts Institute of Technology
(MIT), Cambridge/USA
2005 Prof. Tom Rapoport, Harvard Medical School, Boston/USA
2004 Prof. Victor J. Dzau, Duke Universität, Durham (USA)
2003 Prof. Ronald D. G. McKay, National Institute of Neurological Disorders and Stroke
(NINDS), Bethesda, USA
2002 Prof. Roger Y. Tsien, Howard Hughes Medical Institute (HHMI) und University of
California, San Diego, La Jolla, USA
2001 Prof. Eric S. Lander, Whitehead Institute, Cambridge, USA
2000 Prof. Joan Argetsinger Steitz, Yale Universität, New Haven, USA)
1999 Prof. Paul Berg, Stanford Universität, USA (Chemienobelpreis 1980)
1998 Prof. Svante Pääbo, Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, Leipzig,
Deutschland
1997 Prof. Charles Weissmann, Universität Zürich, Schweiz
1996 Prof. Robert A. Weinberg, Whitehead Institute, Cambridge, USA
1995 Prof. Jean-Pierre Changeux, Pasteur-Institut, Paris, Frankreich
1994 Prof. Sydney Brenner, Universität Cambridge, Großbritannien (Medizinnobelpreis 2002)
1993 ausgefallen
1992 Prof. Günter Blobel, Rockefeller Universität von New York, USA (Medizinnobelpreis
1999)

Barbara Bachtler
Pressestelle
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch

Robert-Rössle-Straße 10
13125 Berlin
Tel.: +49 (0) 30 94 06 - 38 96
Fax: +49 (0) 30 94 06 - 38 33
e-mail: presse@mdc-berlin.de
http://www.mdc-berlin.de/ueber_das_mdc/presse/index.htm
Weitere Informationen: http://www.wi.mit.edu/research/faculty/jaenisch.html http://www.mdc-berlin.de/aktuelles/meetings/berlin_lectures.htm
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