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Ein Pionier in Würzburg

23.01.2007 - (idw) Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Stefan Schulz ist neuer Professor am Institut für Pharmakologie und Toxikologie der Universität Würzburg. Der 41-jährige Mediziner aus Magdeburg kehrt nach Forschungsaufenthalten in den USA und Australien nach Deutschland zurück und übernimmt hier die bundesweit erste Heisenberg-Professur. Sein Forschungsgebiet sind Neuropeptid-Rezeptoren. Wenn Patienten unter starken Schmerzen leiden, verschreiben ihnen Ärzte häufig Morphin. Das Mittel wirkt gut, hat aber leider einen Nachteil: Über längere Zeit eingenommen, gewöhnt sich der Körper daran. "In solchen Fällen kann es sein, dass man die Dosis auf das 10- bis 20-fache steigern muss, um den gleichen Effekt zu erzielen wie am Anfang", sagt Stefan Schulz. Warum das so ist, welche molekularen Mechanismen sich dahinter verbergen und welche Konsequenzen sich daraus möglicherweise ergeben, untersucht Schulz ab sofort in Würzburg am Institut für Pharmakologie.

Diese Andockstellen für Morphin, so genannte Opioid-Rezeptoren, sind allerdings nur ein Teil seiner Forschungstätigkeit, in deren Mittelpunkt immer Rezeptoren stehen. Somatostatin-Rezeptoren spielen eine wichtige Rolle, wenn Menschen zu viel Wachstumshormone produzieren und deshalb vor allem an Körperenden wie Händen und Füßen, aber auch im Bereich von Nase und Zunge unverhältnismäßig stark wachsen. Ihre molekularen Mechanismen versucht Schulz zu entschlüsseln. Chemokin-Rezeptoren mischen mit, wenn Zellen im Gewebe wandern, zum Beispiel, wenn Tumoren Metastasen bilden oder wenn das Nervensystem wächst. Letzterer Punkt interessiert den Mediziner besonders: "Diese Rezeptoren könnten von Bedeutung sein, wenn sich das Gehirn zum Beispiel nach einem Schlaganfall regeneriert", sagt er.

Dass aus seiner Forschung in Kürze konkrete medizinische Anwendungen hervorgehen, erwartet Schulz allerdings nicht: "Unsere Arbeit ist experimentell und steht in vielen Bereichen noch ganz am Anfang."

Stefan Schulz wurde 1965 in Schönebeck an der Elbe geboren. Er studierte Medizin in Magdeburg, wo er auch promovierte und sich habilitierte. Seit 2000 ist er Facharzt für Pharmakologie und Toxikologie. Seit 2005 forschte er mit einem Stipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft DFG am Western Australian Institute for Medical Research in Perth, Australien. In dieser Zeit wurde Martin Lohse, Sprecher des Rudolf-Virchow-Zentrums und Leiter des Instituts für Pharmakologie der Universität Würzburg, auf den herausragenden Nachwuchswissenschaftler aufmerksam und versuchte ihn an die Uni zu holen.
Eine Möglichkeit dafür bot sich mit einem neuen Angebot der DFG: der Heisenberg-Professur.

Ziel dieses Angebots ist es, "herausragenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zu ermöglichen, sich auf eine wissenschaftliche Leitungsposition vorzubereiten und in dieser Zeit weiterführende Forschungsthemen zu bearbeiten", so die DFG. Schulz, der schon als Heisenberg-Stipendiat in Australien arbeitete, scheint diese Anforderungen erfüllt zu haben. Nachdem die Uni Würzburg den ersten Antrag in diesem Programm stellte, ist er jetzt der erste Heisenberg-Professor in Deutschland.

Dafür hat Stefan Schulz sogar ein attraktives Angebot aus Marburg abgelehnt. "In Würzburg bietet sich mir ein ideales Umfeld, weil hier schon intensiv an Rezeptoren gearbeitet wird", sagt er. Seine Arbeit finde hier in bereits bestehenden Projekten am Institut für Pharmakologie und am Rudolf-Virchow-Zentrum ein perfektes Umfeld.


Gute Kooperationsmöglichkeiten, viel Know-how auf seinem Fachgebiet und somit gute Karrieremöglichkeiten: Diese Kombination sei ausschlaggebend gewesen für seine Entscheidung für Würzburg. Da nimmt Schulz es auch in Kauf, dass die Professur in Würzburg entsprechend der Vorgaben von der DFG erst einmal auf fünf Jahre befristet ist - anders als die Stelle in Marburg, die er auf Lebenszeit inne gehabt hätte. "Es ist zwar der unbequemere Weg, aber der mit der besseren Perspektive", findet er.

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