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Berliner Wissenschaftskommission (BWK) empfiehlt die Errichtung eines Forums für transregionale Studien

13.12.2006 - (idw) TSB Technologiestiftung Innovationszentrum Berlin

Die Berliner Wissenschaftskommission hat sich in ihrer Sitzung am 15. November 2006 den Bericht und die Empfehlungen ihrer Arbeitsgruppe "Politik, Gesellschaft und Geschichte unter globalen Bedingungen" zu eigen gemacht. Sie empfiehlt die Einrichtung eines Forums für transregionale Studien in Berlin. Die Berliner Wissenschaftskommission wurde auf Initiative der Aktion "An morgen denken" eingesetzt und setzt sich aus namhaften Vertretern aus Wissenschaft und Wirtschaft zusammen. Sie soll mittelfristige Handlungsanleitungen für die Berliner Wissenschaftslandschaft erarbeiten, indem sie Arbeitsgebiete identifiziert, auf denen Berlin ein großes Potential besitzt.

Globale Bedingungen verstärken die Wechselwirkungen zwischen den Regionen der Welt auf immer mehr, auch unerwarteten, Gebieten. Sie vermehren die Erfahrung von Verschiedenheit. Sie schaffen damit neue Herausforderungen und neue Chancen für Politik und Wirtschaft, aber auch für die Wissenschaft. Die Wissenschaft hat die für solche Herausforderungen notwendige Fernkompetenz zu entwickeln. Dazu gehört die Fähigkeit zum angemessenen Umgang mit fernen Regionen, die die analytische Kraft der wissenschaftlichen Disziplinen mit dem Verständnis des historischen und kulturellen Hintergrunds dieser Regionen verbindet. Fernkompetenz entsteht in der Zusammenführung von disziplinärer und regionenspezifischer Kompetenz unter systematischer Einbeziehung von Wissenschaftlern und Erfahrungen aus den betrachteten Regionen.

Die Bedingungen hierfür sind in Berlin besonders gut: Die geistes- und sozialwissenschaftlichen Disziplinen sind kräftig ausgebaut und von hoher Qualität - neben den Literatur- und Kunstwissenschaften insbesondere Geschichts- und Politikwissenschaften. Multidisziplinäre Kompetenz zu fernen Regionen in Europa, Amerika und Asien ist in Berlin ungewöhnlich stark vertreten - so zu Lateinamerika, dem Vorderen Orient, den muslimisch geprägten Ländern und Teilen von Osteuropa und Ostasien. Die FU Berlin will die dort arbeitenden, einschlägig ausgewiesenen Wissenschaftler in einem Zentrum für Regionalstudien zusammenführen.

Was an der optimalen Wettbewerbsfähigkeit Berlins im Vergleich mit den besten ausländischen Standorten fehlt, ist die Institutionen und Disziplinen übergreifende Verknüpfung der Berliner Potentiale in einer Einrichtung. Die Fernkompetenz braucht einen verbindenden Ort, ein international sichtbares Profil, das sich nur über längere Zeit entwickeln kann und deshalb einen stabilen, institutionellen Kern voraussetzt, der von projektgebundenen Finanzierungsformen unabhängig ist. Die Berliner Wissenschaftskommission empfiehlt daher, im Interesse der Konsolidierung und Weiterentwicklung der in Berlin vorhandenen Stärken in den Geistes- und Sozialwissenschaften ein Forum für transregionale Studien einzurichten. Das Forum soll eine selbständige wissenschaftliche Einrichtung im gemeinsamen Interesse der Universitäten und Forschungsinstitute in Berlin werden, welche die vorhandenen Einzelansätze in Kooperation miteinander bringen und auf eine dauerhafte Grundlage stellen kann. Das Forum ersetzt also nicht die universitären Forschungsschwerpunkte in den Disziplinen und Regionalstudien, sondern ergänzt sie.

Das Forum soll Forschungen zu wichtigen Fragen von globaler Bedeutung, wie z.B. der Zukunft der Arbeit, der Konkurrenz unterschiedlicher Weltsichten und Lebensformen, der Entwicklung der wissensintensiven Gesellschaft im globalen Kontext, der Verfassung jenseits des Nationalstaates oder der Verflechtung der Künste der verschiedenen Kulturen in der Moderne durchführen.

Zur Umsetzung seiner Ziele soll das Forum längerfristige Forschungsprogramme unterstützen, in welchen Berliner Wissenschaftler mit Gästen aus 'westlichen' und aus verschiedenen 'nichtwestlichen' Ländern problemorientiert zusammenarbeiten. Stipendienprogramme für Nachwuchswissenschaftler sollen ebenso zum Instrumentarium des Instituts gehören, wie Forschungsaufenthalte für Berliner und auswärtige Professoren und gemeinsame Forschungsvorhaben mit den Berliner Universitäten und außeruniversitären Forschungseinrichtungen.

Die Zugänglichkeit von Fernkompetenz in möglichst breitem Umfang für die Politik ist in Berlin als Hauptstadt eines weltpolitisch aktiven Landes evident wichtig. Verantwortliche Politik ist informierte Politik. Das Forum soll Netzwerke von Wissen, Erfahrung und Vertrauen entwickeln, um Fernkompetenz zur Fundierung der Politikberatung im engeren Sinne anbieten zu können. Es soll öffentliche Veranstaltungen durchführen und ein "clearing house" einrichten, das Medien, Wirtschaft, staatliche Einrichtungen sowie Verbände und Politik beraten kann, wenn sie Experten mit spezifischer Fernkompetenz suchen.

Die Kommission empfiehlt, alsbald Gespräche zwischen den interessierten Universitäten und außeruniversitären Einrichtungen in Berlin über die zweckmäßigste Organisationsform des Forums in Gang zu setzen. Die Freie Universität ist gebeten worden, die Beteiligten zu Gesprächen über die Organisationsform einzuladen.


Ansprechpartnerin:
Stefanie Henschke
Geschäftsstelle der Berliner Wissenschaftskommission
c/o TSB Technologiestiftung Berlin
Fasanenstraße 85
10623 Berlin
Tel. 030/46 30 24 11; Fax: 030/46 30 24 44
E-Mail: henschke@wissenschaftskommission.de
Weitere Informationen: http://www.wissenschaftskommission.de
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