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Mobilität brandenburgischer Schüler gesucht

18.12.2006 - (idw) Universität Potsdam

Brandenburgische Schüler, egal ob künftige Studierende oder Lehrlinge, verfügen über eine große Flexibilität bezüglich ihrer Lebensgestaltung. Längst orientieren sie sich nicht mehr nur auf Städte in Brandenburg, in denen sie eine Ausbildung absolvieren und später auch beruflich Fuß fassen wollen. Das hat Katharina Mohring in ihrer Diplomarbeit zur Mobilitätsbereitschaft von Schülerinnen und Schülern im Land Brandenburg konkretisiert. Die angehende wissenschaftliche Mitarbeiterin im Uni-Institut für Geografie wollte genau wissen, wie es um die Bereitschaft der Jugendlichen steht, für eine Ausbildung oder spätere Berufstätigkeit den eigenen Wohnort zu verlassen. Dazu haben ihr 1049 Schüler im Alter von 17 bis 19 Jahren aus 15 Schulen und 13 brandenburgischen Orten in Fragebögen Rede und Antwort gestanden.
Vor allem Berlin und die alten Bundesländer üben demnach auf die jungen Leute eine große Anziehungskraft aus. Im Falle eines Studiums ist es auch das Ausland. Nur zehn Prozent der Befragten suchen einen Studienort in Wohnortnähe beziehungsweise in Brandenburg, 23 Prozent können sich ein Studium außerhalb Deutschlands vorstellen. Die meisten aber, 39 Prozent, zieht es nach Berlin, teilweise auch in die neuen Bundesländer, 28 Prozent dagegen in die alten. Nach den Ergebnissen der Untersuchung wird das Land Brandenburg vor allem mit seinen peripher gelegenen Universitätsstandorten Frankfurt (Oder) und Cottbus den Ansprüchen der Schüler nicht gerecht und unterliegt insbesondere dem Berliner Angebot der Universitäten. Kommt ein akademischer Abschluss im Herkunftsland in Frage, wird fast ausschließlich Potsdam in die engere Wahl genommen. Weniger negativ fallen die Urteile über die Fachhochschulsituation aus.
Mädchen und Jungen unterscheiden sich dabei bei ihren Studienortwünschen. Das weibliche Geschlecht ist laut Untersuchung eher bereit, Brandenburg zu verlassen. Die Mädchen und jungen Frauen besitzen eine weniger enge Wohnortbindung und schätzen ihre Bildungs- und Entwicklungschancen negativer ein als das männliche Geschlecht.
Im Vergleich zum Bundesdurchschnitt wollen die Jugendlichen generell etwas seltener studieren. Dennoch ist dieser Wunsch häufiger anzutreffen als jener nach einer Berufsausbildung. Zwischen Ausbildungslaufbahn und Mobilität gibt es laut Untersuchung einen Zusammenhang. Mohring hat herausgefunden, dass die Schüler mobilitätsbereiter sind, wenn sie ein Studium absolvieren wollen. Denn immerhin 17 Prozent der Befragten mit Berufsausbildungswunsch sind bereit, die Ausbildung in Brandenburg zu absolvieren. Aber auch die meisten der Berufsschüler in spe schauen über die Landesgrenzen hinaus nach für sie interessanten Offerten. Das gilt insbesondere für Schüler aus peripher gelegenen, strukturschwachen Regionen Brandenburgs. Sie lehnen zwar das eigene Bundesland nicht generell als Ausbildungsort ab, reagieren aber nachweisbar auf die vorhandenen schlechten sozioökonomischen Rahmenbedingungen. Fast 60 Prozent der einen Facharbeiterberuf ins Auge Fassenden glauben, keinen Ausbildungsplatz in der Nähe des Wohnortes zu finden.
Was sowohl künftige Berufsschüler als auch Studierende verbindet, ist die verhältnismäßig geringe Neigung, nach der Ausbildung in den ehemaligen Wohnort oder zumindest in Wohnortnähe zurückzukehren. Nur 51 Prozent der an der Studie Beteiligten wollen dies, 38 Prozent schließen darüber hinaus eine Rückkehr nach Brandenburg als zukünftigen Lebensort für sich aus. Als Hauptgründe nennen die Schüler mangelnde berufliche Entwicklungschancen, den Wunsch nach neuen Erfahrungen und nach Unabhängigkeit von den Eltern.
Die Geografin fordert angesichts des drohenden Bevölkerungsschwundes eine jugendorientierte Maßnahmenbündelung in der Arbeitsmarktpolitik und auch Netzwerke, durch die abgewanderte junge Menschen den Kontakt zum Heimatland behalten oder zurückgeholt werden können. Neben diesen Rückkehrprogrammen wird ebenfalls eine verstärkt auf Brandenburger Arbeitsmarktpotentiale ausgerichtete Ausbildungsberatung angemahnt.


Hinweis an die Redaktionen:
Für Fragen steht Ihnen Katharina Mohring im Institut für Geografie der Universität Potsdam unter Tel.: 0331/977-2985 oder unter E-Mail: kmohring@uni-potsdam.de zur Verfügung.

Diese Medieninformation ist auch unter http://www.uni-potsdam.de/pressmitt/pm227_06.htm im Internet abrufbar.

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