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Scheidender Leopoldina Präsident Benno Parthier mit der Cothenius Medaille geehrt

13.02.2003 - (idw) Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina

Senat und Präsidium der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina würdigen die herausragenden Verdienste des Pflanzenbiochemikers und langjährigen Leopoldina-Präsidenten Prof. Dr. Dr. h.c. Benno Parthier

Parthier erhielt die Cothenius-Medaille für seine herausragenden Verdienste um die Erforschung der Wirkungsweise pflanzlicher Stresshormone, der Jasmonate. Dank seiner breiten biochemischen, zellbiologischen und molekulargenetischen Expertise gelang Parthier die Aufklärung von Genen und ihren Produkten, die an der Wirkung der Jasmonate beteiligt sind und die zumeist Störungen der Proteinbiosynthese oder der Photosynthese bewirken. Parthier hat sich darüber hinaus der Biosynthese der Jasmonate gewidmet und schließlich auch deren Bedeutung in der Entwicklungsbiologie der Pflanzen und nicht nur bei der Stressabwehr erkannt.

Leopoldina-Vizepräsident Prof. Dr. Ernst-Ludwig Winnacker, zugleich Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft, betonte in seiner Laudatio, .... "dass die Komponenten der komplexen Signalketten, die durch Stresshormone ausgelöst werden, nicht nur in Pflanzen von Bedeutung sind, sondern in der gesamten Flora und Fauna, also von den Bakterien, Insekten über die Pflanzen bis hin zu den Säugern konserviert wurden. Einsichten, die zunächst bei Pflanzen gewonnen und verstanden wurden, sind plötzlich auch auf den Menschen übertragbar und gewinnen so zentrale Bedeutung für das menschliche Genomprojekt. Wissenschaftliche Leistung misst sich nicht an der Aktualität der Vorhaben, sondern allein an dem, was langfristig Bestand hat. Dass Benno Parthier mit seiner ganzheitlichen Sichtweise in dieser Liga bis vor kurzem mitgespielt hat, ist nicht nur unbestritten, sondern gar nicht zu überschätzen."

Winnacker dankte Parthier zugleich für seinen "übermenschlichen" Einsatz als Leopoldina-Präsident, ein Amt, das Parthier am 1. Juli 1990, dem Tag der Währungsumstellung in der alten DDR, antrat. In der Phase der Wiedervereinigung sei es Benno Parthier gelungen, die Struktur und Arbeitsweise der Leopoldina den Erfordernissen der Wissenschaft anzupassen und die Leopoldina in dem nunmehr gesamtdeutschen Wissenschaftssystem auf eine völlig neue Aufgabe auszurichten. Seinem Reformwillen sei es zu verdanken, dass die Leopoldina bereits 1998 als einzige Akademie das Gütesiegel einer positiven Evaluierung durch den Wissenschaftsrat erhielt.

Benno Parthier, geboren 1932, studierte Biologie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Nach der Promotion zum Dr. rer. nat. in Botanik (1961) und einem Studienaufenthalt als Stipendiat der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte an der Universität in Stockholm (1965) wechselte er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an das Institut für Biochemie der Pflanzen der Akademie der Wissenschaften (AdW) in Halle. 1975 erfolgte die Berufung zum Professor für Molekularbiologie an der AdW, von 1984-1986 wirkte er als Stellvertretender Institutsdirektor, ab 1990 als demokratisch gewählter Direktor am Institut für Biochemie der Pflanzen. Nach der Wiedervereinigung wurde Parthier Gründungsdirektor (1991) und danach Geschäftsführender Direktor (1992-1997) des "Blaue-Liste"-Instituts für Pflanzenbiochemie in Halle. 1993 erfolgte eine gemeinsame Berufung zum C4-Professor für Zellbiochemie an die Universität Halle, 1998 wurde Parthier entpflichtet. Bereits 1974 wählte die Leopoldina Parthier zu ihrem Mitglied, von 1978 bis 1987 diente er ihr als Sekretar, danach bis 1990 als Vizepräsident für Naturwissenschaften. 1990 übernahm Parthier das Präsidentenamt von seinem Vorgänger, dem Physik-Professor Dr. Heinz Bethge. Parthier erhielt namhafte Auszeichnungen und Ehrungen, war Mitglied des Wissenschaftsrates und ist nach wie vor Mitglied zahlreicher akademischer und wissenschaftlicher Gremien.

Die Cothenius-Medaille (in Gold) geht auf eine Stiftung des Leopoldina-Mitglieds Christian Andreas von Cothenius (1708 - 1789) zurück und wurde 1792 erstmals verliehen. Zu Beginn waren es Preisfragen aus der praktischen Medizin, für deren Bearbeitung die Medaille vergeben wurde. Seit 1954 würdigt die Leopoldina mit der Vergabe das herausragende wissenschaftliche Lebenswerk eines Akademie-Mitglieds. Die Cothenius-Medaille trägt die Inschrift: "Als Anerkennung der Tüchtigkeit derer gestiftet, die das Wohl der Sterblichen fördern". Die Cothenius-Medaille ist neben der Ehrenmitgliedschaft der Akademie die höchste von der Leopoldina vergebene Auszeichnung.

Die Verleihung der Cothenius-Medaille erfolgte am 13. Februar 2003 im Rahmen der festlichen Übergabe des Präsidentenamtes an Parthiers Nachfolger, den Würzburger Virologie-Professor Dr. Volker ter Meulen, im Freylinghausen-Saal der Franckeschen Stiftungen in Halle an der Saale.

Die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina (gegründet 1652 in Schweinfurt) mit Sitz in Halle an der Saale (seit 1878) ist eine überregionale Gelehrtengesellschaft mit gemeinnützigen Aufgaben und Zielen. Sie ist die älteste naturwissenschaftliche Akademie in Deutschland. Sie trägt durch die Jahresversammlungen, fachspezifische Meetings und Symposien, monatliche Vortragssitzungen und die vielfältigen persönlichen Kontakte der Mitglieder "zum Wohle des Menschen und der Natur" bei. Ihr gehören 1000 Mitglieder in aller Welt an. Drei Viertel der Mitglieder kommen aus den Stammländern Deutschland, Schweiz und Österreich, ein Viertel aus weiteren ca. 30 Ländern. Zu Mitgliedern werden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus naturwissenschaftlichen und medizinischen Disziplinen gewählt, die sich durch bedeutende Leistungen ausgezeichnet haben.

Die Leopoldina wird von einem ehrenamtlichen Präsidium geleitet. Präsident der Leopoldina ist seit dem 13. Februar 2003 der Virologie-Professor Dr. Volker ter Meulen (Würzburg). Vizepräsidenten sind derzeit der Psychologie-Professor Dr. Paul B. Baltes (Berlin), der Virologie-Professor Dr. Harald zur Hausen (Heidelberg) und die beiden Chemie-Professoren Dr. Gunter S. Fischer (Halle an der Saale) und Dr. Ernst-Ludwig Winnacker (München). Letzterer ist zugleich Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft in Bonn. Weitere sieben Präsidiumsmitglieder, darunter jeweils ein Vertreter aus Österreich und der Schweiz, sind in die Arbeit des Präsidiums eingebunden. Die laufenden Geschäfte der Leopoldina führt eine Generalsekretärin, die Neurobiologie-Professorin Dr. Jutta Schnitzer-Ungefug.

Die Leopoldina erhält ihre finanziellen Zuwendungen für die satzungsgemäßen Aufgaben zu 80 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und zu 20 Prozent vom Land Sachsen-Anhalt.

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