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Heterogenität und Bildungserfolg

17.01.2007 - (idw) Universität Augsburg

Mit dem Ausbau ihres Zentralinstituts für didaktische Forschung und Lehre und dem Forschungsschwerpunkt "Heterogenität und Bildungserfolg" unterstreicht die Universität Augsburg ihre Lehrerbildungskompetenz.
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Das Zentralinstitut für didaktische Forschung und Lehre (ZDFL) der Universität Augsburg wird deutlich ausgebaut. Es geht mit neuer Leitung und verstärktem Team ins neue Jahr. Damit einher geht die Erweiterung der verstärkt am Leitthema "Heterogenität und Bildungserfolg" ausgerichteten Forschungsaktivitäten des Instituts. "Mit unserem Konzept untermauern wir den Anspruch der Universität Augsburg auf eine Vorreiterrolle auf dem Gebiet der Lehrerbildung", betont die Erziehungswissenschaftlerin Prof. Dr. Leonie Herwartz-Emden, die zum 1. Oktober 2006 das Amt der Geschäftsführenden Direktorin des Zentralinstituts übernommen hat. Als Stellvertreterinnen bzw. Stellvertreter stehen ihr in der Institutsleitung Prof. Dr. Karin Aschenbrücker (Didaktik der Arbeitslehre), Dr. Renate Motzer (Didaktik der Mathematik) und Prof. Dr. Andreas Hartinger (Grundschulpädagogik und -didaktik) zur Seite. Als neuer Mitarbeiter ist seit Beginn dieses Jahres Dr. Josef Strasser am Institut tätig und für die Forschungskoordination insbesondere im Kontext "Heterogenität und Bildungserfolg" zuständig. Strasser kommt vom Institut für Pädagogik der Universität Regensburg, wo er sich vorrangig mit Fragen des Kompetenzerwerbs in komplexen Domänen befasst hat. Ab Februar 2007 wird Harry Kullmann, der bisher an der Universität Duisburg-Essen im Graduiertenkolleg "Naturwissenschaftlicher Unterricht" arbeitete, als wissenschaftlicher Mitarbeiter das ZDFL-Team komplettieren. Der Ausbau des Zentralinstituts und die damit ermöglichte Erweiterung seiner Forschungsaktivitäten erfolgen auf der Basis einer entsprechenden Zielvereinbarung zwischen der Universität Augsburg und dem Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst. Mit dieser Zielvereinbarung reagieren Universität und Freistaat auf die Herausforderungen, mit denen die Lehrerbildung und das professionelle Handeln von Lehrern konfrontiert sind. Um angesichts der vielfältigen Veränderungen in Schule und Gesellschaft schulische Bildungsprozesse professionell zu fördern und als Voraussetzung hierfür die Grundlagen für adäquates Handeln in Schule und Unterricht zu erarbeiten, bedarf es umfassender didaktischer Forschung und Lehre. Differenzierte Forschung auf diesem Feld setzt systematische und zielgerichtete interdisziplinäre Kooperation voraus.

Interdisziplinäre Kooperation als Auftrag und Prinzip

Vor diesem Hintergrund war es von Beginn an Auftrag und vorrangiges Ziel des 32 Mitglieder aus fünf der sieben Augsburger Fakultäten zählenden Zentralinstituts, die Kooperation zwischen Fachdidaktiken, Fachwissenschaften, Pädagogik und Psychologie schwerpunktbezogen zu koordinieren, den Dialog zwischen den genannten Disziplinen zu fördern und zu intensivieren sowie gemeinsame Forschungsprojekte zu initiieren und zu bearbeiten. Die Entwicklung neuer Lehr-/Lernformen für Schule, Hochschule, Weiterbildung und andere Bildungseinrichtungen sowie die Umsetzung der aus interdisziplinärer Forschung resultierenden Ergebnisse in innovative Ansätze der didaktischen Lehre sind weitere Leitmotive.

Gesamtuniversitärer Profilfaktor

"Mit diesem umfassenden und integrativen Ansatz", so Rektor Prof. Dr. Wilfried Bottke, "ist es uns gelungen, der Universität Augsburg im Bereich der Aus- und Weiterbildung von Lehrerinnen und Lehrern bayernweit und darüber hinaus einen hervorragenden Namen zu machen und diesen Bereich zu einer der tragenden Säulen unseres gesamtuniversitären Profils zu entwickeln. Dementsprechend", so Bottke weiter, "unterstützten und unterstützen wir als Universitätsleitung nachhaltig auch die erfolgreichen Bemühungen des Instituts, seine Forschungsaktivitäten auszubauen und sie zugleich auf die konsequente Auseinandersetzung mit dem aktuellen und höchst relevanten Thema 'Heterogenität und Bildungserfolg' zu fokussieren."

Heterogenität als Herausforderung

Die vielfältigen Veränderungen, mit denen Lehrerinnen und Lehrer in ihrem beruflichen Alltag konfrontiert sind, lassen sich mit dem Stichwort "Heterogenität" umschreiben. Die Heterogenität der Schülerschaft nimmt zu. Kinder und Jugendliche aus verschiedenen ethnischen und kulturellen Kontexten, aus unterschiedlichen familiären Konstellationen, sozialen Schichten und Milieus sowie aus verschiedenen sprachlichen Milieus treffen in der Schule zusammen. Der tatsächliche Schulalltag gerät so in ein wachsendes Spannungsverhältnis zur gängigen Orientierung des Schulsystems an einer nicht mehr vorhandenen Homogenität. "Öffentliche Bildung in Deutschland", erläutert Herwartz-Emden, "ist nicht selten am 'Mittelmaß' der Schüler ausgerichtet." So werde die Herstellung möglichst homogener Lerngruppen angestrebt und das übergreifende Ziel einer kulturellen und sprachlichen Homogenisierung verfolgt. Tatsächlich jedoch setze sich die Schülerschaft aus Kindern und Jugendlichen mit individuell verschiedenen Stärken und Schwächen zusammen. "Dieser wachsenden Heterogenität kann man nicht mit 'Sortierungsmaßnahmen' begegnen", ist die ZDFL-Direktorin überzeugt. Um Bildungserfolg gewährleisten zu können, müsse man vielmehr der Heterogenität im Bildungssystem verstärkt Rechnung tragen. Die Fragestellungen und Forschungsziele, die das ZDFL-Leitthema impliziert, konkretisiert Herwartz-Emden so: "Wir müssen klären, in welchen Dimensionen sich Heterogenität beschreiben lässt, auf welchen Ebenen des Bildungssystems Heterogenität auszumachen ist und wie und wo der Umgang mit Heterogenität gestaltet wird. Aus einer derartigen Bestandsaufnahme werden die Konsequenzen für das professionelle Handeln von Lehrerinnen und Lehrern ersichtlich und dementsprechend können dann die erforderlichen Veränderungen im Kompetenzprofil der Lehrerinnen und Lehrer eruiert werden."

Reformorientierte Lehrerbildung und -weiterbildung

Neben der zentralen Auseinandersetzung mit "Heterogenität und Bildungserfolg" werden als Schwerpunkte des Zentralinstituts weiterhin die Bereiche "Reformorientierte Lehrerbildung", "Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses" sowie "Fort- und Weiterbildung von Lehrerinnen und Lehrern" bearbeitet werden. U. a. koordiniert und begleitet das Zentralinstitut für didaktische Forschung und Lehre die Realisierung der laufenden Reform sowohl der Lehrerbildung in der ersten und in der zweiten Phase als zunehmend auch der Lehrerfort- und Lehrerweiterbildung. Auf diesem Gebiet ist eine Reihe zu Themen wie "Sprachförderung", "Integration" oder "Umgang mit Heterogenität" geplant. Sie soll Lehrerinnen und Lehrer die Möglichkeit schaffen, ihre professionelle Kompetenz und ihre Handlungsmöglichkeiten angesichts der beschriebenen Herausforderungen zu erweitern.

Im Südbayerischen Lehrerbildungsverbund

"Unsere Arbeit auf dem Gebiet der reformorientierten Lehrerbildung konzentriert sich insbesondere auf die Implementierung und Evaluierung von Modellversuchen. Wir werden hier durch die Forcierung und Erweiterung unserer Aktivitäten eine federführende Rolle im Südbayerischen Lehrerbildungsverbund übernehmen", ist Herwartz-Emden sich sicher und verweist zugleich darauf, dass das ZDFL auch mit dem neu errichteten Kompetenzzentrum für Kultur- und Bildungswissenschaft der Universität Augsburg kooperieren wird.

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Institutshomepage: http://www.uni-augsburg.de/institute/ZdFL/
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Kontakt und weitere Informationen:

Dr. Josef Strasser
Universität Augsburg
Zentralinstitut für didaktische Forschung und Lehre
86135 Augsburg
Telefon 0821/598-5524
josef.strasser@phil.uni-augsburg.de

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