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IAB-Studie zum Ausbildungsstellenmarkt: Das Problem ist größer als die Lehrstellenlücke

02.01.2007 - (idw) Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

Ende September 2006 waren laut Statistik der Bundesagentur für Arbeit (BA) bundesweit 49.500 Lehrstellenbewerber noch nicht vermittelt. Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge lag mit 576.500 zwar etwas höher als im Vorjahr (550.000). Dennoch war die Lehrstellenlücke, das heißt die Differenz aus den 49.500 als nicht vermittelt ausgewiesenen Bewerbern und den 15.500 unbesetzten Lehrstellen, mit 34.000 am Ende des Vermittlungsjahres 2006 größer als im Jahr zuvor (28.000). In einer neuen Studie weisen Arbeitsmarktforscher des zur BA gehörenden Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zudem darauf hin, dass die schwierige Lage am Ausbildungsstellenmarkt durch diese Zahlen nur unvollständig widergespiegelt werde. Nur jeder Zweite bei der BA registrierte Bewerber konnte in eine Lehrstelle vermittelt werden. Die andere Hälfte der Jugendlichen absolviert stattdessen eine schulische Nach- oder Weiterqualifizierung oder eine berufsvorbereitende Maßnahme, begann ein Arbeitsverhältnis statt einer Berufsausbildung oder war "anderweitig verblieben". Der alternative Verbleib der nicht vermittelten Bewerber sei nicht immer nur eine "second best"-Lösung, schreiben die Arbeitsmarktforscher in ihrer Studie. Bei einem Teil konkurriere die duale Ausbildung mit anderen Ausbildungsmöglichkeiten. Ausbildungsstellenbewerber mit höherer Schulbildung bewerben sich zum Teil parallel an einer Berufsfachschule oder um einen Studienplatz.

Eine plausible Abschätzung der Unterversorgung mit Lehrstellen ergibt sich der Studie zufolge aus folgender Rechnung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB): Würde man alle alternativ verbliebenen Bewerber, die - nach einer Erhebung 2005 - ihren Vermittlungswunsch aufrechterhielten (47.200), und diejenigen Jugendlichen, die nach intensiver, aber erfolgloser Suche mit mindestens 20 schriftlichen Bewerbungen eine Alternative fanden (63.000), zu den ausgewiesenen nicht vermittelten Bewerbern (49.500) hinzu addieren, bekäme man eine Gesamtzahl an nicht befriedigter Ausbildungsplatznachfrage von etwa 160.000. Insgesamt sei also das tatsächliche Lehrstellendefizit deutlich höher, als es die Ausbildungsplatzbilanz auf den ersten Blick nahe lege, so die Nürnberger Arbeitsmarktforscher.

Besonders besorgniserregend sei der hohe Anteil der Jugendlichen, die ohne Berufsausbildung bleiben werden. Dies hätte nicht nur negative Auswirkungen für den weiteren Berufsverlauf der Jugendlichen: Zusammen mit der demographischen Entwicklung würden sich die zunehmenden Bildungsdefizite mittelfristig auch auf den Arbeitsmarkt auswirken, geben die Arbeitsmarktforscher zu bedenken. Wenn nicht bereits jetzt Vorsorge getroffen werde, würden die absehbaren Engpässe bei den Fachkräften nur noch schwer auszugleichen sein. Die Arbeitmarktexperten des IAB sprechen sich für mehr geförderte Ausbildungsangebote und eine bessere schulische und sprachliche Vorbereitung der Jugendlichen aus.

Die IAB-Studie kann unter http://doku.iab.de/kurzber/2006/kb2806.pdf abgerufen werden.

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