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NutritionDay 2007 - 25. Januar Erhebung in 31 Ländern

22.01.2007 - (idw) Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin e. V.

"NutritionDay in European Hospitals" ist die bisher größte europaweite Studie, bei der Patienten direkt über ihre Ernährungssituation befragt werden. Nach einem erfolgreichen Projektstart im Vorjahr werden nun mit 'NutritionDay2007' am 25. Januar bereits mehr als 20.000 Patienten in rund 1.000 Krankenhausstationen in 31 Ländern befragt werden. Fragebögen in 26 Sprachen stehen zur Verfügung. Ziel von 'NutritionDay' ist, die Bedeutung des Ernährungsstatus im Heilungsprozess den Patienten, Ärzten und Pflegepersonen bewusst zu machen. Dadurch sollen menschliches Leid und Krankenhauskosten verringert werden. 2006 wurden 16.455 Patienten in 748 Stationen in 25 Ländern befragt. Die Ergebnisse beweisen die Bedeutung der gezielten Ernährung im Krankenhaus. Denn bei Mangelernährung steigt die Liegedauer um bis zu 50 Prozent und das Sterblichkeitsrisiko erhöht sich drastisch. Auch der von 1995 bis 2004 amtierende EU-Agrar-Kommissar Franz Fischler unterstützt die Initiative: "Mit der Initiative 'NutritionDay' hat sich seit 2005 nun endlich ein multinationales Netzwerk gebildet, das sich eine nachhaltige Verbesserung der Ernährung von kranken Menschen durch Wissen um die Bedeutung aller Dimensionen von guter Verpflegung - auch der sozialen - zum Ziel setzt und das auch heuer wieder möglichst viele europäische Teilnehmer unterstützen sollten und werden".

'NutritionDay in European Hospitals' ist zudem die erste europaweite Studie, bei der Patienten direkt in ihrer Muttersprache befragt werden. Die Befragung umfasst neben den Betroffenen aber auch Pflegepersonal und Ärzte. Diesmal werden zudem Pflegeheime und Intensivstationen in die Befragung eingebunden. Laut dem österreichischen Koordinator des europaweiten Projekts, Prof. Michael Hiesmayr von der Medizinischen Universität Wien, lieferte bereits der NutritionDay2006 bedeutsame Ergebnisse:

· 47% der Patienten kommen bereits mangelernährt ins Krankenhaus. Nur jeder dritte Patient (genau: 38 Prozent aller Patienten) isst das angebotene Essen vollständig auf. Eine Konsequenz: Die Liegedauer erhöht sich bei Mangelernährung durchschnittlich um sechs Tage.
· Von den Patienten, die weniger als ein Viertel der angebotenen Menge aßen (das sind elf Prozent aller Patienten), waren nur elf Prozent mit dem Essensangebot unzufrieden. Die Mehrheit hatte keinen Appetit (47%) oder litt unter Übelkeit (14%). Als Ursachen wurden Krankheit und das "im Krankenhaus sein" angegeben.
· Wenig Appetit bedeutet höhere Sterblichkeit: Gegenüber Patienten mit ausreichender Nahrungsaufnahme (Mortalität 1,3%) erhöht sich die Mortalität drastisch: bei halber Nahrungsaufnahme steigt die Mortalität auf 2,4 Prozent, bei jenen, die weniger als ein Viertel des Nahrungsangebots bzw. gar nichts essen auf 5,5 bzw. 5,7 Prozent.
· Dickleibige Patienten haben pro Krankheitsfall eine geringere Mortalität als Untergewichtige. Dieser scheinbare Vorteil wird jedoch durch insgesamt höheres Krankheitsrisiko überkompensiert. Diese bekannten Fakten wurden in der Studie bestätigt.

Die Problematik der Verpflegung und Ernährungsversorgung in Krankenhäusern hatte der Europarat 2003 in einer Resolution aufgegriffen. Sie wurde von 18 Staaten unterzeichnet. Diese politische Willenserklärung wird nun durch das dreijährige Projekt "NutritionDay in European Hospitals" in die Praxis umgesetzt.

Neben zahlreichen anderen Gesundheitspolitikern und - politikerinnen unterstützt auch der Präsident des Ökosozialen Forums Europa, der langjährige EU-Agrar-Kommissar Franz Fischler, ebenfalls Österreicher, die Vorhaben der Initiative "NutritionDay in European Hospitals":
"Mit der Initiative 'NutritionDay' hat sich seit 2005 nun endlich ein multinationales Netzwerk gebildet, das sich eine nachhaltige Verbesserung der Ernährung von kranken Menschen durch Wissen um die Bedeutung aller Dimensionen von guter Verpflegung - auch der sozialen - zum Ziel setzt und das auch heuer wieder möglichst viele europäische Teilnehmer unterstützen sollten und werden. Dass diese Initiative erfolgreich sein wird, sehe ich schon darin begründet, dass hier ganz im Sinne der bewährten bottom-up-Strategie auch den Patienten und den Behandelnden eine Stimme gegeben wird, um schließlich aus den Erfahrungen beider im lokalen und internationalen Vergleich eine maßgebliche Verbesserung dieser Situation zu erreichen."

Die konkreten Ziele von 'NutritionDay in European Hospitals' sind:

· Erhöhung der Aufmerksamkeit auf und des Wissens über die Bedeutung des Ernährungsstatus im Heilungsprozess bei Patienten, Behandlern, Angehörigen sowie den politischen und wirtschaftlichen Entscheidungsträgern.
· Linderung menschlichen Leids und Reduktion der Kosten für das Gemeinwesen.
· Möglichkeiten des Lernprozesses von Krankenhausstationen mittels Datenvergleichs
· Einleitung von Forschungsprojekten für "Essen trotz Krankheit" und Möglichkeiten der künstlichen Ernährung. Vernetzung der Institutionen und Experten.

Rückgrat dieses drei Jahre dauernden Projektes ist ein jährlich wiederkehrendes, multizentrisches Audit der aktuellen Ernährungspraxis und ihrer Veränderungen in europäischen Krankenhäusern an einem einzigen Untersuchungstag. Das besondere Interesse gilt dabei der Station als Organisationseinheit. Denn sie ist die unmittelbare Betreuungseinheit einer Gruppe von Patienten innerhalb des Krankenhauses mit allen ihren spezifischen Eigenschaften, ihren Berufsgruppen, ihrer Patientenpopulation und der lokalen Kultur.

Die erhobenen Daten aus dem Jahr 2006 wurden anonymisiert analysiert und jeder Station die eigenen Ergebnisse zur Verfügung gestellt. Damit können sie ihre eigenen Ergebnisse mit den anonymen Daten der anderen Teilnehmer, gruppiert nach Fachrichtungen und/oder regionalen Kriterien, vergleichen.

Das Projekt wird institutionell unterstützt von der Arbeitsgemeinschaft für klinische Ernährung (AKE), der Europäischen Gesellschaft für klinische Ernährung und Stoffwechsel (ESPEN) und der Medizinischen Universität Wien.

Weitergehende Informationen: http://www.nutritionday.org/
Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an den nationalen Koordinator Ihres Landes! Kontaktdaten finden Sie auf der Website unter "participants" in einer .pdf-Datei als Download.


Kontaktadresse der deutschen Koordinatorin
Dr. rer. nat. Tatjana Schütz
Charité Universitätsmedizin Berlin, Gastroenterologie
D-10179 Berlin, Charitéplatz 1
Tel.: +49-(0)30-450 514 059
elke-tatjana.schuetz@charite.de

Kontaktadresse des internationalen Koordinators:
Prof. Dr. Michael Hiesmayr + Dr. Karin Schindler
Medizinische Universität Wien
A-1090 Wien, Währinger Gürtel 18-20
office@nutritionday.org
Tel.: +43 (0) 1 9690487
Weitere Informationen: http://www.nutritionday.org
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