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Europäische Akademie zur Frage des assistierten Suizids

18.12.2006 - (idw) Europäische Akademie zur Erforschung von Folgen wissenschaftlich-technischer Entwicklungen Bad Neuenahr-Ahrweiler GmbH

Bad Neuenahr-Ahrweiler, 18.12.2006. - Die Frage nach einer Freigabe der Sterbehilfe und die unterschiedlichen rechtlichen Regelungen im europäischen Umfeld haben in den vergangenen Jahren häufig kontroverse Diskussionen ausgelöst. Das wohl brisanteste Thema in diesem Kontext, das Problem des ärztlich assistierten Suizids, wurde von Ethikern, Medizinern und Juristen bei einem Fachgespräch Anfang dieses Monats in der Europäischen Akademie zur Erforschung von Folgen wissenschaftlich-technischer Entwicklungen Bad Neuenahr-Ahrweiler GmbH diskutiert. Dr. med. Felix Thiele sprach über die Möglichkeit eines ärztlich assistierten Suizids im Zusammenhang mit psychischen Erkrankungen, insbesondere bei chronischen Depressionen. Ohne eine Vorentscheidung in dieser prekären Frage zu treffen, ging es hier zunächst um ein Abgrenzungsproblem: Wann kann die Entscheidung eines Menschen (noch) als autonom gelten? Eine Frage, die entscheidend mit dem Verständnis von elementaren Begriffen wie dem der Patientenautonomie und der Krankheit zusammenhängt. Seine abschließende These lautete: Depression hängt nicht notwendig mit einem moralisch relevanten Autonomieverlust zusammen.
Des Weiteren diskutierte Professor Dr. phil. Dieter Birnbacher, Lehrstuhl für Philosophie an der Universität in Düsseldorf, ethische Probleme ärztlicher Suizidassistenz vor dem Hintergrund der ärztlichen Standesethik. Er setzte sich kritisch mit der in Deutschland nahezu einhelligen Ablehnung ärztlicher Beihilfe zu lebensverkürzenden Maßnahmen auseinander.
Die komplexe und teilweise widersprüchliche Rechtslage in Deutschland erläuterte der Strafrechtler Professor Dr. phil. Dr. jur. Eric Hilgendorf. Die dadurch entstehende Unsicherheit bei den strafrechtlichen Bewertungen, so der Würzburger Jurist, führe in der Rechtsprechung umstrittener Fälle zu einem großen Einfluss individuell-moralischer Wertungen. Hier gäbe es Handlungsbedarf, etwa durch die Einführung eines Sterbehilfegesetzes.
Abschließend stellte der Rechtsmediziner Professor Dr. med. Christian Rittner aus seiner langjährigen Berufserfahrung zwei Fälle vor, in denen nahe Angehörige Schwerstbehinderte auf Verlangen getötet hatten, und sprach sich für eine Tolerierung ärztlicher Assistenz zur Lebensbeendigung bei schwersten, unheilbaren Leiden aus.
Neben der Klärung dieser komplexen Fragen wurde angeregt, die Ergebnisse der wissenschaftlichen Diskussion in die universitäre Lehre einzubinden. So ist vorgesehen, die Ergebnisse des Fachgespräches nicht nur für wissenschaftliche Publikationen, sondern zugleich für das Lehrangebot des Master-Studienganges "Medizinethik" zu verwenden. Er wird seit Sommer 2005 von der FernUniversität Hagen in Kooperation mit der Europäischen Akademie GmbH und der Johannes-Gutenberg-Universität angeboten http://www.medizinethik.eu.

Die Europäische Akademie zur Erforschung von Folgen wissenschaftlich-technischer Entwicklungen Bad Neuenahr-Ahrweiler gGmbH wurde 1996 vom Land Rheinland-Pfalz und dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. (DLR) gegründet. Direktor der Gesellschaft ist der Philosophieprofessor Dr. Dr. h.c. Carl Friedrich Gethmann. Wissenschaftlich-interdisziplinäre Arbeitsgruppen widmen sich der Erforschung und Beurteilung von Folgen wissenschaftlich-technischer Entwicklungen für das individuelle und soziale Leben des Menschen und seine natürliche Umwelt. In wissenschaftlicher Unabhängigkeit führt die Akademie einen Dialog mit Wirtschaft, Kultur, Politik und Gesellschaft. Damit will sie zu einem rationalen Umgang der Gesellschaft mit Folgen wissenschaftlich-technischer Entwicklungen beitragen.

Weitere Informationen erhalten Sie über die Homepage http://ww.ea-aw.de.
Weitere Informationen: http://ww.ea-aw.de http://www.medizinethik.eu
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