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Die Gesänge des Psaltiki wiederbelebt

06.12.2006 - (idw) Hochschule Niederrhein - Niederrhein University of Applied Sciences

Krefelder Informatiker "entschlüsseln" byzantinische Notenschrift

Die rund 3000 Blätter, die Prof. Dr. Christoph Dalitz aus dem französischen Dorf Saint Laurent en Royans zugeschickt bekam, waren voll von merkwürdigen Zeichen, dem Arabischen nicht unähnlich. Absender war der Grieche Georgios K. Michalikis, Vorsitzender der Gesellschaft "Stoudion". Sie hat sich der Pflege und Belebung des byzantinischen geistlichen Gesangs verschrieben, der unter dem Namen "Psaltiki" im frühen 19. Jahrhundert in Konstantinopel, dem heutigen Istanbul, aufkam. Die merkwürdigen Zeichen, die Dalitz entschlüsseln und interpretieren sollte, waren die Notenschriften des Psaltiki verschiedener griechischer Komponisten. Dieser einstimmige lithurgische Gesang ist das ostkirchliche Gegenstück zum gregorianischen Gesang der römisch-katholischen Kirche.

An der Hochschule Niederrhein hatte Professor Dalitz bereits ein Programm entwickelt, um historische Lautenschriften in die Gegenwart zu übertragen. Für die Identifizierung und Codierung der rund 100 Zeichen des Psaltiki gewann er die Informatik-Studentin Christine Pranzas als Assistentin. "Die einzelnen Zeichen dieser Notation, die sogenannten 'Neumen', können wir jetzt identifizieren, gemäß ihrer Bedeutung zu Gruppen fassen und zur Weiterverarbeitung maschinenlesbar ausgeben", so der Wissenschaftler nach dreimonatiger Arbeit. Das von Pranzas und Dalitz entwickelte Programm kann soweit "trainiert" werden, dass es auch andere Bücher des Psaltiki übersetzt. Damit sind die Voraussetzungen geschaffen, um das Gesamtwerk Musikwissenschaftlern zugänglich zu machen. "Bestimmte Untersuchungen, zum Beispiel nach statistischen Regelmäßigkeiten in der Musik, werden durch unser Erkennungssystem überhaupt erst praktikabel", stellte Christoph Dalitz fest, der mit der Laute selbst aktiver Instrumentalist ist. Für Georgios Michalakis und seine Freunde von der Gesellschaft "Stoudion" kommt es indes erst einmal darauf an, dass sie die alte Musik durch Gesang wieder zu neuem Leben erwecken und einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machen. Die Kooperation mit den Wissenschaftlern der Hochschule Niederrhein war dafür eine große Hilfe.

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