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Neue deutsche Literatur in den USA

13.02.2003 - (idw) VolkswagenStiftung

Paul Celan im Reisegepäck - deutsche Germanistinnen und Germanisten forschen und lehren als Fellows in den USA


Prof. Dr. Heinrich Detering, Universität Kiel Das deutsch-amerikanische Verhältnis fährt zwar derzeit Achterbahn, ruht aber auf festem Grund und ist meist von Verständnis und wechselseitiger Anerkennung geprägt. Basis der kulturellen Wertschätzung und Verständigung ist vor allem die Kenntnis und das gegenseitige Interesse an der jeweils anderen Literatur. So haben beispielsweise im 19. Jahrhundert die Transzendentalisten an der Ostküste der USA mit ihrer Begeisterung für die deutsche Klassik und den deutschen Idealismus tiefe Spuren in den Bildungsvorstellungen des noch jungen Staates hinterlassen. Umgekehrt lernten in der deutschen Nachkriegszeit in den 1950er Jahren hiesige Autoren die internationale literarische Moderne vor allem über deren amerikanische Vertreter kennen. Derzeit jedoch wird zeitgenössische Literatur aus Deutschland in den USA so gut wie nicht wahrgenommen.

Die kulturelle Verständigung zwischen beiden Nationen weiter zu festigen: Das ist die Idee hinter dem von der VolkswagenStiftung in den kommenden sechs Jahren mit insgesamt 113.000 Euro geförderten "Paul Celan-Fellowship - Deutsche Germanisten am Max Kade Center in St. Louis/USA". Der erste in das Vorhaben aufgenommene Wissenschaftler, Professor Dr. Heinrich Detering von der Universität Kiel, wird im März 2003 an der nordamerikanischen Hochschule zu Gast sein (siehe nachfolgenden Text).
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Kontakt: Prof. Dr. Heinrich Detering, Universität Kiel, Institut für Literaturwissenschaft, Telefon: 04 31/8 80 - 2324; -2327, E-Mail: hdetering@litwiss-ndl.uni-kiel.de
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Insgesamt soll das Paul Celan Fellowship drei Mal öffentlich ausgeschrieben werden. Kooperationspartner auf deutscher Seite ist das Deutsche Literaturarchiv Marbach, Organisator auf amerikanischer Seite Professor Dr. Paul Michael Lützeler vom Department of Germanic Languages and Literatures, The Max Kade Center for Contemporary German Literature der Washington University St. Louis, Missouri.
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Kontakt: Prof. Dr. Paul Michael Lützeler, Washington University, The Max Kade Center for Contemporary German Literature, Telefon: +1 (314) 93 5 - 4784, E-Mail: jahrbuch@artsci.wustl.edu
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Ziel des Fellowships ist die Intensivierung der Kontakte zwischen deutschen und amerikanischen Germanisten, fokussiert auf die deutschsprachige Gegenwartsliteratur. Im Zwei-Jahres-Rhythmus wird eine deutsche Germanistikprofessorin oder ein Germanistikprofessor für einen Monat an das Max Kade Center for Contemporary German Literature an der Washington University in St. Louis gehen, dort eigene Forschungsarbeiten vorantreiben, gleichzeitig am akademischen Leben teilnehmen und zum Abschluss einen Workshop anbieten für amerikanische Nachwuchsgermanisten zu einem Autor der deutschen Gegenwartsliteratur. An dieser Veranstaltung nehmen auch ein deutschsprachiger Autor, zudem ein Übersetzer aus dem Deutschen ins Englische sowie ein Vertreter eines amerikanischen Verlages teil.

Im Sinne des "wechselseitigen Nutzens" begleitet dann im Anschluss - sozusagen Huckepack - ein amerikanischer Nachwuchswissenschaftler den Paul Celan Fellow nach Deutschland, um dort seinerseits möglichst enge Bindungen zu knüpfen und seine Forschungen voranbringen zu können. Die amerikanischen Gastwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler sollen dabei insbesondere das Deutsche Literaturarchiv in Marbach als wichtiges Zentrum der deutschen Gegenwartsliteratur kennen lernen und dort wissenschaftliche Kontakte aufbauen.

Erster Fellow im März 2003 ist Professor Dr. Heinrich Detering von der Universität Kiel. Er bietet zum Schluss seines Aufenthaltes in St. Louis - am 28. und 29. März 2003 - den Workshop "Lyrik nach Paul Celan" an. 35 Graduate Students und Professoren werden daran teilnehmen. Im Rahmen der Veranstaltung beschäftigt sich Detering mit "Paul Celans Poetik" und darüber hinaus mit "Entwicklungslinien der aktuellen Lyrik von Celan bis in die unterhaltende Gegenwartsliteratur". Als Vertreter der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur nimmt der Lyriker Durs Grünbein selbst an dem Workshop teil. Des Weiteren referieren der deutsch-englische Übersetzer Michael Hofmann und die amerikanische Verlagslektorin Ayesha Pande.
- Das vollständige Programm stellen wir Ihnen gern zur Verfügung.
- Professor Heinrich Detering ist noch bis Ende Februar in Kiel erreichbar.
Paul Celan wurde als Namensgeber für das Fellowship gewählt, da er mit seiner Dichtung für die Multikultur der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur steht. Mit seiner jüdischen Herkunft, seiner ursprünglichen Heimat in der Bukowina, den Aufenthalten in Österreich, der Schweiz und Deutschland und seinem Leben in Paris ist er ein im besten Sinne europäisch-kosmopolitischer Schriftsteller deutscher Sprache.

Das Max Kade Center for Contemporary German Literature an der Washington University in St. Louis, Missouri, gilt als "Brückenkopf" der deutschsprachigen Literatur in den USA; es wurde gegründet von Professor Dr. Paul Michael Lützeler, der jetzt auch Partner des Paul Celan Fellowships auf amerikanischer Seite ist. Ziel des Max Kade Centers sind ein Besucher- und Stipendiatenprogramm, der Aufbau von Sammlungen zur deutschsprachigen Gegenwartsliteratur und die Herausgabe wissenschaftlicher Publikationen, Reihen und Jahrbücher - sowie die Veranstaltung von Symposien.

Der Text der Presseinformation steht im Internet zur Verfügung unter

http://www.volkswagenstiftung.de/presse-news/presse03/13022003.htm;
dort finden Sie auch ein Foto von Professor Heinrich Detering
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Kontakt: VolkswagenStiftung, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Dr. Christian Jung, Telefon: 05 11/83 81 - 380, E-Mail: jung@volkswagenstiftung.de
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