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System und Variation

29.01.2007 - (idw) Universität Siegen

Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Sprachwissenschaft (DGfS)
an der Universität Siegen
Vom 28. Februar bis 02. März 2007 findet an der Universität Siegen die 29. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Sprachwissenschaft. Die Tagung, zu der etwa 500 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem In- und Ausland erwartet werden, widmet sich dem Thema "System und Variation". In 175 Vorträgen werden Forschungsfragen zum Thema sicherlich kontrovers diskutiert und Bezüge zu aktuellen gesellschaftlichen Problemen hergestellt und erörtert werden. Vielfalt als Norm: Sprachen sind keine Monokulturen
Wer schreibt oder (öffentlich) spricht, wird sich in der Regel darum bemühen, dem allgemeinen Standard zu entsprechen, wie er in Grammatiken und Wörterbüchern mehr oder weniger verbindlich geregelt ist. Daneben wird unser sprachliches Verhalten aber auch durch Normen reguliert, die nur für bestimmte Regionen oder Bevölkerungsgruppen, Textarten oder Situationen Gültigkeit beanspruchen. Insgesamt existieren derart stets verschiedene systematisch miteinander in Beziehung stehende Ausdrucksmöglichkeiten nebeneinander. Eine Ausdrucksmöglichkeit, die einer bestimmten Norm folgt, kann durchaus dem allgemeinen Standard entsprechen - sie muss es aber nicht und kann in einem solchen Fall dennoch unter Umständen angemessener und so für den Sprecher vorteilhafter als die standardgemäße Ausdrucksweise sein. Darüber hinaus ist die Standardsprache historisch veränderlich, z. B. indem umgangssprachliche Formen Eingang in die Grammatiken und Wörterbücher finden.
Demzufolge liegt in der Variation einerseits die Möglichkeit des generellen Sprachwandels begründet - andererseits kann Sprachvariation aber auch mit Unsicherheiten, Verständigungs¬problemen und Kommunikationskonflikten einhergehen. Solche Konfliktpotenziale zu minimieren, dazu kann die Sprachwissenschaft einen entscheidenden Beitrag leisten. Zur Erläuterung zwei Beispiele aus den Themenfeldern der Siegener Jahrestagung:
"Sprachvariation durch Migration"
Vor dem Hintergrund von Migration entstehen - besonders in den Großstädten - durch den Kontakt von Landes- und Einwanderersprachen neue Sprachkulturen. Dies kann gesellschaftlich wie individuell als eine Herausforderung begriffen werden, wenn es darum geht, sich über sprachliche und kulturelle Grenzen hinweg auf gemeinsame Werte zu verständigen und möglichst vielen Menschen eine Teilhabe am sozialen Leben zu ermöglichen. Die neuen Sprachkulturen bedingen aber ebenso einen Reichtum an Lebensformen und Ausdrucksmöglichkeiten, der eng mit der jeweiligen eigenen Identität verbunden ist und den es prinzipiell zu fördern gilt.
Der Sprachwissenschaft kann eine Schlüsselrolle zukommen, wenn es darum geht, jenseits politischer Ideologien und einfacher Rezepte auf empirischer Basis konkrete Modelle zu entwickeln und zu bewerten: für eine mehrsprachige Erziehung und für Alternativen zu einer sprachlichen Monokultur in der institutionellen Kommunikation.
"Sprachvariation im Wechselspiel von Globalität und Lokalität"
Im Zuge einer zunächst nationalen, dann landesweiten Vernetzung von Ideen, Gütern und Menschen verändern sich auch die Bedingungen für sprachliche Variation. Dem Schreckgespenst einer zunehmenden Vereinheitlichung von Sprachen und Lebensformen setzt die Sprachwissenschaft differenzierte Erkenntnisse entgegen: Diese belegen etwa in der empirischen Untersuchung von Textarten auch ein Wechselspiel zwischen global zirkulierenden Ressourcen und lokalen Traditionen bzw. sie stellen, z. B. auf dem Gebiet der Sprachmelodie, die Existenz einer nationalen Standardnorm in Frage und führen die regionale Vielfalt als den Normfall vor Augen.

Weitere Informationen: http://www.dgfs2007.uni-siegen.de
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