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Spendernieren altern vorzeitig

18.12.2006 - (idw) Universitätsklinikum Heidelberg

Neue Erklärung für Mechanismus der chronischen Transplantatabstoßung / Heidelberger Wissenschaftlerin und Kinderärztin mit Rudolf-Pichlmayr-Preis ausgezeichnet Wenn Spendernieren in den Jahren nach der Transplantation allmählich versagen, ist selten eine Abstoßung durch das Immunsystem dafür verantwortlich. Ein Grund dafür ist vielmehr die beschleunigte Alterung der fremden Niere, deren Funktion immer stärker nachlässt.

Privatdozentin Dr. Dr. Anette Melk, Heidelberger Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin, hat die Bedeutung dieses Alterungsprozesses für das Versagen von Spendernieren entdeckt und ist dafür von der Deutschen Transplantationsgesellschaft (DTG) mit dem Rudolf- Pichlmayr-Preis 2006 ausgezeichnet worden. Der mit 10.000 Euro dotierte Preis, der nach dem Pionier der Transplantationsmedizin in Deutschland benannt ist, würdigt hervorragende Leistungen auf diesem Gebiet und wurde im Oktober 2006 im Rahmen der Jahrestagung der DTG in München verliehen.

Die Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin Heidelberg (Ärztlicher Direktor: Professor Dr. Georg Hoffmann) verfügt über das deutschlandweit größte Kinder-Nierenzentrum (Leiter der Sektion: Professor Dr. Franz Schaefer): Seit 1970 wurden hier mehr als 430 Nierentransplantationen durchgeführt, rund 15 Transplantationen pro Jahr.

Mehr als 2.500 Menschen erhalten jedes Jahr in Deutschland eine Spenderniere, darunter ungefähr 100 Kinder. Bei ungefähr der Hälfte der Patienten versagt das transplantierte Organ innerhalb von zehn Jahren seinen Dienst. Verliert die Niere dabei ganz allmählich ihre Funktion, sprechen Mediziner von einer chronischen Transplantatnephropathie (Chronic Allograft Nephropathy, CAN). Im Erwachsenenalter ist die CAN die zweithäufigste Ursache für das Langzeittransplantatversagen, bei Kindern sogar die häufigste. Medikamente verhindern heute effektiv, dass das eigene Immunsystem das fremde Organ angreift - die Gründe für den vorzeitigen Funktionsverlust der Niere waren bislang unbekannt.

Produktion eines Alterungsmarkers beim Transplantatversagen erhöht

Die Heidelberger Wissenschaftlerin führt zwei Argumente für ihre neue Hypothese an: "Zellen von Nieren mit CAN haben Gemeinsamkeiten mit den Zellen älterer gesunder Nieren", so Dr. Melk aus der Sektion Pädiatrische Nephrologie der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin Heidelberg. Zudem hebt ein höheres Alter des Spenders - wenn die Zellen also bereits Alterserscheinungen zeigen - das Risiko für das Auftreten einer CAN. "Daher vermuteten wir, dass die Nierenzellen nach der Transplantation beschleunigt altern und das Transplantat dadurch seine Funktion verliert", erklärt Dr. Melk.

Die Wissenschaftlerin verglich Gewebe geschädigter Nieren mit Proben, die demselben Organ zum Zeitpunkt der Transplantation entnommen worden waren. Dabei stellte sie fest, dass in Zellen der CAN-Nieren große Mengen des Zellzyklusinhibitors p16 nachweisbar waren, der beim Alterungsprozess der Nieren eine Rolle spielt. Die Produktion des Proteins ging sogar noch über die Menge hinaus, die in gesunden Nierenzellen während des Alterungsprozesses gebildet wird. Bei transplantierten Nieren ohne CAN war der p16-Gehalt dagegen unauffällig.

Die Entdeckung bereitet den Weg für künftige Therapien: "Da wir nun einen möglichen Mechanismus kennen, ist es vorstellbar, die frühe Alterung der Spendernieren zu blockieren und damit die chronische Transplantatnephropathie zu verzögern oder sogar zu verhindern", so Dr. Melk. Immerhin überlebten transplantierte Nieren von Mäusen, die kein p16 bilden können, deutlich länger als von solchen mit p16.

Literatur:
Melk A, Schmidt BM, Vongwiwatana A, Rayner DC, Halloran PF. Increased expression of senescence-associated cell cycle inhibitor p16INK4a in deteriorating renal transplants and diseased native kidney. Am J Transplant. 2005 Jun;5(6):1375-82.

Melk A. Senescence of renal cells: molecular basis and clinical implications. Nephrol Dial Transplant. 2003 Dec;18(12):2474-8.

(Die Originalartikel können bei der Pressestelle des Universitätsklinikums
Heidelberg unter contact@med.uni-heidelberg.de angefordert werden)

Kontakt:
Privatdozentin Dr. Dr. Anette Melk

Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin Heidelberg
Sektion Pädiatrische Nephrologie der Abteilung Kinderheilkunde I
E-Mail: annette.melk@med.uni-heidelberg.de
Telefon: 06221 / 56 2302 (Sekretariat der Abteilung Kinderheilkunde I)

Bei Rückfragen von Journalisten:
Dr. Annette Tuffs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Universitätsklinikums Heidelberg
und der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 45 36
Fax: 06221 / 56 45 44
E-Mail: Annette_Tuffs@med.uni-heidelberg.de

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