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Bundeswehr, Deutsche Bank und Siemens: Die ethnologische Wende der Bundesrepublik18.01.2007 - (idw) Kulturwissenschaftliches Institut
Ein öffentlicher Vortrag von Priv. Doz. Dr. Michael Jeismann (Frankfurt am Main/Universität Basel) am 22. Januar 2007 um 18.15 Uhr im Kulturwissenschaftlichen Institut, Essen.
Die Bundesrepublik erfährt seit wenigen Jahren eine rapide Revolution all ihrer Verhältnisse. Der Sozialstaat mit seinen Absicherungen, das Ziel allgemeiner Bildung und Chancengerechtigkeit oder der sogenannte Generationenvertrag - nichts gilt mehr als selbstverständlich, vieles sogar als unwiderruflich verloren. Zugleich nimmt die Bundesrepublik mit größter Selbstverständlichkeit Aufgaben in Angriff, die so gar nicht in die Tradition ihres einstigen politischen Selbstverständnisses passen: Deutsche Soldaten werden im Rahmen internationaler Auslandseinsätze in den Kongo, nach Afghanistan, Jugoslawien und jetzt sogar in die Gewässer vor Israel geschickt - undenkbar noch in der alten Republik. Im Innern ist man endlich zu der politischen Einsicht bereit, anzuerkennen, daß Deutschland ein Einwanderungsland ist. Die interkulturelle Vermittlung wird zu einem neuen Geschäftsfeld. So fundamental dieser Wandel ist, so sehr tut sich die Zeitgeschichte aus einsichtigen methodischen Gründen schwer, diesen Prozeß zu begleiten. Quellen, wenn auch nicht die staatspolitischen, gibt es aber durchaus, aus denen sich diese Revolution der Bundesrepublik ablesen oder hochrechnen ließe. Diese methodische Phantasie läßt sich am ehesten in der Fiktion, in der Dichtung entwickeln. Der Vortrag soll die Frage klären: Wie könnte der Roman dieser neuen deutschen Wirklichkeit beginnen? Kann Clio dichten, wenn sie muß?
Michael Jeismann, geboren 1958 in Münster, ist Privatdozent für Neuere Allgemeine Geschichte an der Universität Basel; Studium der Geschichte, Literatur und Philosophie, Promotion bei Reinhart Koselleck in Bielefeld, seit 1993 Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
Die Veranstaltung ist öffentlich. Weitere Informationen erhalten Sie unter www.kwi-nrw.de oder unter der Telefonnummer 0201/7204-213.
Weitere Informationen:
http://www.kwi-nrw.de
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