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Gute Heilungserfolge bei Kindern gefährdet

13.02.2003 - (idw) Deutsche Krebshilfe e. V.

Gesundheitsreform nicht auf dem Rücken der Schwächsten austragen

Bonn (ct) - "Krebs bei Kindern ist heilbar: Drei von vier kleinen Patienten überleben heute die schwere Diagnose", sagte Professor Dr. Ulrich Göbel, Kinderonkologe am Universitäts-Klinikum Düsseldorf und Mitglied des Medizinischen Beirates der Deutschen Krebshilfe. Er mahnte jedoch an, die guten Heilungserfolge durch das 2004 in Kraft tretende neue Abrechnungssystem (DRG's) nicht zu gefährden. "Die derzeitig gültigen Pauschalen lassen den sehr viel höheren Pflege- und Personalaufwand bei der Versorgung krebskranker Kinder außer Acht", so Göbel. Die Deutsche Krebshilfe fordert daher anlässlich des Welt-Kinderkrebstages die Fallpauschalen für die Kinderonkologie zu überarbeiten. Gerd Nettekoven, Geschäftsführer der Deutschen Krebshilfe: "Es geht nicht an, dass die Kostendämpfung im Gesundheitswesen auf dem Rücken der Schwächsten ausgetragen wird und Eltern um die Versorgung ihres Kindes bangen müssen".

"Als uns der Arzt mitteilte, dass ich Knochenkrebs habe, dachten meine Eltern und ich nur eines: Das ist ein Todesurteil". Yadwigha G. hat diesen Tag bis heute nicht vergessen. Doch schon seit vielen Jahren gilt sie als geheilt. Die Operation und eine anschließende Chemotherapie waren erfolgreich. Der Preis für die Heilung war zwar hoch: Es musste ein künstliches Kniegelenk eingesetzt werden, um den Tumor entfernen zu können. Doch mit dieser Prothese meistert die 37-Jährige heute ihr Leben mit Bravour - als Mutter von drei Kindern. Yadwigha G. war eines von rund 1.800 Kindern, die jährlich in Deutschland an Krebs erkranken.

"Fast alle krebskranken Kinder werden in kinderonkologischen Zentren und nach bundesweit einheitlichen Konzepten untersucht und behandelt", sagte Professor Göbel auf einer Pressekonferenz am 13. Februar 2003 in Bonn. Die Protokolle werden im Rahmen von multizentrischen Therapieoptimierungsstudien immer weiter verbessert und haben maßgeblich dazu beigetragen, die Heilungschancen der kleinen Patienten zu verbessern.

Auch Yadwigha G. behandelten die Ärzte im Rahmen einer solchen Studie: Nach den Vorgaben der so genannten COSS-Studie entfernten sie den Knochentumor operativ und setzen die Prothese ein. Die Deutsche Krebshilfe finanziert fast alle derzeit in Deutschland laufenden Therapieoptimierungsstudien bei Kindern.

Das Abrechnungssystem der so genannten "Diagnosis Related Groups" (DRG) wird zum 1. Januar 2004 in Deutschland eingeführt mit dem Ziel, unnötig lange Liegezeiten in Kliniken und Krankenhäusern zu vermeiden und damit Kosten zu senken. Die Fallpauschalen, die die Krankenkassen zahlen, hängen ab von der Art und der Schwere der Erkrankung. "Der Ansatz des DRG-Systems ist gut, denn gerade in der Kinderheilkunde hat man gelernt, mit kurzen Liegezeiten umzugehen und dennoch gut zu behandeln", so Professor Göbel. "Doch mit den bislang erarbeiteten DRG's, die sich am Pflege- und Personalaufwand von Erwachsenen orientieren, sind bestimmte Behandlungen in der Kinderheilkunde nicht mehr durchführbar." Göbel rechnet damit, dass die Einnahmen der Kinderkliniken um 30, zum Teil sogar um 40 Prozent sinken. Die Deutsche Krebshilfe fordert daher anlässlich des Welt-Kinderkrebstages am 15. Februar 2003, das DRG-System nachzubessern und für die Kinderonkologie eigene Fallpauschalen zu definieren.

Initiiert wurde der Welt-Kinderkrebstag von der International Confederation of Childhood Cancer Organisations ICCCPO. Ihr gehören 54 Mitgliedsorganisationen in 46 Ländern an. Der erste Internationale Kinderkrebstag fand am 15. Januar 2001 statt.

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Infokasten: Stiftung Deutsche KinderKrebshilfe

In Deutschland erkranken jedes Jahr 1.800 Kinder unter 15 Jahren an Krebs. Am häufigsten werden Leukämien (Blutkrebs), Tumoren des Gehirns und des Rückenmarks sowie Lymphknotenkrebs diagnostiziert. Die Stiftung Deutsche KinderKrebshilfe, eine Tochterorganisation der Deutschen Krebshilfe, setzt sich für die Erforschung und Bekämpfung von Krebserkrankungen im Kindesalter ein. Zu den von ihr geförderten Projekten zählen unter anderem der Auf- und Ausbau von Kinderkrebs-Zentren, die Erforschung neuer Therapien sowie die Einrichtung von Elternhäusern und -wohnungen in Kliniknähe.
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