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Restaurierung mit Nebenwirkungen

13.12.2006 - (idw) Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen "Otto von Guericke" e.V. (AiF)

Eine Innovation gefördert durch das BMBF-Programm "Forschung an Fachhochschulen" Umfangreiche Restaurierungsmaßnahmen in einer alten Kirche, wie etwa die Konservierung eines kompletten Fensterbestandes, bedeuten einen Eingriff in eine Bausubstanz, die über viele Jahrhunderte ins Gleichgewicht gekommen ist. Nicht der einzelne Schaden, sondern die Sicherung und Stabilisierung des gesamten Bestandes stellen das zentrale Problem dar. Bei der Erhaltung von Kunst- und Kulturgut muss auch die Nutzung des Kirchenraumes berücksichtigt werden. Dazu zählen nicht nur Gottesdienste, sondern auch Ausstellungs- und Konzertangebote im historischen Raum. Mit Unterstützung der AiF haben Wissenschaftler der Fachhochschule (FH) Erfurt ein ganzheitliches, interdisziplinäres Untersuchungs-, Kartierungs- und Dokumentationssystem entwickelt. Es berücksichtigt alle wichtigen Faktoren wie Nutzungskonzept und Raumklima und deren Wechselwirkung bei der Restaurierung eines Kirchenraums und ist auch auf andere Objekte methodisch übertragbar. Kurzfristig können unmittelbare Folgekosten einer Restaurierungsmaßnahme besser abgeschätzt werden. Langfristig ergeben sich Kosteneinsparungen, wenn die Bestände durch umsichtiges Handeln langfristig gesichert werden und sich aufwändige Restaurierungsmaßnahmen erübrigen.

In der evangelischen Stadtkirche St. Johannes in Saalfeld (Thüringen) haben die Forscher Studien durchgeführt. Dort mussten 16 Fenster mit Glasmalereien von jeweils 13 Meter Höhe aus dem 16. und dem 19. Jahrhundert instand gesetzt werden. Nach umfangreichen Malstudien wurden die Fehlstellen in den Glasmalereien ergänzt sowie Teilbereiche rekonstruiert und neu gestaltet. Die eingebauten Schutzglasscheiben nach einem Patent der FH Erfurt konnten mit einer photokatalytischen Beschichtung als selbstreinigende Oberflächen weiterentwickelt werden. Bauphysikalische und raumklimatische Bedingungen wurden bei Planung und Durchführung der Restaurierungsarbeiten von Anfang an berücksichtigt. Grund für neu entstehende Schäden nach einer Restaurierung historischer Glasmalereien ist oft eine nicht oder nur mangelhaft vorgenommene Klimauntersuchung und die Weiterführung alter Heiz- und Lüftungsgewohnheiten trotz geänderter Bedingungen. Die Restaurierung der Kirchenfenster und der Einbau einer Schutzverglasung verlangen oft den Einbau einer geregelten Heizung und Lüftung oder die Neuregelung der vorhandenen unter Beachtung der Kondensationsmöglichkeit der Raumluft. In Saalfeld konnte die Kombination verschiedener Heizsysteme empfohlen werden.

Im Weimarer Residenzschloss sollen die Forschungsergebnisse im kommenden Jahr bei der Restaurierung der Dichterzimmer eingesetzt und erweitert werden. Ebenfalls ab 2007 ist am umfangreichen mittelalterlichen Glasmalereibestand der Divi Blasii Kirche Mühlhausen ein dreijähriges Untersuchungs- und Restaurierungsprojekt geplant, das auf den Erfahrungen in Saalfeld aufbauen wird.

Ansprechpartner: Kim Kappes, Thür. Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie,
Erfurt, E-Mail: kappesk@tlda.thueringen.de, Tel.: 0361 3781-333

Pressearbeit: Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen "Otto von
Guericke" (AiF), Silvia Niediek, E-Mail: presse@aif.de,
Tel.: 0221 37680-55, Internet: www.aif.de
Weitere Informationen: http://www.aif.de - Forschungsförderung
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